Unleash The Sky

Verfasst am 01. Juli 2015 von Michael Klein (Kategorie: Band Of The Month, Interviews, Regionale Bands) — 1.255 views

Mit „Hopes, Doubts & Inbetween“ haben Unleash The Sky vor einigen Jahren eines der geilsten Metalcore-/Melodic-Hardcore-Scheibchen unserer Region veröffentlicht.
Nach (viel zu) langer Wartezeit steht mit „Youth.“ jetzt endlich der ersehnte Nachfolger in den Startlöchern.
Und, oha! Es hat sich einiges geändert bei den Jungs aus Darmstadt und Aschaffenburg!
Sänger Paddy stand uns Rede und Antwort.

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Metal-Aschaffenburg: Hi, Paddy! Jetzt ist es soweit: „Youth.“ ist endlich draußen!
Das Crowdfunding habt ihr ja schon vor einem Jahr erfolgreich beendet. Was hat denn die Veröffentlichung so lange hinausgezögert?

Paddy: Eins vorweg: Das Crowdfunding bezog sich auf die Finanzierung von Musikvideos fürs neue Album. Es hatte also nicht direkt etwas mit dem Zeitpunkt des Release zu tun, war aber trotzdem daran gekoppelt, da man ja u.a. das neue Album bekommen konnte.
Die Verzögerung entstand aus mehreren Dingen, auf die wir teilweise keinen Einfluss hatten, zum Beispiel falsche Versprechen von potentiellen Businesspartnern. Und wenn du dann als Band endlich dein Team (Management, Label usw.) gefunden hast, braucht die Sache ja noch mal eine gewisse Vorlaufzeit für Promo und so, bis es dann endlich zum Tag X kommt und deine Platte veröffentlicht wird. Glaub mir, am Releasetag (12.6.) sind uns mehrere Tonnen von den Schultern gefallen, das war die pure Erlösung.

Wie lange wart ihr denn mit dem Verpacken der Funding-Sachen beschäftigt? Da kommt ’ne Menge zusammen, oder?

Haha, oh ja! Insgesamt saßen wir mehrere Stunden zu fünft im Proberaum und haben die Sachen verpackt, insgesamt über 200 Pakete, unter anderem nach Kanada oder in die Schweiz. Und im Vorfeld mussten wir erstmal checken, wo man an all die Kartons und Verpackungen rankommt, die wir brauchten. Aber glaub mir, es war ’ne lustige Aktion und wir haben es gerne gemacht – außerdem sind wir jetzt Profis bei Versand- und Portofragen!

Haha, gut zu wissen! Ich denke, dass nicht wenige darüber erstaunt sein dürften, dass UTS auf „Youth.“ deutlich melodischer klingen als zuletzt. Screams gibt es viel weniger, die Arrangements klingen poppiger und süßer. Hat sich das so ergeben oder war das schon vorher geplant?

Wir hatten schon nach dem Release des Debüts 2011 gemerkt, dass wir uns irgendwo in einer Nische bewegen – für die Harten zu weich, für die Weichen zu hart – und gerade die Touren mit Emil Bulls 2012 und Blackout Problems 2013 haben sicher ihren Teil zur neuen Ausrichtung beigetragen. Da haben wir wirklich gemerkt, auf welches Publikum wir Bock haben: Musikfans, die offen und mit Herz bei der Sache sind und einfach Party vor der Bühne machen wollen. Ohne Kickboxer im Pit oder ähnliche Deppen…
Also gingen wir schon in die Vorproduktion mit der Absicht, etwas eingängigere Songs zu schreiben, ohne die nötige Portion Härte zu verlieren. Und ich glaube, das ist uns ganz gut gelungen.

Habt ihr denn keine Angst, euch dadurch Fans zu verprellen, die eher auf den härteren Stoff von euch stehen und/oder euer Fan-Lager zu spalten?

Dass es nicht nur Jubelstürme gibt, war uns klar, aber das ist doch immer so, wenn sich eine Band im Sound weiterentwickelt. Guck dir Bring Me The Horizon an, was die mit jedem neuen Album präsentieren ist doch der Wahnsinn, so unglaublich facettenreich, die machen einfach ihr Ding, fuck off! Aktuell ist es echt lustig, die Bewegungen bei Facebook zu beobachten: Erst posten die Hater „Ey, UTS, das ist mir alles zu soft, wo sind die ganzen Shouts, ich bin enttäuscht“… und eine Woche später kommentieren sie ihre eigenen Postings mit „Hui, nachdem ich die Platte jetzt noch 18-mal gehört hab‘ muss ich zugeben, dass ich am Anfang ganz falsch lag. Die Songs sind echt fett und machen sau Bock, ich nehme alles zurück“. Das bestätigt uns darin, den richtigen Weg zu gehen.

