Schwarze Ruinen

Verfasst am 08. März 2009 von Michael Klein (Kategorie: Festival-Rezensionen) — 2.203 views

„Welt in Trümmern 2009/I“ | mit Dark Fortress, Todtgelichter, farsot., Mortuus Infradaemoni, Klamm, Goatcult

07.03.2009 – JuKuz, Aschaffenburg

Jünger der schwarzen Musik können sich freuen. Nicht nur, dass die „Welt in Trümmern“-Reihe 2009 im Aschaffenburger JuKuz fortgesetzt wird – der Zusatz im Titel deutet auch darauf hin, dass die Bühne des großen Saals dieses Jahr ein weiteres Mal in Asche gelegt werden wird. Bleiben wir aber vorerst im Hier und Jetzt: Die große Menge an schwarzen Gestalten beweist, dass die Veranstalter erneut das richtige Händchen bei der Bandauswahl hatten. Bei Bekanntgabe der Einlass- und Beginnzeit allerdings weniger. Wer laut Flyer pünktlich zu Beginn erschienen wäre, hätte bereits zwei der sechs auftretenden Bands verpasst.

Schade – denn auch wir bekommen vom Opener Goatcult nur noch zwei Songs mit – eine Stunde vor offiziellem Beginn. Also in der Umbaupause (mit vorhangverdeckter Bühne) erst mal an der Theke auffrischen.

Weiter ging’s mit den kurzfristig ins Programm gerutschten Lokalmatadoren (und einem unserer zwei Hauptgründe fürs WIT): Klamm. Das Quintett hatte zwar zuerst mit technischen Problemen zu kämpfen, ruderte aber souverän in sichere Gewässer und lief im Laufe des (leider viel zu kurzen) Sets immer weiter zu Höchstform auf und krönte den (ersten offiziellen!) Auftritt mit dem mitreißend gespielten monumentalen „Fernweh“. Den anschließenden, dicken Applaus hat sich die Band vollends verdient und sicher nicht nur bei mir Appetit auf weitere (und vor allem längere) Auftritte hinterlassen. Alle Daumen hoch!

Wo Klamm noch spannend und abwechslungsreiche Klangwelten von der Bühne spannen, jagten die drei Bayern von Mortuus Infradaemoni rasende Tonsplitter aus den Lautsprechern. Hochgeschwindigkeitsfetischisten kamen sicher auf ihre Kosten, mir ist das Dauergebolze allerdings zu stumpf und monoton. Der spaßige Akzent des kleinen Gitarristen Nathaniel bleibt der Höhepunkt dieser halben Stunde.

Die mysteriösen farsot. sind da schon ein ganz anderes Kapitel. Die fünf Musiker sind erfrischend weit von Genreklischees entfernt, fahren zusammen mit Klamm den variabelsten Sound des Abends auf und überzeugen mit ihren beeindruckend düsteren Kompositionen. Entsprechend schnell füllt es sich vor der Bühne und die Thüringer verzeichnen das größte Publikum des Abends, welches die apokalyptisch verstörenden Stücke von farsot. gebührend abfeiert.

Nach der Umbaupause haben es Todtgelicher (die bereits auf der 2008er-Ausgabe des WIT zu sehen waren) zuerst schwer, an das vorgelegte hohe Level anzuschließen, schließen aber zunehmend zur Messlatte auf. Die Stücke der Hamburger sind trotz der meist immensen Geschwindigkeit stets gut nachvollziehbar und erhalten (im Gegensatz zu vielen anderen Dauerblastern) die Aufmerksamkeit der Zuhörer durch gelegentliche Breaks und Tempowechsel. Der dauerbangende Berserker Frederic (g) zieht alle Blicke auf sich, während Sänger Mort seinen Stimmbändern infernalische Klänge entlockt. Nach dem abschließenden „Blutstern“ steht fest: So gut kann Black Metal sein.

Zu fortgeschrittener Stunde zeigt sich, dass schon einige Besucher die Segel gestrichen haben. Entweder weil sie sich schon verausgabt haben oder weil sie mit dem Headliner Dark Fortress vielleicht nicht doch so viel anfangen können? Jedenfalls hat sich das JuKuz zunehmend geleert. Die Veteranen von Dark Fortress stört das wenig. Sie metzeln sich durch ein Best-Of-Set, bestehend hauptsächlich aus Hits der großartigen letzten Scheiben „Eidolon“, „Seance“ und „Stab Wounds“.
Der thrashig/groovige Sound setzt seine Energie sofort in den Nacken der Fans um und auch auf der Bühne ist mit Abstand die meiste Bewegung der Nacht zu sehen. Die Band reißt durch Synchronbangen und tightes Zusammenspiel noch die letzten Zweifler mit und präsentiert sich in Bestform. Symphonische Brecher à la „Self Mutilation“, „To Harvest The Artefacts Of Mockery“ oder der Zugabe „Edge Of Night“ lassen den Auftritt (der übrigens einzigen englisch singenden Band des Billings) im Fluge vergehen. Stark!
Selbst ich, als jemand, der eher weniger Black Metal hört, muss sagen, dass die Bands des „Welt in Trümmern 2009/I“ keine bessere Visitenkarte hinterlassen hätten können. Jetzt schnell die Welt wieder aufbauen, um sie demnächst ein weiteres Mal in Trümmer legen zu können! (mk)

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