Rock Hard Festival 2019

Verfasst am 13. Juni 2019 von Michael Klein (Kategorie: Festival-Rezensionen) — 410 views

Es gibt viele größere Festivals. Es gibt viele längere Festivals. Es gibt Festivals mit viel mehr Bands. Es gibt Festivals mit viel mehr Bühnen. Aber es gibt nur ein Rock Hard Festival!

Und die zahlreichen, treuen Besucher wissen dieses sehr zu schätzen!
Das schöne ist eben gerade, dass das Festival nicht mit Bands, Bühnen und Besuchern überfrachtet ist, sondern immer mit einer angenehmen Übersichtlichkeit und Gemütlichkeit besticht. Hier werden keine Bands (auch nicht die ganz kleinen) oder deren Fans mit 20-Minuten-Alibi-Slots abgespeist. Hier gibt es keine Rennerei von Bühne zu Bühne und man hat auch nie das Gefühl in Menschenmassen erstickt zu werden. Einen guten Blick auf die Bühne hat man ja ohnehin zu jedem Zeitpunkt. (mk)


Freitag, 07.06.2019

Nieten, Leder, Jeans und schnelle Riffs. So muss ein Festival anfangen. Vulture gaben dick Gas und schafften es mit ihrem oldschooligem Thrash Speed Metal das Publikum wundervoll auf das noch Kommende vorzubereiten. Das macht Bock auf mehr! (mat)

Chapel Of Disease stellen anschließend ihr großartiges neues Album „…And As We Have Seen the Storm, We Have Embraced The Eye“ in den Mittelpunkt der Show. Die fesselnde Mixtur aus Black und Death Metal sowie Classic Rock funktioniert auch auf der Bühne extrem gut und lässt in seinen besten Momenten durchaus an die mutige Experimentierfreudigkeit der früheren Opeth denken. (mk)

The Idiots haben sich mit Waldemar Sorychta (Ex-Dispair, Ex-Grip Inc.) an der zweiten Gitarre verstärkt. So können die „Schweineköter“ aus Dortmund mit ordentlich Druck im Sound gleichermaßen bei Punk- wie auch bei Metal-Fans punkten. (mk)

Man kommt beinahe nicht um die abgedroschene Formulierung umher, dass die Tygers Of Pan Tang heute den gleichen Stellenwert von Iron Maiden besitzen könnten, wenn sie denn in ihrer Vergangenheit etwas mehr Glück gehabt hätten. Nichtsdestotrotz müssen die NWOBHM-Veteranen mit der Realität klar kommen. Und die sieht eben so aus, dass keine 10000, sondern nur 1000 Fans vor der Bühne stehen. Doch die Engländer haben sich längst mit ihrem Underdog-Status angefreundet und liefern ihren Fans die volle Ladung Tiger-Power! (mk)

Zugegeben, ich hatte einige Vorurteile gegenüber Lizzy Borden. Ich vermutete einen narzistischen Selbstdarsteller, der nur posen möchte und sonst wenig kann. Doch zum Glück wurde das alles nicht bestätigt und sogar ins Gegenteil gekehrt. Musikalisch wurden fette Riffs und starke Melodien um die Ohren gehauen und die extra aufgestellte Treppe vor den Drums wird reichlich von allen genutzt, wodurch extrem viel Bewegung entsteht. Sänger „Lizzy“ zog natürlich dennoch die Blicke mit seinen Kostümen und Masken, die quasi nach jedem Song gewechselt wurden, auf sich. Insgesamt also eine fette Show mit cooler Musik und guter Stimmung. (mat)

