Into Eternity

Verfasst am 12. März 2019 von Michael Klein (Kategorie: Band Of The Month, Interviews) — 422 views

Wer die kanadischen Prog-Deather Into Eternity nur als Ex-Kapelle des aktuellen Iced-Earth-Goldkehlchens Stu Block in Erinnerung hat, der hat eine ganze Menge verpasst.
Bandkopf Tim Roth hat seit dem selbstbetitelten Debüt 1999 (mit und vor allem ohne Stu) für eine ganze Handvoll Genre-Sternstunden gesorgt. Für die jüngste Veröffentlichung hat sich die Combo satte zehn Jahre Zeit gelassen.

Metal-Aschaffenburg: Tim, danke, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst!

Tim: Danke für die Anfrage! Es ist mir ein Vergnügen!

Zuerst mal Glückwunsch zum neuen Album „The Sirens“! Als Fan musste man lange warten – kannst du mir erzählen, warum es so lange gedauert hat?

Es tut uns wirklich leid, dass die Fans so lange warten mussten. Das Wichtigste ist, dass wir jetzt endlich wieder mit einer neuen Scheibe am Start sind. Es sind eine Menge coole, epische Songs drauf – ich hoffe, dass die Fans sich darüber freuen.
Der Grund für die lange Pause war das Leben. 2009 zogen wir das zweite Mal nach Japan und ich wurde Vater. Deshalb habe ich mich verstärkt meiner Familie gewidmet. Danach folgte eine ganze Kette an Ereignissen, auch, dass wir Stu an Iced Eath verloren haben. Wir begannen neue Musiker zu suchen und in einigen Belangen komplett neu anzufangen. Jetzt ist aber endlich die Zeit gekommen, „The Sirens“ zu veröffentlichen.

Zwei der auf „The Sirens“ enthaltenen Songs wurden bereits 2011 und 2012 als digitale Single veröffentlicht. Warum habt ihr euch entschlossen, diese Stücke erneut mit auf das Album zu packen?

Die beiden Songs („Sandstorm“ und „Fukushima“) gehörten schon ursprünglich zu mehreren anderen Stücken, die wir gemeinsam veröffentlichen wollten.
Amanda hat die beiden Nummern komplett neu eingesungen (ursprünglich ist dort noch Stu zu hören – Anm. d. Verf.)

Basieren die anderen Stücke von „The Sirens“ denn ebenfalls auf älteren Ideen oder sind diese komplett neu?

Das gesamte Material ist brandneu. Ich hatte bereits 50 Minuten fertig komponierte Musik – diese sind mir aber wegen einer defekten Festplatte verloren gegangen.
Es blieb uns also nichts anderes übrig, als neue Riffs, Melodien und Arrangements zu schreiben.

Ich finde, dass „The Sirens“ progressiver und aggressiver als „The Incurable Tragedy“ und „The Scattering Of Ashes“ klingt. Habt ihr das Songwriting bewusst in diese Richtung gelenkt?

Ich stimme zu, dass viel auf „The Sirens“ aggressiver und schneller ist als auf „The Incurable Tragedy“ – das war ein ganz natürlicher Prozess, der auch ein wenig unserem neuen Schlagzeuger Bryan geschuldet ist. Er hat schon zuvor in Death-Metal-Bands gespielt und kann seine jugendliche Energie bei uns hervorragend einsetzen. Es ist ein großer Zugewinn, Blastbeats und schnelle Doublebass integrieren zu können

Mein Favorit auf „The Sirens“ ist „Devoured By Sarcopenia“.

Danke! Es ist toll, dass du ausgerechnet diesen Song herauspickst, denn das ist auch einer meiner Favoriten. Er hat einen griffigen Pre-Chorus und einen ziemlich eingängigen Refrain; außerdem einen tollen Mittelpart und tonnenweise Killer-Riffs. Hier hat mich die Band mehr Leadvocals übernehmen lassen. Eines meiner Hobbys ist mir Bodybuilding-Wettbewerbe, wie z. B. Mr. Olympia, und Magazine anzuschauen. Dort ist mir der Begriff „Sarcopenia“ (Sarkopenie = fortschreitender Muskelabbau im Alter) immer wieder begegnet, deshalb habe ich mir irgendwann mal „Devoured By Sarcopenia“ als Idee notiert. Dieser Begriff hat dann perfekt zur Gesangsmelodie dieses Songs gepasst.

Unser vorheriges Album war ein Konzeptalbum – das wollten wir nicht wiederholen. Unser Bassist Troy hat den Großteil des Texts von „Sirens“ geschrieben. Der gefiel uns so gut, dass wir diesen als Titelsong und Grundlage für das Coverartwork festlegten. Der Song ist ein episches Stück, das leise und weich beginnt, jedoch schnell in kontrolliertes Chaos abdriftet.

Ich finde, dass „The Sirens“ ziemlich viel „Buried In Oblivion“-Feeling ausstrahlt. War es geplant, wieder etwas zu euren Wurzeln zurückzukehren?

