Redaktionscharts 2012

Verfasst am 01. Januar 2013 von Michael Klein (Kategorie: Band Of The Month) — 9.594 views

Nur das Beste!

Die Band Of The Month ist im Januar traditionell wieder keine Band, sondern unsere Wahl zum Album des Jahres 2012.

Wie man anhand der einzelnen Redakteur-Playlists weiter unten erkennen kann, haben wir sechs einen sehr breit gefächerten und unterschiedlichen Musikgeschmack. Deshalb sind wir auch selbst immer gespannt, welches Werk uns alle am meisten begeistern konnte.

Aus den unzähligen Erscheinungen des vergangenen Jahres wurden wie immer aber nur diejenigen Scheiben in die Charts aufgenommen, die mindestens der Hälfte der Redaktion bekannt sind.
So haben es zwar einige starke Scheiben nicht in die Charts geschafft, aber es sind damit auch alle subjektiven Ausreißer aussortiert worden.

Die bisherigen Sieger hießen:

Scale The Summit – „Carving Desert Canyons“ (2009)
Alcest – „Ecailles De Lune“ (2010)
The Devil’s Blood – „The Thousandfold Epicentre“ (2011)

Überraschungssieger in diesem Jahr sind The Hirsch Effekt!

Überraschend vor allem, weil „Holon: Anamnesis“ so unkonform ist, dass es eigentlich überall anecken müsste. Andererseits ist das nebulöse Konzept um eine in die Brüche gegangene Beziehung so fesselnd und spannend, die kryptischen deutschen Texte so faszinierend und der seltsam anmutende Sound so eigenständig, dass man das Album nicht unbeachtet sein lassen kann.

Die Hannoveraner werden 2012 dicht verfolgt von den starken Alben von Threshold und Alcest.

Gojira, Kreator und Enslaved wird man in vielen Jahresrückblicken finden. Macbeth mit ihrem Thrash-Brett „Wiedergänger“ jedoch sicher seltener. Glückwunsch hierzu nach Thüringen!

Das oft hoch gehandelte „Time“ von Wintersun fiel bei uns komplett durch. Auch Paradise Lost, Katatonia, Meshuggah und Eluveitie konnten (trotz einzelner hoher Wertungen) nicht die komplette Redaktion begeistern.

Aber seht selbst:

1. The Hirsch Effekt – „Holon: Anamnesis“ (Notendurchschnitt: 12,50)

2. Threshold – „March Of Progress“ (Ø12,33)

3. Alcest – „Les voyages de l’âme“ (Ø 12,00)

4. Secrets Of The Moon – „Seven Bells“ (Ø 11,67)
5. Kreator – „Phantom Antichrist“ (Ø 11,50)
6. Gojira – „L’enfant Sauvage“ (Ø 11,40)
7. Arjen Anthony Lucassen – „Lost In The New Real“ (Ø 11,25)
7. Macbeth – „Wiedergänger“ (Ø 11,25)
9. Enslaved – „Riitiir“ (Ø 11,00)
10. Orcus Chylde – „Orcus Chylde“ (Ø 10,75)
11. Anathema – „Weather Systems“ (Ø 10,67)
12. Epica – „Requiem For The Indifferent“ (Ø 10,40)
12. Kontrust – „Second Hand Wonderland“ (Ø 10,40)
14. Paradise Lost – „Tragic Idol“ (Ø 10,33)
14. The Gathering – „Disclosure“ (Ø 10,33)
16. Devin Townsend Project – „Epicloud“ (Ø 10,00)
16. Sinew – „Pilots Of A New Sky“ (Ø 10,00)
18. Witchcraft – „Legend“ (Ø 9,75)
19. Rage – „21“ (Ø 9,40)
20. Moonspell – „Alpha Noir“ (Ø 9,33)
21. Katatonia – „Dead End Kings“ (Ø 9,25)
22. Meshuggah – „Koloss“ (Ø 9,00)
23. Eluveitie – „Helvetios“ (Ø 8,33)
24. Klamm – „Wahnsee“ (Ø 8,00)
25. Wintersun – „Time“ (Ø 6,33)
26. Callejon – „Blitzkreuz“ (Ø 5,00)

Hier die Top 5 der einzelnen Metal-Aschaffenburg-Redakteure:

Manu

1. Alcest – „Les voyages de l’âme
Die perfekte Mischung aus Black Metal und Shoegaze. Trotz relativ kurzer Spielzeit versprüht es eine unglaublich melancholische Atmosphäre, die die Band mittlerweile zum Glück auch in der Live-Situation reproduzieren kann.

2. Amewu – „Leidkultur
Ehrliches und vielschichtiges Rap-Album. Es braucht unglaublich viele Durchläufe, bis man vielen  Gedankengängen folgen kann. Manch einem gelieferten Denkansatz stehe ich aber trotzdem eher skeptisch gegenüber.

