Hartmann

Verfasst am 04. Juli 2012 von Michael Klein (Kategorie: Band Of The Month, Interviews) — 3.138 views

Alles im Gleichgewicht

Beim letzten Interview mit dem sympathischen Local Hero Oliver Hartmann hatten wir uns ganz auf die damalige Avantasia-Welttournee konzentriert. Mit „Balance“ hat der erfolgreiche Musiker jüngst sein bereits viertes (Solo-)Album veröffentlicht, weshalb wir uns diesmal nicht nur dem eigenen Schaffen widmen möchten, sondern Hartmann auch gleich zur Band des Monats küren.

Metal-Aschaffenburg: Olli, zuerst einmal vielen Dank dafür, dass du dir die Zeit für ein Interview mit uns nimmst. Dein neues Album „Balance“ wurde gerade veröffentlicht. Wie zufrieden bist du (und deine Fans) mit dem Ergebnis?

Oliver Hartmann: Wir sind absolut zufrieden mit dem neuen Album und haben auch bereits jede Menge positive Resonanzen bekommen, was uns sehr freut. Es ist auf jeden Fall in unseren Augen das beste und in sich stimmigste Album, das wir bis jetzt veröffentlicht haben. Das Songwriting für eine Band ist natürlich ein ständiger Prozess und immer in Bewegung. Auch wir haben uns musikalisch seit dem ersten Album ständig weiterentwickelt, obwohl wir stilistisch unseren Pfad nie wirklich verlassen haben.

Siehst du Hartmann eigentlich mehr als Solo- oder Band-Projekt?

Auch wenn das Songwriting hauptsächlich bei mir liegt, ist Hartmann definitiv eine gewachsene Band. Wir spielen nun seit dem ersten Konzert vor mehr als 7 Jahren in derselben Besetzung, nur dass unser Keyboarder Jürgen Wüst nicht mehr dabei ist. Ich bin wirklich froh, dass sich das Personalkarussell eigentlich nie gedreht hat, was der Band einfach eine bestimmte Konstanz in allem gibt. Als Hauptsongschreiber gebe ich natürlich in gewisser Weise auch die musikalische Richtung von Hartmann vor, aber innerhalb der Band hat jeder beim Songwriting natürlich die Möglichkeit, Einfluss auf die Songs zu nehmen und seine Ideen einzubringen. Und über gute Ideen bin ich immer froh.

Für mich klingt „Balance“ ausgewogener als dein letztes Album „3“. Bei der Wahl des Titels schien es auch dir so zu gehen, oder? Hast du dich beim Songwriting mehr in „Balance“ befunden?

Irgendwie war für uns diesmal wirklich alles in einem bestimmten Gleichgewicht, angefangen beim Songwriting über das Recording bis hin zur Auswahl der richtigen Titel für dieses Album, was auch letztendlich zum Titel „Balance“ geführt hat. Die ganze Atmosphäre war von Anfang an sehr relaxt und zu keinem Zeitpunkt stressig. Wie Musik wirkt und rüberkommt, hat ja eben auch viel mit der persönlichen Stimmung und Situation zu tun und ich denke, dass man die positiven Vibes auch auf dem neuen Album hören kann. Somit ist „Balance“ für uns wirklich ein absolut passender Titel. Ein weiterer Grund für den Titel war aber mit Sicherheit auch die Tatsache, dass sich das Leben manchmal wirklich anfühlt wie ein richtiger Drahtseilakt. Es gibt immer wieder Sachen, die einen schnell aus der Ruhe und aus dem Gleichgewicht bringen können und da kommt es finde ich letztendlich doch immer wieder auf die richtige innere Balance an, um seinen Weg nicht zu verlieren. Bei „Dance On The Wire“ haben wir die Thematik aber eher spaßig verarbeitet, da es um jemanden geht, der eher als „Traumtänzer“ zu bezeichnen ist und nicht einmal vom Seil absteigt, obwohl alles um ihn herum schon wackelt oder gar zusammenbricht.

Worin siehst du die größten Unterschiede von „Balance“ zu deinen bisherigen Alben?

Speziell im Gegensatz zu „3“ ist das Album wieder etwas melodischer ausgefallen. Einige Songs auf dem letzten Album waren um einiges härter als man es von uns gewohnt ist, z. B. „I Won’t Get Fooled Again“, „Broken Down“ oder „Brothers“, das Duett mit Tobias Sammet. Aber es waren einfach richtig gute Songs und deshalb wollten wir sie auf dem Album haben. Ich denke, dass „Balance“ wieder etwas mehr in die Richtung der ersten beiden Alben geht, wobei das keine bewusste Entscheidung beim Songwriting war, sondern eher im Prozess des Schreibens einfach so entstanden ist. Das Moderne im Sound ist denke ich immer noch da und es ist uns auch wichtig, genau das beizubehalten, da es wie ich finde ein wichtiger Teil von Hartmann ist. Ein weiterer Unterschied ist, dass wir diesmal am Ende wesentlich mehr Songs im Kasten hatten als auf das Album passten, also sind auch wirklich nur die aus unserer Sicht besten Tracks auf „Balance“ gelandet.