Danke, das fasse ich als großes Kompliment auf! Es ist normalerweise nicht möglich für Bands alte Werke wieder aufleben zu lassen, weil sich Band und Menschen über die Zeit einfach verändern. Wenn das neue Album an ältere anklingt, dann heiße ich das herzlich willkommen. Geplant war es allerdings nicht. Ich wünschte, ich könnte die Magie eines „Buried In Oblivion“ konservieren und ins Regal stellen.

Wir haben „Buried In Oblivion“ als 4.-bestes Album der Jahre 2001 – 2010 gewählt – und wir sind nicht die Einzigen, die viel von dem Album halten. Hast du eine Idee, warum dieses immer noch so poulär ist?

Wow, das ist ja der Wahnsinn! Danke für diesen Support! „Buried In Oblivion“ ist eines der beliebtesten Alben und es macht mich sehr stolz, solche Reaktionen zu lesen. Es freut mich einfach, dass so viele Leute Spaß mit diesem Album haben. Der Erfolg war ein Gemeinschaftswerk der Musiker, die darauf spielen. Ich habe viele spezielle Erinnerungen an diese Zeit. Das Album half uns auf jeden Fall, uns international bekannter zu machen.

The Incurable Tragedy“ war ein großer Wendepunkt in der Geschichte von Into Eternity, denn es war das letzte Album mit Stu Block am Mikrofon vor seinem Wechsel zu Iced Earth. Wie ist denn euere Verhältnis zu ihm heute?

Stu Block bekam die einmalige Chance auf einen Job bei einer meiner Lieblingsbands. Wir freuten uns riesig für ihn, denn die Fans sollten hören, was für ein grandioser Sänger Stu ist! Iced Earth konnten ihm zu weit mehr Erfolg verschaffen, als unsere Band das je könnte. Stu ist der beste Sänger, mit dem ich je zusammengearbeitet habe. Er hat keine Limitierung in seiner stimmlichen Bandbreite und kann wirklich alles singen!
Stu lebt immer noch in meiner Heimatstadt – ich sehe und spreche oft mit ihm. Ich war sogar sein Trauzeuge bei seiner Hochzeit vor ein paar Jahren. Er ist für mich wie ein Bruder.

Amanda hat vor sechs Jahren bei euch Stus Erbe angetreten.

Amanda ist eine tolle Sängerin und eine noch tollere Person! Sie hat ein goldenes Herz und wir sind sehr glücklich darüber, dass sie bei uns singt. Die Fans werden sich in sie verlieben! Als sie bei uns vorsang, saß Stu mit dabei, was Amanda sehr nervös machte. Doch sie hat alles auf den Punkt gebracht. Sechs Jahre später steht sie immer noch mit uns auf der Bühne und rockt alles weg!
Sie hat eine extrem dynamische, kraftvolle Stimme.

Ich muss zugeben, dass ich anfangs skeptisch war, aber ihre Performance auf „Nowhere Near“ oder der neuen Version von „Fukushima“ verdient Beifall!
Ich denke, ihre Leistung auf „The Sirens“ wird alle Zweifler verstummen lassen.

Danke für diese Einschätzung! Sie wird das Kompliment lieben! Sie kann jede Note, die wir von ihr brauchen mit Leidenschaft singen und ist von außen und innen einfach wundervoll – die Fans werden sie lieben!

Wenn ich mich nicht täusche, dass war eine eurer letzten europäischen Shows auf dem Rock Hard Festival in Gelsenkirchen 2004. Das sind unglaubliche 14 Jahre!
Wann kommt ihr denn mal wieder?

Ich kann mich an die Show auf dem Rock Hard Festival gut erinnern. Direkt danach flogen wir nach Italien und spielten zusammen mit Judas Priest vor 25000 Zuschauern. Wir wollen auf jeden Fall nach Europa zurück! Es ist nur nicht ganz so einfach für eine kanadische Band mit einem knappen Budget.

Wie gut ist denn der Zusammenhalt der kanadischen Metalszene?

Es gibt so viele kanadische Killer-Bands. Annihilator waren eine meiner ersten Lieblingsbands aus Kanada. Jeff Waters ist ein unglaublich guter Gitarrist und Songwriter. Hört euch auf jeden Fall auch mal Untimely Demise an – die Band unseres Gitarristen.

Ich weiß, dass du riesiger Judas-Priest-Fan bist. Wie gefällt dir denn „Firepower“?

Stimmt, ich bin großer Fan! „Firepower“ ist für mich bis jetzt das Album des Jahres! Ich habe es mir auf CD und Vinyl mit Downloadscode gekauft – habe es jetzt also in allen Formaten. Es ist ein perfektes Album mit einer modernen Produktion, unglaublichen Vocals und hervorragendem Songwriting. Jeder sollte sich dieses Alvbum anhören!

Danke für das Interview, Tim!

Danke! Das war ein großartiges Interview! Danke für den Support!

(mk)

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