3. Kendrick Lamar – „Good kid, m.A.A.d. City
Wohl das Rap-Konsens-Werk dieses Jahr. Bringt Rap für die Massen, die den Otto-Normal-Hörer durch Ohrwürmer genauso begeistern kann wie den Rap-Head mit komplexen Reimtechniken.

4. Dordeduh – „Dar De Duh
Osteuropäische Volksmusik trifft rauen nordischen Black Metal. Lädt auf eine Reise in außergewöhnliche Klangwelten ein. Vielleicht ein paar Minuten zu lang. Eines der schönsten Artworks in diesem Jahr.

5. Paradise Lost – „Tragic Idol
Schöne dunkle Pop-Musik. Das für mich stärkste Album der Briten überhaupt. Gerade die zweite Hälfte strotzt vor Hits. Dürfte so manch einen Alt-Fan wieder versöhnt haben, der die Band in der „Host“-Phase aufgegeben hatte.

Michael

1. Anneke Van Giersbergen – „Everything Is Changing
Das bisher ausgereifteste Album der holländischen Ausnahmesängerin. Ergreifender und emotionaler als alle anderen Alben, die 2012 erschienen.

2. Threshold – „March Of Progress
Besser kann man progressiven Metal eigentlich nicht mehr vertonen. Mörderisch gute Songs ohne jegliche Abnutzungserscheinungen, die meine anfängliche Skepsis schnell in Bestätigung gewandelt haben.

3. The Night Flight Orchestra – „Internal Affairs
Genau so hört es sich an, wenn fünf Schweden in einem alten Chevy die Route 66 dem Sonnenuntergang entgegenfahren.
Internal Affairs“ schlägt die hoffnungslos im Retro-Sound verwurzelten neuen Alben von Graveyard, Witchcraft & Co. um Längen!
Warum? Weil sich der Seventies-Staub hier nicht im Getriebe, sondern höchstens auf der Motorhaube sammelt.

4. Kontrust – „Second Hand Wonderland
Man zeige mir bitte eine Band, die Anno 2012 besseren Crossover spielt! Eben! „Second Hand Wonderland“ ist High-End-Crossover und wird bei allen Genre-Verächtern massives Ohrenbluten verursachen. Ein Qualitätsurteil!

5. Anathema, The Hirsch Effekt, Gojira, Anaal Nathrakh oder The Gathering?
Ich kann mich nicht auf einen eindeutigen Kandidaten festlegen. Alle fünf haben in 2012 fesselnde Alben herausgebracht.

Alex

1. The Hirsch Effekt – „Holon: Anamnesis
Kein Herzschmerz-Album mit solch direkten Texten hat mich bisher so fasziniert und berührt wie dieses musikalische Meisterwerk bestehend aus MathCore, Rock und sehr vielen experimentellen sowie orchestralen Elementen. Wochenlanges Dauerhören zu allen Uhrzeiten führte bisher zu keinen Abnutzungserscheinungen. Wer sich jetzt noch umdreht, ist selber Schuld!

2. Deathspell Omega – „Drought“ (EP)
Vertrackter Black Metal, epische Melodien und intelligente okkulte Texte bilden das Grundkonzept der modernen Deathspell Omega. Die songtechnische Perfektion dieser französischen Ausnahmekönner findet man auf dieser EP wieder. Mächtige Musik!

3. Ahab – „The Giant
Ahab steigen mit diesem Album aus den dunklen Tiefen des Meeresgrundes hinauf in etwas hellere Sphären. Die Musik walzt sich zwar wie gewohnt durch die Hörgänge, aber man muss sagen, dass die zusätzliche Farbe den Funeral-Doomern exzellent steht. Äußerst Erfrischend!

4. Anaal Nathrakh – „Vanitas
Die vertonte Apokalypse. Black Metal, Grindcore und Industrial vermischt mit einer der extremsten Stimmen aller Zeiten. Besser kann man den Hass und die Verzweiflung der modernen Welt nicht vertonen.

5. MGLA – „With Hearts Toward None
Die Polen veredeln ihren orthodoxen Black Metal mit sehnsuchterweckenden Melodien, deren Ohrwurm-Charakter höher als bei vielen Pop-Alben ist. Verräterisch falsch oder unglaublich richtig?

Mätt

1. Alcest – „Les voyages de l’âme
Ein Werk, das mehr Gefühle und Bilder nicht ausdrücken kann. Jedes Mal, wenn die Platte läuft, bin ich in eine Märchenwelt versetzt und träume! Für mich eines der besten Werke seit Jahren!

2. Gojira – „L’enfant Sauvage
Gojira sind Gojira sind Gojira. Die Franzosen klingen einzigartig anders und dabei noch verdammt gut. Mehr muss man nicht sagen!

3. Epica – „Requiem For The Indifferent
Anfangs nicht so stark wie die beiden Vorgänger, steigerte sich das Album stark und läuft mittlerweile oft genug in Dauerschleife. Die Arrangements und Songwriting sind nicht besser zu machen und der typische Epica-Charme ist immer noch erhalten. Nebenbei sind die Jungs und das Mädel wahnsinnig sympathisch.