Armin Donderer war diesmal mehr in das Songwriting eingebunden, richtig?

Das stimmt. Armin hatte beim letzten Album schon einige Songs mitarrangiert und auf dem neuen Album mit „Like A River“ und „From A Star“ erstmals auch zwei komplette Songs beigesteuert, die beide absolut klasse geworden sind. Beide sind wirklich starke Titel, die sich, wie ich finde, auch perfekt in den Stil und Kontext des Albums einfügen.

Hartmann bewegt sich ja grundsätzlich im (Melodic-) Rock-Bereich.
Gibt es denn beim Songwriting Riffs, Einfälle, Ideen, die partout nicht in den Kontext von Hartmann passen, weil sie beispielsweise zu hart oder zu abgefahren sind? Siebst du diese Ideen aus?

Natürlich hat man auch mal Ideen, die musikalisch den Rahmen sprengen, wobei wir da schon sehr offen und ohne Scheuklappen drangehen. Erlaubt ist erstmal alles, was irgendwie gut ist. Da wir als Band ja auch einen gewissen eigenen Sound haben, fügt sich das Ganze oft am Ende sehr homogen zusammen und am Ende liegt das Gesamtergebnis oft näher beieinander, als man ursprünglich angenommen hat. Eine gewisse Vielseitigkeit in dem, was wir musikalisch tun ist uns auch wichtig und das Arrangement muss in erster Linie zum Song und zum Text passen, damit es eben ein Bild für den Hörer ergibt. Ob es nun eher Pop- oder sogar Metal-Elemente enthält, ist erstmal nicht so wichtig. Ich mochte auch schon immer Bands, die zwischen den Stilen gewandert sind und trotzdem auf ihre Art und Weise unverwechselbar waren. Das perfekte Beispiel, das mir gerade einfällt ist Queen – auch wenn ich mich bestimmt nicht damit vergleichen möchte.

Ich habe nämlich manchmal das Gefühl, dass da das ein oder andere richtig harte Riff in manchen Nummern schlummert – dieses jedoch für Hartmann-Verhältnisse abgeschliffen wurde…

Abgeschliffen würde ich nicht sagen, zumindest nicht bewusst. Wie ein Song am Ende klingt, entsteht in der Regel einfach beim Schreiben und Produzieren. Jeder Musiker hat ja auch einen gewissen eigenen Stil, Sachen zu spielen und zu singen und so ist es bei mir natürlich auch. Gib 10 Gitarristen ein und dasselbe Riff und es wird immer wieder anders klingen. Dass bestimmte Riffs bei mir eher melodisch als hart klingen, liegt wahrscheinlich auch an meinem inneren Harmoniebedürfnis, haha.

Das Cover ist recht ungewöhnlich und würde auch gut zum Titel „From A Star“ passen. Wie bist du denn auf dieses Artwork gestoßen?

Das Artwork für „Balance“ hat diesmal Silvio Mancini übernommen, der nicht nur Sänger bei der italienischen Band Empyrios ist, sondern mittlerweile auch ein sehr gefragter Grafiker. Ich hatte die Vorstellung eine möglichst einfache schwarz-weisse grafische Darstellung von Gleichgewicht und Symmetrie zu haben, die eine gewisse Ruhe und Weite ausstrahlt. Nach verschiedenen Layouts hatte Silvio die Idee das Ganze mit sogenannten „Lissajous Curves“ umzusetzen, was uns persönlich sehr gefallen hat.

Balance endet mit dem Versprechen „The Best Is Yet To Come“ – was können wir also in Zukunft von Hartmann erwarten?

Ich hoffe doch, dass das Beste erst noch kommt, haha!
Wir sind neben einzelnen Livedates in nächster Zeit u.a. gerade dabei, eine Tour für den Herbst zu planen, da es für und einfach wichtig ist, mit dem neuen Album möglichst viel live zu spielen. Es ist auch im Gespräch eventuell erstmalig mit Hartmann in Südamerika zu touren, was für uns natürlich eine tolle Sache wäre. Mal sehen, wie sich das Ganze die nächsten Wochen entwickelt. Neben Hartmann laufen auch die Planungen bereits für nächstes Jahr, z. B. eine erneute Tour mit Rock Meets Classic, auch wieder mit tollen Gästen. Einige andere große Sachen sind auch noch geplant, aber das ist noch nicht ganz spruchreif. Den Rest des Jahres will ich mich auf jeden Fall erstmal voll auf Hartmann konzentrieren.

Vielen Dank für das Interview!

Gerne!

(mk)

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