Thoughts Factory

Verfasst am 15. August 2014 von Michael Klein (Kategorie: Band Of The Month, Interviews, Regionale Bands) — 1.830 views

Am am 28.8. spielt mit Haken eine der spannendsten – wenn nicht sogar DIE spannendste – Progressive Metal/Rock-Bands der Gegenwart im Colos-Saal.
Im Vorprogramm: Eine der spannendsten Aschaffenburger Progressive Metal/Rock-Bands: Thoughts Factory!
Die Jungs haben uns vor kurzem ihr Debüt „Lost“ zugesteckt und damit unser Interesse geweckt. Wir bohrten bei der Truppe mal etwas genauer nach…

 

Thoughts-Factory-LostMetal-Aschaffenburg: Hallo! Danke, dass ihr euch ein bisschen Zeit für dieses Interview nehmt! Wo habt ihr denn eigentlich von www.Metal-Aschaffenburg.de Notiz genommen?

Thoughts Factory: Bernd kennt die Seite und meinte, ein lokales Review würde uns noch fehlen. Da ist Aschaffenburg natürlich erste Wahl. Dort ist die Future Music School von Markus (Chris arbeitet auch dort) und es gibt noch eine gepflegte Metal-Szene. Sven hatte auch erst kürzlich von der Seite Notiz genommen, da Precipitation (für die er die erste EP produziert und gemischt hatte) dort ein Review erhalten hatten.

Ich war von „Lost“ in zweierlei Hinsicht überrascht. Zum einen von der gebotenen Klasse, zum anderen davon, dass es schon im Februar erschien.
In einem main.tv-Beitrag habt ihr erwähnt, dass ihr bereits seit 2013 am Material probt. Warum hat man denn als Aschaffenburger von eurem Schaffen denn „so wenig“ mitbekommen?

Das liegt wohl an unserem riesigen Talent zu Geheimhaltung. Nein, nun ernsthaft. Wir haben unser Schaffen nie an die große Glocke gehängt. Wir wollten in Ruhe unsere Arbeit machen können und uns auf keine Release-Termine festnageln lassen. Verwandte und enge Freunde wussten natürlich von unserer Arbeit, aber öffentlich haben wir nie etwas bekannt gegeben. Unser Plan war, dass wir zuerst ein fettes Album machen und dann anfangen live zu spielen und Promotion zu machen. Das hat auch ganz gut geklappt und wir würden es jederzeit wieder so machen.

Das Songwriting lag bei „Lost“ vollkommen in den Händen eures Keyboarders Sven Schornstein.
Bei so vielen Profis und studierten Musikern in der Band – fällt es da nicht allen anderen schwer, mit Ideen zurückzuhalten?

Das Projekt Thoughts Factory existierte schon vor dem Einstieg von Chris, Markus und Bernd. Das Songwriting war schon weit fortgeschritten, als sich die Band durch einen glücklichen Zufall (wie das eben immer so ist) endlich zusammenfand. Die einzelnen Instrumentalisten haben durch ihre eigene Interpretation und durch einige Ideen auch ihren Teil zum Gesamtwerk beigetragen und die Songs, die Sven bis zu diesem Zeitpunkt schon geschrieben hatte, auf das Niveau gebracht, das sie heute haben.

Wie weit sind denn die Arbeiten an eurem zweiten Album? Gibt es schon konkretere Infos? Wird die Einteilung dort ebenfalls so sein?

Wir proben im Moment noch für den Gig mit Haken am 28. August im Colos-Saal. Wir können aber verraten, dass wir kürzlich angefangen haben den ersten Song für das neue Album zu proben. Weitere fortgeschrittene Ideen warten schon auf ihre Umsetzung. Das zweite Album wird auch vom Songwriting etwas anders ablaufen, da wir jetzt viel mehr Möglichkeiten haben. Markus kann seine Riffs jetzt mit einbringen und auch die anderen Musiker haben mehr Zeit eigene Ideen einzubringen. Trotzdem wird der größte Teil des Songwritings wieder bei Sven liegen. Bei „Lost“ haben wir schon viel Wert auf Abwechslung gelegt, und wir glauben, dass das nächste Album nicht nur in diesem Punkt „Lost“ in nichts nachstehen wird.

Thoughts-Factory-Band-PhotoGibt es bei „Lost“ einen inhaltlichen roten Faden?

Ja, den gibt es. „Lost“ ist ein Konzeptalbum. Marcus‘ Bruder hat sich vor etwa drei Jahren bedauerlicherweise das Leben genommen. Im Album versucht Marcus die Zuhörer mit auf eine Reise durch seine Gefühlswelt zu nehmen und wirft Fragen auf, die ihn nach diesem Ereignis sehr beschäftigt haben. Jemand, der so etwas in der Art schon mal erlebt hat, wird es wahrscheinlich bestätigen, dass man in solch einer Situation sehr oft im „Dialog“ mit sich selbst ist.

Ihr habt für „Lost“ einen tollen Vertrieb ergattert. Wie und wo komm man denn an das Album ran?

Die Firma Membran Media (die auf dem CD-Label noch angegebene New Music Distribution wurde Anfang 2014 von Membran aufgekauft) sorgt für den Vertrieb von Amazon bis Saturn, den digitalen Vertrieb erledigt Recordjet und für die USA haben wir einen Vertrag mit Melodic Revolution Records. Zusätzlich gibt’s uns auf Bandcamp.