UTS Band 2015Es gibt auch einige kritische Stimmen zu lesen, die die knappe Spielzeit von „Youth.“ bemängeln. Hat es denn nicht mehr Material gegeben, das ihr hättet verwenden können… oder kommt da noch was?
So ’ne Split mit den Blackout Problems oder den Emil Bulls – das wär doch mal was…

Neben den Songs fürs Album haben wir eine Akustik-EP mit 5 Tracks aufgenommen, die auch irgendwann erscheinen wird. Und aufs nächste Album kommen dann einfach 38 Songs, versprochen.

Meine Favoriten sind „Lonely Blue“ und „These Days“.
Lonely Blue“ behandelt ein ziemlich trauriges Thema, interpretiere ich das richtig?
These Days“ hört sich für mich nach nostalgischem Rückblick in die – klar – Jugend an – oder liege ich komplett falsch?

Beides richtig. „Lonely Blue“ behandelt den plötzlichen Tod meiner Mutter vor drei Jahren. Offiziell heißt es, sie hatte im Schlaf einen Herzinfarkt, doch für mich bzw. für meine gesamte Familie war es ihr gebrochenes Herz, an dem sie starb. Mein Vater erlag 1998 nach langem Kampf dem Krebs und meine Mutter war bis zum Ende an seiner Seite. Diesen Verlust hat sie nie verkraftet – deshalb hat die Geschichte für mich auch eine schöne, ja fast schon romantische Seite, denn jetzt sind meine Eltern wieder vereint. Dieser Gedanke gibt mir Frieden und ganz viel Kraft, nach vorne zu schauen. In „Lonely Blue“ schreibe ich aus der Sicht meiner Mutter und was sie mir wohl als letztes mit auf den Weg gegeben hätte, nämlich dass man immer auf sein Herz hören und weiter machen soll, egal wie schwer es ist.
These Days“ ist ein Blick zurück auf die wilden, unbeschwerten Zeiten im Leben. Diese Zeit und all ihre Menschen werden immer ein Teil von uns bleiben, ganz egal wohin wir gehen.

Wie viele Takes habt ihr denn für das Lyric-Video von „B.R.L.D. gebraucht?

Diese Frage wurde uns erstaunlich oft gestellt, haha! Wir haben nicht mitgezählt, aber um die 20 waren es schon. Am Ende hatte vor allem unser Kameramann Benni schlimme Schweißausbrüche, weil die Kamera immer schwerer wurde. Wir hatten nasse Füße, aber ansonsten war die Stimmung super.

Euer Produzent Sky van Hoff trägt einen wesentlichen Anteil an „Youth.“ einige der Stücke sind komplett aus seiner Feder, richtig?
Habt ihr keine Angst, durch das Einwirken „Außenstehender“ euren eigenen Sound zu verändern?
Wie wichtig war Sky van Hoff für „Youth.“?

Da wir auch das Debütalbum bei Sky aufnahmen, ist unser „eigener“ Sound also schon seit Beginn von ihm mitgeprägt worden, kann man sagen. Die Zusammenarbeit lief damals so gut, dass für uns kein anderer Produzent für „Youth.“ infrage kam. Und auch diesmal sind wir wieder völlig offen an die Produktion gegangen, Sky war quasi das sechste Bandmitglied – und wenn sich dieses Bandmitglied nach einer produktionsfreien Woche plötzlich mit einem Song meldet, den er geschrieben hat und der einfach perfekt ins Gesamtkonzept passt, dann wären wir ja extrem blöd, wenn wir das ablehnen würden.

Warum eigentlich „Youth.“ mit „.“ dahinter? Der Punkt klingt so nach Abschluss und Ende. Aber auch wenn die Jugend altersbedingt ein Ende hat, so kann man doch einen Teil dieser Zeit weiter in sich tragen, oder?

Und ob wir unsere Jugend weiterhin in uns tragen! Komm mal mit auf ’ne Show und feiere danach mit uns im Hotel, dann wirst du wissen, was ich meine, haha. Der Punkt hat eher stilistische Gründe im Zusammenhang mit dem CD Cover – und in den meisten Reviews wird er eh vergessen.

Welche Dinge bringt ihr denn am deutlichsten mit eurer Jugend in Verbindung?
Bei mir sind es ganz klar Lego, ein paar Computerspiele, spielen im Wald und die Masters Of The Universe .

Ich denke, dass wir alle mit einer gesunden Mischung aus Natur und Technik aufgewachsen sind. Auf der einen Seite die Bolzplätze und Half Pipes unserer Käffer, verstecken spielen im Wald, komische Beeren als Mutprobe essen und danach zum Arzt müssen… andererseits die ersten Computer, TV-Cartoons, Uhrzeitkrebse aus dem YPS-Heft und natürlich viel Musik, auf die ich jetzt nicht im Detail eingehen möchte, das wäre zu peinlich.
Ja, und irgendwann kam dann bei jedem von uns das erste Bier dazu und die Mädels wurden interessant… to be continued.

Danke fürs Interview, Paddy!

Danke für die tollen Fragen und bis bald!

(mk)

www.UnleashTheSky.com

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