Prinzipiell ist zu erwarten, dass das Amphitheater bei einer Band wie Watain nicht voll werden wird. Was ebenfalls prinzipiell zu erwarten ist, dass die Show fett werden wird und so war es dann auch.
Ein imposantes Bühnenbild mit viel Stahl und Feuer baute eine bedrohliche Atmosphäre auf. Das dreckige, blutige Corpsepaint und die verrückten Blicke der Musiker trieben die Spannung weiter nach oben. Dann fing das Schlagzeug an und das Gewitter brach aus. Blastbeats, Screams, schnelle Gitarren, Disharmonien, Blut und Feuer. So muss Black Metal sein und so zelebrierten Watain ihre Messe nahezu perfekt. Man nimmt den Musikern ihr Image komplett ab und so schwappte das Böse ins Publikum über. Ein verdienter Headliner des ersten Abends. (mat)


Samstag, 08.06.2019

Kräftige Windböen fegen seit früh an über das Festivalgelände, decken Zelte ab und wirbeln kräftig Staub auf. Perfekte Bedingungen für die ebenso stürmische Performance der Newcomer Tyler Leads!
Sehr cool, mit welcher Energie und Spielfreude die junge Truppe über die Bühne ackert. Da steckt die Band in einen einzelnen Song mehr Bühnenmeter als die Backyard Babies letztes Jahr im kompletten Auftritt. Genau so geht High Energy Power Rock! (mk)

Egal welches Genre – aus Island kommen immer überdurchschnittlich gute Bands! So bieten auch Vintage Caravan einen formidablen Ritt durch 70er, Stoner und Classic Rock, der noch dazu vom Trio äußerst sympathisch und tight auf die Bühne gebracht wird. (mk)

Wenn breitschultriger und dreckiger Thrash aus den Boxen brettert, zieht es die Leute natürlich nach vorne, um zu moschen und abzugehen. Oldschooliges Brett nach Brett und Walze nach Walze warfen Carnivore A.D. in die Massen. Insgesamt ein sehr solider Auftritt, der mich persönlich zwar nicht sonderlich bewegt hat, aber die Fans auf jeden Fall zufrieden gestellt haben sollte. (mat)

Dass sich bei Heir Apparent die Reihen ein bisschen lichten würden, war klar. Schließlich ist vor kurzem mit „The View From Below“ das erste Album seit knapp 30 (!) Jahren erschienen. So sammeln sich also Alt-Fans und Neugierige vor der Bühne, um dem US-Amerikanischen Heavy/Power Metal zu lauschen. Wenn auch kein ausgewiesenes Highlight: Ein solider Auftritt ist es allemal! (mk)

Symphony X waren sicherlich die Außenseiter dieses Tages, obwohl die technisch wohl besten Musiker des Festivals auf der Bühne standen. Trotzdem oder gerade deswegen gaben sie Gas und mit ihrer unfassbaren Lässigkeit bei gleichzeitig komplexesten musikalischen Konstrukten, konnten sie reichlich Progger unter das Zeltdach ziehen. So können sie beruhigt auf ihren Flügeln aus Feuer zurück in die Heimat fliegen nach diesem redlichen Abschluss ihrer Tournee. (mat)

Ja, was war da denn los? Der heimliche Headliner des Festivals?
Skid Row waren für mich die größte Überraschung des Rock Hards. Die Stimmung war fantastisch vor und auf der Bühne. Viel Bewegung, Ambition und Leidenschaft. Die Fans warfen ihre Arme in die Luft und es gab unzählige Crowdsurfer. So muss ein Liveauftritt sein, bei dem sich Publikum und Band gegenseitig hochstacheln. Selbst nach dem Konzert sang das komplette Amphitheater lauthals minutenlang das als Outro laufende „Take Me Home, Country Roads“ mit. (mat)

Weil wir uns Cannibal Corpse in Kürze ohnehin in Aschaffenburg ansehen und es inzwischen unbequem frisch im Amphitheater wird, sparen wie uns die Todesbleiwalze und Gamma Ray und machen für heute Feierabend. Wie man aus dem Publikum am nächsten Tag erfahren wird, haben beide Bands aber erwartungsgemäß abgeliefert. (mk)


Sonntag, 09.06.2019

Wenn auch sehr holprig, konnte man die Richtung der jungen Band The Spirit erkennen: schneller Death Metal à la God Dethroned. So wurden die Ohren am Morgen ordentlich durchgeputzt, der Rachen geölt und der Nacken aufgewärmt. Ein starker Start in den letzten Tag. (mat)