(Anm. d. Red.: Was viele nicht wissen: Durch den Wegfall von Vertriebs- und Logistik-Kosten unterstützt man Bands deutlich besser, wenn man über Portale wie Bandcamp bzw. die Band-Homepage bestellt als durch Bestellung über die großen Mainstream-Anbieter!)

In den Credits bedankt ihr euch bei Marc Schuhmann und Benedikt Kuhn (Sven hat mit den beiden bei Selaiah gespielt, richtig?) für die musikalische Inspiration zu „Death Of A Dream“. In welcher Form haben die beiden den Song denn beeinflusst?

Die beiden waren Svens Mitmusiker bei Selaiah, das stimmt. Sven hat mit beiden lange geprobt und viele Teile von „Death Of A Dream“ sind während der Selaiah-Zeit entstanden. Unter diesen Teilen sind auch ein paar, an denen Marc und Benedikt großen Anteil haben. Eine Würdigung war deswegen auf jeden Fall angebracht.

Dass Bülent Ceylan „Lost“ als Pausenmusik spielt ist eine unterhaltsame Randnotiz, die durchaus Sinn ergibt, wenn man weiß, dass Bülent Metal-Fan ist. Es gibt aber sicher auch einige Szenepolizisten, die das mehr als uncool finden – für die Progressive Metal und Comedy keinesfalls zusammenpassen, oder?

Es kann sein, dass negative Meinungen existieren. Wir selbst haben davon aber noch nichts mitbekommen. Das Feedback ist durchweg positiv und wir haben damit die einmalige Chance erhalten, Progressive Metal etwas bekannter zu machen. Viele Leute kommen sonst niemals in Berührung mit dieser Art von Musik. Wir hören oft Sätze wie: „Eigentlich mag ich ja keinen Metal, aber eure Musik gefällt mir super gut“. Es scheint immer noch die landläufige Meinung zu existieren, dass Metal hauptsächlich aus Geschrei und Geprügel bestehe. Mit Bülent zusammen haben wir zumindest die Chance ein paar Leute vom Gegenteil zu überzeugen.
Zur Story von „Lost“ passt Comedy nicht wirklich, da hast du Recht. Aber in der Pause kann man die Menschen ja mal zurück in diese Welt holen, wenn Bülent wieder kommt, kann weiter gelacht werden. Es hat sich inzwischen bei unzähligen Veranstaltungen bewiesen, dass es gut passt und die Besucher auch positive Notiz davon nehmen.

Warum sind eurer Meinung nach so viele Metal-Hörer so stark mit Scheuklappen versehen, obwohl viele die Szene als „sehr tolerant“ bezeichnen?

Es ist schwer zu sagen, ob man das so verallgemeinern kann. Metal hat so viele Ausprägungen wie kaum ein anderer Musikstil. Natürlich werden wir nicht vornehmlich die Thrash-Metaller von Marcus‘ Stimme begeistern können. Auch Keyboardsounds sind nicht bei allen angesagt. Aber das ist auch nicht unser Ziel. Uns genügt es, wenn wir Prog-Fans begeistern können. Eine Würdigung von Kennern ist doch immer noch am meisten wert.

Eine Frage an Sven: Gibt es denn noch irgendwo Aufnahmen zu hören, die damals mit Hyperion entstanden sind?

Die gibt es in meinem CD-Regal, sind aber nicht der Öffentlichkeit zugänglich (lacht).

Ihr werdet am 28. August zusammen mit Haken im Colos-Saal zu sehen sein (für mich eine der besten Prog-Metal-Bands der Gegenwart – für euch auch?).
Was kann man denn vom Gig erwarten?

Haken sind bei uns auch ganz oben mit dabei. Wir freuen uns, mit ihnen spielen zu dürfen. Wir erwarten eine gute Show für unsere Fans. Es haben sich schon einige Leute angesagt, die teilweise aus München und Holland anreisen. Nach unseren Gigs mit Bülent im Mannheimer Schloss sind wir gut eingespielt und hoffen, dass der Colos-Saal bereit ist, gerockt zu werden.

Welche Ziele habt ihr mit Thoughts Factory noch?

Wir wollen ein geiles zweites Album machen und werden ab September mit Hochdruck daran arbeiten. Vielleicht ergibt sich wieder eine kleine Tour, mal sehen. Das hängt auch vom Budget ab. Der ganze Spaß kostet doch auch ziemlich viel Geld und wir wünschen uns, dass wir das auch in Zukunft stemmen können. Von daher freuen wir uns natürlich über jede Unterstützung in Form von CD- und T-Shirt-Käufen (es gibt übrigens seit ein paar Tagen ein neues Design: www.ThoughtsFactory.bandcamp.com/Merch).

Zuletzt eine Frage an die Musikschullehrer: Wie ist es denn derzeit um Prog- bzw. Metal-interessierten Nachwuchs bestellt?

Wir bilden an der Future Music School Studenten im Studium „Professional Program“ aus.
Die stilistischen Inhalte sind sehr vielfältig. Auch wenn ein Schwerpunkt auf Jazz, Rock/Pop, Fusion und Big Band liegt, werden gerade auf Wunsch der Schüler immer wieder Themen aus dem Metal behandelt. Chris z. B. lehrt Doublebass-Techniken oder generell polyrhythmische Übungen, die gerade gut im Prog Metal Anwendung finden!

Vielen Dank für das Interview! Bis am 28.8. im Colos. Wir werden da sein!

Vielen Dank von uns für Dein Interesse und die interessanten Fragen!
Wir freuen uns auf den 28.8.!

(mk)

www.ThoughtsFactory.com

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