Black Metal in Aschaffenburg

Verfasst am 15. Februar 2019 von Michael Klein (Kategorie: Regionale Bands, Stimmen der Szene) — 1.296 views

Wahrscheinlich ist es im bayerischen Nizza einfach zu warm für eine blühende Black-Metal-Szene, denn verglichen mit Death oder Thrash war das schwarze Genre hier bei uns nie üppig mit Bands besetzt.
Doch gemäß dem Motto „Qualität statt Quantität“ kann unsere Region dennoch mit einigen mehr als beachtenswerten aktiven Bands aufwarten!


Die derzeit aktivste und vielleicht auch erfolgreichste BM-Truppe (Tour mit Marduk, Shows mit Inquisition, Darkened Nocturn Slaughtercult, Necros Christos, Abbath, Ruins Of Beverast uvm.) dürften die Erlenbacher Streams Of Blood sein.
Deren „Brutal Anti-Human Black Metal“ hat seine Wurzeln klar in den 90ern – stagniert aber niemals in reiner Retrospektive, sondern hält den Blick immer nach vorn gerichtet. Dass sich Bandkopf Thymos auch Einflüssen aus Black und Thrash Metal nicht verweigert, sorgt für Varianz und Dynamik im Sound. Die drei bisher veröffentlichten Scheiben (die aktuellste hört auf den Namen „Allgegenwärtig“) sind allesamt mehr als hörenswert! Dieses Jahr feiert die Band bereits ihr 10-jähriges Bestehen!


Auf mehr als 20 Jahre Bandhistorie kommen As Stormclouds Gather. Seit 1996 (!) hat die Band um Sänger Dalamar mehrere Demos herausgebracht; zuletzt 2018 die EP „Beyond The Gates Of Sorrow“. Fans von traditionellem, atmosphärischem Black Metal sollten bei der dienstältesten Aschaffenburger Black-Metal-Band voll auf ihre Kosten kommen!


Fans der ebenfalls seit mehr als 20 Jahren aktiven Seavitia müssen leider immer noch ohne vertontes Zeitdokument auskommen. Wir geben jedoch die Hoffnung nicht auf, dass dies irgendwann noch geschieht…
Wer die Truppe schon einmal live gesehen hat, weiß nämlich, dass der um viele genrefremde Elemente angereicherte, kalt-melodische Black Metal seinen ganz eigenen Reiz hat.


Im Umfeld von Streams Of Blood sind auch Rohavart angesiedelt. Die beiden Bands teilen sich nicht nur einige (Ex-) Musiker, sondern sind auch musikalisch ähnlich kompromisslos unterwegs. Die 2017 erschienene EP „Elend Geist“ wird von der Band mit Atmospheric Black Metal umschrieben und kommt komplett deutschsprachig daher.


Aschaffenburger Wurzeln finden sich beim Ein-Mann-Projekt Exterminate Mankind. Der Ex-Blood-Vengeance und Ex-Cervet-Musiker möchte mit seinem kleinen Projekt dem schnellen, brutalen Black-Metal-Sound von Bands wie Antaeus, Arkhon Infaustus oder Infernal War einen kleinen Tribut zollen. Die ersten Demos zum Ergebnis sind hoffentlich bald zu hören!


 

Auch die Wurzeln der inzwischen nach Würzburg umgesiedelten Klamm liegen in Aschaffenburg. Ursprünglich als Solo-Projekt des Ex-Abnegation-Schlagzeugers Simon gestartet wuchs dieses schnell zur Band heran.
Wo das Debüt „Frostfluss“ von 2008 noch sehr ungeschliffen (im positiven Sinne!) klingt, hat sich der Sound der Band bis zum aktuellen „Ernte“ (2015) ziemlich klar entwickelt: Klamm mischen atmosphärischen Post Black Metal mit Shoegaze und einer gewissen folkigen Grundstimmung mit einem zur Theatralik tendierenden (deutschsprachigen) Gesang. Für BM-Puristen taugt dies freilich nichts. Eigenständig und unvergleichlich ist das Material aber allemal – weshalb die Band eine stetig anwachsende Fanschar verzeichnen kann…

Der Klamm-Ableger Hands That Lift The Oceans sollte an dieser Stelle ebenfalls nicht vergessen werden. Hier haben wir es mit Post Black Metal in Reinform zu tun. Das Album „Impetus“ (2017) lebt von seiner Dynamik und dürfte Fans von Agalloch, Wolves In The Throne Room oder Drudkh in große Freude versetzen.


Ein weiterer Aschaffenburg/Würzburg-Grenzgänger ist Vargsheim. Seit etwas mehr als zehn Jahren ist die Band (die nebenbei auch noch als Live-Besetzung von Imperium Dekadenz fungiert) inzwischen unterwegs und hat in dieser Zeit neben einer Demo und zwei Split-CDs auch drei Full-length-Alben veröffentlicht. Der aktuellste Silberling hört auf den Namen „Träume der Schlaflosen“ (2015) und vermischt auf die Vargsheim-typische Art Black Metal mit Doom und lyrisch reizvollen, deutschsprachigen Texten.


Tja, und dann darf man (da noch nicht offiziell aufgelöst) hier an dieser Stelle auch noch Black Splendor nennen. Obwohl die geheimnisvolle Band sich selbst sicherlich eher im Progressiven Metal verorten würde, ist nicht von der Hand zu weisen, dass auch Bands aus dem erweiterten Black-Metal-Kreis ihre Spuren im Sound hinterlassen haben – was man in den wenigen auffindbaren medialen Spuren der Band auch hören kann.


Doch auch der Blick über den Aschaffenburger Tellerrand lohnt sich. Egal ob Würzburg, Frankfurt am Main oder Darmstadt. Hier ein paar Empfehlungen von uns:

Der Weg Einer Freiheit (Post Black)

Noctura (Black Classical Metal)

A Secret Revealed (Post Black)

Deadwood (Post-Black-Metal)

Plague (Black Metal/Post Rock/Jazz/Blues)

Satanic Wizard (90er BM)

Dark Man Shadow (Symphonic Black Metal)

Fallen Tyrant (South Hessian Black Metal)

Betrayed (Death/Black Metal)

(mk)

Die Kommentfunktion ist nicht aktiviert.