Burden Of Life

Verfasst am 06. April 2020 von Michael Klein (Kategorie: Band Of The Month, Interviews) — 1.042 views

Metal-Aschaffenburg: Corona hält die Welt in Atem und auch Musiker haben unter den gesellschaftlichen Einschränkungen derzeit stark zu leiden. Ihr habt gerade euer neues Album „The Makeshift Conquerorveröffentlicht. Inwieweit trifft euch die derzeitige Situation?

Kötti: Die derzeitige Situation trifft uns als Privatpersonen in Bezug auf die Band glücklicherweise nicht besonders, da keiner von uns finanziell davon abhängig ist und wir alle „normale“ Jobs haben. Da geht es vielen anderen Künstlern sicherlich schlechter. Was uns aber natürlich schon sehr traurig macht, ist, dass wir jetzt – abgesehen von unserer traditionellen Releaseshow zu Hause in Regensburg – keine einzige Chance hatten das Material live zu präsentieren und das wird sich auf absehbare Zeit wohl auch nicht ändern. Das ist natürlich total ärgerlich, weil man mit so einem Album doch irgendwie auf die Liveshows hinarbeitet, den Leuten überall zeigen will, wie das jetzt klingt etc. Da haben wir, ganz unserem Bandnamen entsprechend, echt ein beschissenes Datum erwischt. Was uns bleibt, ist die Hoffnung, dass das sehr positive Echo, welches wir für die Platte bekommen haben (hier auch nochmal Danke für euer tolles Review!) das Momentum wenigstens ein bisschen aufrecht erhalten kann und die Leute dann noch Bock haben und das Album noch nicht vergessen ist. Wir sind da aber eigentlich ganz zuversichtlich und Gesundheit geht natürlich vor, eh klar!


Schon der Vorgänger „In Cycles“ hat sich ganz klar vom Melo-Death-„Einheitsbrei“ (ist nicht böse gemeint!) gelöst.

Wie kam es denn damals zur Entscheidung, euren bisherigen Pfad zu verlassen?

Kötti: Das fassen wir nicht böse auf, es bestätigt ja durchaus unser eigenes Gefühl bezüglich unseres Werdegangs. Ich denke, dass das keine bewusste Entscheidung, sondern eher eine natürliche Entwicklung war. Als wir 2010 unsere EP „In The Wake Of My Demise“ aufgenommen haben, die ich als unsere letzte quasi-pure Melo-Death-Veröffentlichung bezeichnen würde, haben wir halt auch noch primär eher Bands wie Dark Tranquillity und Children Of Bodom abgefeiert und uns dann einfach auch noch mehr daran orientiert. Unser zweites Album „The Vanity Syndrome“ ist schon auch noch klar als Melo Death einzusortieren, hat aber schon so einen Hang Richtung Prog. Bei „In Cycles“ wollten wir uns dann eigentlich nach außen hin schon als Progressive-Metal-Band präsentieren, aber wir haben uns dann doch nicht so ganz getraut, es erschien uns etwas zu großkotzig. Aber spätestens mit dem neuen Album finde ich, dass man das mit Fug und Recht so nennen kann.

Gab es bestimmte Bands, die euch hierfür inspiriert/motiviert haben?

Kötti: Ich mach‘ jetzt einfach mal ein bisschen Namedropping von Bands, die diese Entwicklung sicherlich mitgeprägt haben, wenngleich sie sicher nicht die einzigen waren: Between The Buried And Me, Devin Townsend, Opeth, Dream Theater, Kansas, Queen. Gleichzeitig gibt’s aber meines Erachtens auch bei vielen Melo-Death-Größen noch einiges abzufeiern, auch wenn es da bei manchen Künstlern eher beim Frühwerk bleibt. Und so ein paar Klassiker wie Iron Maiden, Metallica oder Judas Priest fanden wir damals geil, finden wir heute immer noch geil und die werden mit Sicherheit auch immer einen Einfluss auf unseren Sound haben.

Schon in meiner Review habe ich eure unverklemmte Herangehensweise gelobt.
Aber so ein kreatives Monstrum wie „Geistesblitz“ kann man sich doch gar nicht am Stück ausdenken, oder? Wie viel Detailarbeit und Feinjustierung war nötig, damit das Teil am Ende so klang wie es jetzt klingt?
Habt ihr die Chöre darin selbst aufgenommen?