Zodiac sind einfach coole Socken und so kommt der lässige Blues-Südstaaten-Rock einfach immer authentisch rüber und es blieb einem einfach nichts anderes übrig als zu tanzen und mitzusingen. Zusammen mit einem Bier und der Sonne kann man sich wenig Entspannteres am frühen Mittag vorstellen und entsprechend gut gelaunt waren die Band und Fans. (mat)

Visigoth sie aktuell die Shooting-Stars der Epic-/Power-/Heavy-Szene! Entsprechend voll ist es bereits zu früher Stunde. Den regen Zuspruch nutzt die Band, um dem Publikum mit Stücken wie „Steel And Silver“ ordentlich einzuheizen. Eine starke Performance! (mk)

Mit Long Distance Calling schließt sich eine weitere eher exotische Band im Billing an. Rein instumentale Bands gab es bisher noch nicht viele (vielleicht sogar keine) auf dem Rock Hard Festival. Klar, dass es nach Visigoth auch etwas leerer vor der Bühne wird. Das ist jedoch nicht schlimm, denn die Anwesenden wissen die musikalischen Schätze der Band auch so zu würdigen und dürfen im Gegenzug die beste Band des Festivals genießen! Das brettharte „Trauma“ und das nicht weniger heftige „Black Paper Planes“ liefern den Start für eine traumhafte Reise aus Riffs und Melodien, wie sie aktuell keine andere instrumentale Band hinbekommt. Dass nach knapp einer Stunde gefühlt doppelt so viele Leute vor der Bühne stehen und das gesamte Amphitheater Beifall klatscht zeigt, dass auch Außenseiter des Festivals fett abräumen können! (mk)

Für Fifth Angel könnte ich im Grunde den Text von Heir Apparent kopieren. Ebenfalls mit dem ersten Album seit knapp 30 Jahren am Start. Ebenfalls eine Mischung aus Alt-Fans und Neugierigen vor der Bühne. Ebenfalls US-Amerikanischer Heavy/Power Metal. Ebenfalls eine solide, aber nicht in die Geschichtsbücher des Festivals eingehende Performance. (mk)

Wer dachte, dass Dinosaurier gut singen und noch auf der Bühne stehen können? Zugegeben, die Bewegungsfreiheit war leicht eingeschränkt, aber Stimmung konnte der 1947 geborene Magnum-Sänger Bob Catley dennoch machen. Mit jedem Song wurden die Stadionrocker immer besser und stärker und das schwappte auch auf die Fans über, die sich ebenfalls immer weiter steigerten. So war das Konzert ein stetiges Auf, im positiven Sinne. Musik, die Generationen verbindet. Von Unter-18-jährigen bis Über-70-jährige. Toll! (mat)

Possessed. Die Mitbegründer des Death Metal sind wohl wirklich besessen. Vor 13 Jahren kam die letzte EP heraus und nun eine neue Scheibe und damit kommen auch Auftritte. Dass sich überhaupt ein Publikum vor der Bühne befindet, ist demnach beachtlich und wohl auch der Treue der Metal-Fans zu verschulden und die Band dankte es mit einem dicken Auftritt. Rumpelige, aber abwechslungsreiche harte Klänge beschallten das Amphitheater, allerdings ist Jeff Becerra gesanglich durchaus schon gealtert. Dennoch nahm er die Bühne komplett für sich ein und konnte den Weg zu Anthrax gebührend ebnen. (mat)

Anthrax ließen nichts, wirklich rein gar nichts anbrennen. Genau so muss eine energiegeladene Thrash-Metal-Show aussehen. Auch wenn ich persönlich noch nie so viel mit den Amis anfangen konnte, muss ich sagen, dass die Stücke live wirklich gut abgehen und vom Publikum mehr als freudig empfangen wurden. „Caught In A Mosh“? Und wie! (mk)

Bis nächstes Jahr! (mk)

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