4. Kontrust – „Second Hand Wonderland
Gute Laune, Alter! Die Sommermusik des Jahres.

5. Nump – „Eruption
Lange erwartet und dann noch die Erwartungen erfüllt. Die Würzburger Lokalmatadoren überzeugen durch Technik, Songwriting und Melodie.

Linda

Olafur Arnalds – „Living Room Songs
Kann einfach keine schlechten Platten machen. Coole Produktionsidee, die man erstmal umsetzen muss. Und außerdem hat mir seine Musik mal wieder eine Erkenntnis gebracht.

Orcus Chylde – „Orcus Chylde
Die Musik entspricht nicht meiner typischen Hörgewohnheit und somit hat die Platte mir ein neues Genre geöffnet. Sie hat dieses Jahr bei mir den Zahn der Zeit getroffen. Definitiv meine am meisten gehörte Platte.

Bis auf die Orcus Chylde hat eigentlich keine Platte soviel Durchläufe gehabt, dass man sie als meine Platten des Jahres bezeichnen könnte. Die gab es in dem Sinne für mich dieses Jahr einfach nicht. Und auch die Konzerte waren eher handverlesen. Sagen wir so – es gab keine emotionalen Überraschungen. Leider, aber man wird älter und die magischen Momente verschieben sich auf andere Dinge.

The Hirsch Effekt – „Holon: Ananmnesis
Mit der Auswahl habe ich doch etwas Bauchschmerzen, weil ich die Platte erst drei Wochen höre. Ohne Zweifel 2/3 großartige Songs, aber könnten sie auch für den Lauf eines Jahres fesseln? Ich tippe mal stark ja, weil allein das Intro genial ist und die Platte doch schwer beschäftigt.

Atrocity – „Atlantis
Weil dieses 2004er Album unverbraucht geil knallt und als Huldigung ihres kreativen Schaffens und ihrer maßgeblichen Beteiligung an der Entwicklung der Metal-Szene. Nein, ich mag nicht alles, sogar mag ich vieles eher nicht, aber ihr Tun ist unbedingt erwähnenswert.

Lacrimosa – „Revolution
Eine Revolution war es nicht, aber das habe ich auch gar nicht erwartet. Dennoch war ich überrascht, wie man immer noch innovative Songs schreiben kann, ohne seinen Sound zu verlieren. Und das nach 22 Jahren Schaffenskraft.

Flo

1. Enslaved – „Riitiir
Enslaved haben auf dieser neue Scheibe eine deutlich modernere Richtung eingeschlagen. Der Gesang hebt die düstere Grundstimmung hinauf in epische Sphären und die Arbeit an den Instrumenten sowie das Songwriting sind erstklassig. Nach meinem ersten Eindruck war dieses Album ein guter Ersatz für die Lücke, die Opeth hinterlassen haben. Einige Hördurchgänge später bin ich mir nun sicher, dass es sich um einen Meilenstein des Genres handelt.

2. Katatonia – „Dead End Kings
Selbst innerhalb der Metal-Aschaffenburg-Redaktion, wo sich fast alle meistens ungefähr einig sind, wurde „Dead End Kings“ kontrovers diskutiert. Meiner Meinung nach muss man Katatonia zuerst einmal ihre Konsistenz zugute halten, denn sie veröffentlichen durchgehend sehr gute Alben. Welche unter diesen nun exzellent sind, das bleibt Geschmackssache, und meinen Geschmack haben sie dieses Jahr voll und ganz getroffen.

3. Cloudkicker – „Fade
Cloudkicker ist eine Einzelperson namens Ben Sharp, und Ben produziert sämtliche Musik zuhause in Eigenregie. Mit seinen musikalischen Experimenten und dem daraus entstehenden Stilwandel von Album zu Album kommen und gehen auch seine Fans. Ob man nun die extrem-metallischeren Werke oder die prog-rockigeren besser findet, Cloudkicker ist ein Genie an der Gitarre und weiß immer wieder neu zu überzeugen.

4. Baroness – „Yellow & Green
Baroness machen sehr konsensfähigen Rock, den man perfekt nebenher hören kann. Setzt man sich in einer ruhigen Stunde intensiv mit dem Album auseinander stellt man fest, dass das Songwriting und die Gitarrenarbeit tatsächlich sehr ambitioniert sind. Falls Ihr als Avantgarde-Extreme-Prog-Spezialist einen schönen Abend mit eurem Partner verbringen wollt, aber ohne gelegentliche krumme Takte oder gewagte Melodien Entzugserscheinungen bekommt, könnte diese Scheibe ein Kompromiss sein.

5. Echolyn – „Echolyn
Guter Symphonic-Prog-Rock ist doch seit den 80ern tot!!!“ – Genesis-Fan in einer Höhle ohne Internetanschluss

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