Kötti: Ich find das witzig, dass du jetzt „Geistesblitz“ als Beispiel genommen hast, weil ich den tatsächlich in einem Zug durchgeschrieben hab. Das war eine sehr inspirierte Nachtschicht von Mitternacht bis etwa acht Uhr morgens. Es hat alles angefangen mit diesem Introlick und ab da hat sich irgendwie alles wie von selbst weitergesponnen, daher ja auch der Titel, der ursprünglich nur der Arbeitstitel war. Ich habe dann direkt das komplett ausnotierte Stück an die anderen weiter versendet und wir waren uns sehr schnell einig, dass wir daran weiterarbeiten werden. Klar, 100 % wie er jetzt klingt war er damals noch nicht, aber wirklich geändert haben wir nicht mehr viel. Es gab natürlich noch keinen Text, keine Gesangsmelodien und keine Soli und ein paar Kleinigkeiten am instrumentalen Gerüst haben wir dann in der Probe auch noch mal überarbeitet. Es gibt auf dem Album aber Songs, an denen bedeutend mehr geschraubt werden musste als an „Geistesblitz“.
Neben unserem Bassisten Karl singen in den Chören noch sieben andere talentierte Freunde von uns mit. Deren Stimmen haben wir dann einfach zigmal übereinander gelegt, mehrstimmig gemacht und dann klang das Ganze schon ganz fett.

Mein Favorit ist das melodische „Anthem Of The Unbeloved“ – könnt ihr meinen Waltari-Vergleich nachvollziehen?

Kötti: Ich gestehe jetzt zu meiner Schande, dass mir der Bandname zwar etwas sagt und ich weiß, dass sich da schon einige finnische Metal- und Rockgrößen die Klinke in die Hand gegeben haben, ich mich aber noch nie wirklich damit befasst habe. Um jetzt nicht als totaler Idiot dazustehen, habe ich da aber jetzt mal ein bisschen reingehört und von dem, was ich gehört habe finde ich die Parallelen durchaus nachvollziehbar und auch schmeichelhaft.

Wie kamt ihr denn auf die Idee „Sealing Our Fate“ mit einem Spinett zu erweitern?

Kötti: Die Affinität zu diesem Instrument hat zwei Hintergründe. Der eine ist, dass Children Of Bodom das ja auch oft verwendet haben in ihren früheren Songs, besonders auf „Something Wild“ und „Hatebreeder“. Weil wir das cool fanden, haben wir es natürlich auch von Beginn an im Repertoire gehabt, das gibt es schon auf unserem ersten Demo zu hören. Ganz banale Nachahmerei also. Der andere Hintergrund ist, dass ich schon immer ein großer Fan der Castlevania-Videospiele bin und die haben ja meist irgendein Mittelalter-, Horror-, und/oder Vampir-Setting. Da taucht das auch sehr oft im Soundtrack auf und deswegen ist das bei mir, und da bin ich glaub ich nicht alleine auf der Welt, für immer mit irgendwelchen grusligen, düsteren Emotionen verbunden. „Sealing Our Fate“ ist wohl auch, gerade lyrisch, der düsterste und dystopischste Song auf der Platte. Insofern hat sich das Instrument für die Stimmung des Songs einfach richtig angefühlt.

Wer genau ist denn eigentlich der „The Makeshift Conqueror“?

Kötti: Ein „Makeshift Conqueror“ ist jemand, der seine Dämonen und Probleme nicht durch gut durchdachte Pläne bekämpft, sondern immer davon ausgeht, dass sich alles schon irgendwie von selbst regeln wird. Wirklich eingreifen tut er dann nur spontan und kurzfristig, mit dem, was ihm eben gerade einfällt. Oft klappt das auch, allerdings nicht immer. Und meistens würde ihm so manche Niederlage, mancher Rückschlag oder Schmerz erspart bleiben, wenn er sich nur hin und wieder etwas eher darüber Gedanken machen würde, wie er seine Probleme angeht. Manchmal ist die Wand nämlich einfach zu dick, um sie mit dem Schädel zu durchstoßen.

Noch ein paar Worte zum supertollen Artwork: Wie spielen Inhalt und Artwork zusammen?

Kötti: Hier möchte ich auf unsere tolle Künstlerin Ann-Kathrin Müller (www.Ann-Kathrin-Mueller.de) verweisen, die sich das alles von null an selbst ausgedacht hat. Sie ist eine langjährige Freundin von uns und wir schätzen auch ihre Kunst sehr. Deshalb haben wir ihr auch keinerlei Anweisungen gegeben oder Vorstellungen mitgeteilt. Sie hat von uns lediglich Rough Mixes der Songs und die Texte bekommen und hat sich dann an die Arbeit gemacht. Was man jetzt am Ende sieht ist ihre ganz eigene Interpretation des Albums. Klar, wir haben sie natürlich nach den Zusammenhängen gefragt und sie hat uns das auch erläutert. Aber bevor ich jetzt irgendwelchen Kram erzähle, der dann doch nicht ganz richtig ist, schweige ich dazu lieber. Das müsste sie wenn dann selbst beantworten. Wir sind jedenfalls total zufrieden damit!

Ich wünsche euch trotz aktueller Krise alles erdenklich Gute für „The Makeshift Conqueror“! Möge das Album viel gehört werden!

Kötti: Vielen lieben Dank! Danke auch für das Interesse und die tollen Fragen! War mir eine Freude!

(mk)

www.BurdenOfLife.de

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