Thornbridge

Verfasst am 01. März 2024 von Michael Klein (Kategorie: Band Of The Month, Interviews, Regionale Bands) — 385 views

Mit den vergangenen beiden Alben „What Will Prevail“ und „Theatrical Masterpiece“ haben sich THORNBRIDGE zu Recht den Ruf als eine der spannendsten deutschen Melodic/Power Metal-Newcomer erarbeitet.
Mit ihrem dritten Album „Daydream Illusion“ fügt das Quartett ihrer Diskographie ein spannendes neues Kapitel hinzu.

Metal Aschaffenburg: Hallo ihr Lieben! Thornbridge existieren bereits seit 16 Jahren!
Seid ihr zufrieden mit dem Platz, an dem ihr mit der Band heute steht oder gab es Ziele, die sich für euch bisher noch nicht erfüllt haben?

Jörg „Mo“ Naneder: 2008 ist zum ersten Mal der Name Thornbridge gefallen und wir wussten, dass wir in Richtung Power Metal gehen wollen. Aber so richtig los ging es dann erst 2012 mit einer über mehrere Jahre festen Besetzung. Das erste Album kam dann wiederum erst 2016. Manchmal denken wir uns “ja wir hätten hier und da mal etwas früher bzw schneller sein können”.
Klar gibt es demnach noch viele Ziele für uns. Allein schon die großen Festivals zu spielen.

Zwischen Theatrical Masterpiece und eurem neuen Album Daydream Illusion liegen fünf Jahre. Hat hier die Pandemie ihre typischen Spuren hinterlassen oder gab es andere Gründe für die längere Wartezeit?

Ja zum einen hat die Pandemie der Motivation sehr zugesetzt und zum anderen hatten wir später sehr lange auf unseren Mix warten müssen, da Seeb gerade mit Orden Ogan vorm neuen Albumrelease stand und kurz darauf mit Angus McSix voll ausgelastet war.

Euer Line-Up hat sich etwas verändert. Mit Vincent (Drums) und Tomi (Rebellion/Ex Grave Digger) gibt es neue Gesichter zu begrüßen.
Woher kennt ihr euch und wie kam es zu den Besetzungswechseln?

Während den Studioaufnahmen und dem Musikvideo saß noch Nils Kreul am Schlagzeug. Allerdings war die Distanz unserer Wohnorte leider zu groß für regelmäßige Proben und das “familiäre” Zusammenwachsen. Burghi verließ aus privaten Gründen die Band kümmert sich aber noch um die Website und Shop. So fingen wir an, im näheren Freundes- und Bekanntenkreis herumzufragen und hier und da meldete sich jemand, der wiederum jemanden kannte. Irgendwann landeten wir bei Vincent und Tomi und das hat sofort gepasst.

Tomi ist auch ein talentierter Songwriter. Wird er sich zukünftig ins Songwriting einbringen (oder hat dies sogar schon?)

Auf Daydream Illusion kam es noch nicht dazu, da das Album schon lange fertig war, bevor Tomi dazu kam.
Aber wer weiß, für die nächsten Alben ist dies nicht ausgeschlossen.

Theatrical Masterpiece handelte von einem Psychopathen als Scharfrichter, Daydream Illusion von einem Insassen einer Nervenheilanstalt in viktorianischen Zeit und dessen Umgang mit barbarischen Behandlungsmethoden.
Bei dem Thema hätte man durchaus auch härtere Töne einbinden können.
Überraschenderweise klingt euer neues Album für mich aber sogar weniger Aggressiv und deutlich sanfter.
Mit welcher Idee seid ihr ans Songwriting herangetreten?
War Daydream Illusion im vornherein als Konzeptalbum angelegt?

Ich schreibe die Texte immer erst zum Schluss wenn alle instrumental Demos fertig sind. Das heißt, das instrumentalische Songwriting entsteht komplett ohne textlichen oder thematischen Hintergrund.
Es gab zwar eine Grundidee über was man schreiben könnte oder in welcher Epoche, diese wurde aber im Laufe des Prozesses immer wieder umgedacht, verworfen oder erweitert. Die Geschichte über den Jungen, der dann in die Anstalt kommt, passte dann irgendwann nicht mehr nur in einen Song und somit war schnell klar, dass es ein Konzeptalbum wird.
Da das ganze Album aus der Sicht dieses kleinen Jungen erzählt, passen die sanfteren Töne wiederum ganz gut.

Mit dem finalen Lost On The Dark Side habt ihr einen Cliffhanger erschaffen. Die Zeilen „This is not the end of my tale. I’m keeping the faith cause time will unveil. Ever be certain that someday my hope will prevail“ schreien ja förmlich nach einer Fortsetzung, richtig?

Wer die CD oder LP sein eigen nennen darf, findet im Booklet auf der letzten Seite eine Notiz von einem der Charaktere aus der Geschichte. Damit hat das Album auch ein offizielles Ende. Theoretisch ist es allerdings möglich dort zukünftig wieder anzuknüpfen. Mal sehen wo die Reise hingeht.

Spielen die Themen eurer Alben denn eigentlich im gleichen erzählerischen Kosmos und sind durch ein übergeordnetes Konzept verbunden?

Beim ersten Album bewegten wir uns noch sehr im Bereich Fantasy. Das Zweite war schon mehr realitätsnahes Mittelalter und jetzt sind wir im viktorianischen Zeitalter. Gemeinsam haben die Alben eigentlich nur, dass sie in der Vergangenheit spielen, aber eine direkte Verbindung gibt es nicht.

Die Hauptperson versucht seine eigene Traumwelt und die darin befindlichen Wesen vor der Zerstörung zu bewahren, die ihm in der realen Welt drohen.
Ich sehe darin einen starken Bezug zu Gräueltaten, die manche Menschen auch heute noch erleben (z.B. die psychische Belastung durch Kriege und Vertreibung oder psychische und körperliche Missbräuche) – und deren inneren Kampf, mit diesen Traumata im echten Leben klar zu kommen.
Ist diese Interpretation nachvollziehbar?
Wie viel Realität und Realitätsbezug steckt in den Texten der Songs?

Die Story ist komplett frei erfunden. Ich hatte auch nicht vor echte Erlebnisse oder versteckte Realitätsbezüge mit einzubauen.
Bei der Hauptperson ist es so, dass seine Traumwelt schon existierte und ihm persönlich erst später übles angetan wird. Das erlebt er real in Form von Erinnerungsstörungen und äußert sich in seiner Traumwelt als Zusammenfall einzelner Schauplätze.

Der Mix stammt erneut von Seeb Levermann. Never Change A Running System?

Zum einen verbindet uns ja eine gute Freundschaft und zum anderen war bisher alles top was er gemixt hat. Wir hatten nach dem letzten Album einfach gesagt “bis zum nächsten Mal“ und als es soweit war, ohne groß darüber zu reden, gefragt “wann hast du zeit für unsere drum-aufnahmen” und schon waren wir wieder mittendrin.

Wann kommt eigentlich die Kooperation mit der englischen Thornbridge Brauerei? Was Maiden können, könnt ihr doch schon lange, oder?

Ich bin bisweilen ehrlich gesagt froh, dass noch keine Klage wegen dem Namen kam 😄
Aber es wäre eine gute Idee, mal eine Brauereibesichtigung zu machen und sich persönlich vorzustellen. Vielleicht sind die ja offen für neue Ideen.

Danke für eure Zeit!
Viel Erfolg mit Daydream Illusion!

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