Heidnische Himmelfahrt

Verfasst am 03. Juni 2011 von Michael Klein (Kategorie: Konzert-Rezensionen) — 2.110 views

Primordial | Vorbands: While Heaven Wept, Alcest

02.06.2011 – Colos-Saal, Aschaffenburg

Pagan Metal an einem christlichen Feiertag – ob das Papst Benedikt so gut finden würde?
Den ca. 250 Anwesenden ist das egal – die freuen sich auf einen bevorstehenden Abend voller guter Musik.

Die Beinahe-Lokalmatadore Discreation müssen leider passen, da sich ihr Schlagzeuger unglücklich an der Hand verletzte und so lag es dann an den französischen Musikschamanen von Alcest, den Abend zu eröffnen. Eine gute halbe Stunde lang wird die Bühne in blaues Licht getaucht und zauberhafte Melodien auf den Weg in die Ohren der Besucher geschickt. Den avantgardistischen Black Metal des Quartetts findet aber nicht jeder im Saal uneingeschränkt gut, weshalb der Stimmungspegel während des Auftritts eher verhalten bleibt. Manche Anwesenden meinen sogar, sich gepflegt (und laut) unterhalten zu müssen. Aber trotz aller Qualität: Vielleicht ist die Musik von Alcest doch eher etwas für den Kopfhörer, denn das Quartett tut sich sichtlich schwer daran, die Atmosphäre live zu reproduzieren. Im Vergleich zum Auftritt in Alsfeld (bei dem die Band mittags im Hellen verheizt wurde) konnten die Franzosen hier wenigstens zeigen, was sie können.

Im Anschluss übernahmen dann etliche While-Heaven-Wept-Fans die vorderen Reihen, um die Band von der ersten Sekunde an stimmlich zu unterstützen. Der progressive, klassische und sehr epische Metal mit Doom-Einfluss hatte für meinen Geschmack manchmal zu viele Längen und ist mir an anderer Stelle manchmal etwas zu fröhlich, kann sich aber durchaus hören lassen. Finden auch die meisten anderen Anwesenden und belohnen das amerikanische Sextett mit reichlich Applaus.

Danach wird schnell klar, wegen wem die meisten gekommen sind: Die Iren Primordial brauchen keinerlei Aufwärmzeit, um den Saal aufzuheizen. Schon beim Opener „No Grave Deep Enough“ geht die Meute steil – und wird auch noch stetig vom grandiosen Frontmann Alan A. Nemtheanga angestachelt. Im weiteren Verlauf steht natürlich das neue Werk „Redemption At The Puritan’s Hand“ im Vordergrund, von dem noch drei weitere Stücke (nämlich: „Lain With The Wolf“, „Bloodied Yet Unbowed“ und „Death Of The Gods“) gespielt wurden. Dazu gesellte sich eine bunte Mischung aus alten Hits vom Kaliber „The Coffin Ships“, „Autumn’s Ablaze“, „As Rome Burns“ oder dem unzerstörbaren, als Finale intonierten „Empire Falls“ – welche allesamt von den Fans euphorisch aufgenommen wurden. Nach 80 Minuten hieß es dann aus und vorbei. Mit einem Dankeschön verabschiedete sich das Quartett ohne weitere Zugabe vom Publikum. Enttäuscht war trotzdem keiner. (mk)

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