Vvlva

Verfasst am 01. März 2018 von Michael Klein (Kategorie: Band Of The Month, Interviews) — 939 views

Im letzten Printmagazin haben wir ja bereits ein Interview mit Vvlva geführt. Das darin angesprochene Debütalbum ist nun endlich veröffentlicht.
Ein guter Grund, nochmal bei Sänger Tobias und Gitarrist Philipp anzuklopfen…

 


Metal-Aschaffenburg: Glückwunsch zum Release von „Path Of Virtue und der gelungenen Release-Show!

Philipp/Tobias: Danke!

Fällt man nach der Debüt-Produktion und dem offiziellen Release jetzt eigentlich in ein Loch, weil sämtliche Energie in den Aufnahmeprozess geflossen ist oder befeuert so ein Band-Meilenstein die kommende Zeit?

Tobias: Nein, auf keinen Fall fällt man in ein Loch. Zwischen Aufnahme und Veröffentlichung ist fast ein ganzes Jahr vergangen. Wir waren und sind die ganze Zeit weiterhin am Songs schreiben und sind voll motiviert.

Philipp: Wir reden jetzt schon die ganze Zeit über die Pläne zu Album Nummer zwei!

Mein Highlight auf „Path Of Virtue“ ist ganz klar „Dieb der Seelen“ – weil ihr euch da ein bisschen aus eurer Komfortzone heraus wagt.
War von Anfang an geplant, dass ein deutschsprachiger Song auf das Album kommt?

Tobias: Wir hatten den Plan schon relativ früh, aber Anfangs war das eher eine Schnapsidee. Es ist nicht einfach auf Deutsch zu schreiben, so, dass es nicht total „cheesy“ klingt. Englische Texte vertragen für gewöhnlich ein höheres Maß an Kitsch. Das deutsche Texten hat aber Spaß gemacht und ein neuer deutscher Song steht auch schon.

Philipp: Wir sind sehr experimentierfreudig und sehen uns als Band, die keinen Hehl daraus macht aus einer deutschen Kleinstadt zu kommen. Es ist eben Musik für Menschen, die keine Lust auf den Einheitsbrei im Radio haben und da passt es sehr gut Songs im Repertoire zu haben, die unsere unterfränkische provinzielle Identität ganz unverschämt preisgeben.

Die Nummer erinnert mich sehr an die deutschen Krautrock-Urväter Prof. Wolfff (und ein bisschen auch an Sperrmüll) – was ich für einen sehr erfrischenden Einfluss halte! Was hat „Dieb der Seelen“ inspiriert?

Tobias: Coole Bands, wobei ich bis hierhin nicht wusste, dass Sperrmüll auch deutsche Texte hatte. (Anm. mk: Hat sie meines Wissens auch nicht. Ich meine hier eher den Sound).
Es gibt aber auch noch haufenweise andere Bands, gerade aus Ostdeutschland, die sowas gemacht haben bzw. immer noch tun.

Philipp: Die Grundidee war schlichtweg einen schnelleren Song zu schreiben, da wir bis dato viele Mid-Tempo-Songs im Set hatten. Prof. Wolfff hat uns definitiv inspiriert, ist aber nur ein Einfluss von vielen, da jedes Bandmitglied individuellen Input beisteuert.

Ihr habt dem Vinyl von „Path Of Virtue“ auch eine CD beigelegt. Habt ihr denn beide Varianten eigens gemastert?

Philipp: Vinyl muss anders gemastert werden, da die Platte sonst eventuell springt. Das Resultat ist, dass die Platte noch mehr nach vintage klingt als die CD.

Was könnt ihr denn über das tolle Artwork erzählen?

Philipp: Das Artwork entstammt der italienischen Künstlerin Francesca Vecchio. Wir haben ihr komplett freien Lauf gelassen. Ich denke, Francesca wollte den Bandnamen aufgreifen und durch das Abbilden eines Orakels und deren Anhängerinnen das schöpferisch, sinnlich Weibliche mit dem okkulten Mystischen in Verbindung bringen. Das spiegelt auch ein gutes Stück unseres Albums wider – also das Kreative und Gefühlvolle gepaart mit ordentlich Power und einem Hauch von Mysteriösem. Das Logo und die Farbgestaltung hat übrigens Karmazid beigesteuert der auch schon unsere EP gestaltet hatte.

Wenn ich mich mit diversen Leuten über Vvlva unterhalte, fällt immer wieder mal der Satz: „Oh, cool! Nur mit der Stimme kann ich nix anfangen…“.
Und klar, Tobias‘ Vocals sind markant – ich kann mir euren Sound aber auch nicht mit einer Otto-Normal-Stimme vorstellen.
Wie wichtig ist es denn, einen eigenständigen, unangepassten Sänger am Mikrofon stehen zu haben?

Tobias: Der eine mag dies, der andere das, so geht’s mir auch mit anderen Bands. Solange wir untereinander in der Band mit allem klarkommen, braucht man, glaub‘ ich, auf äußere Meinungen nicht viel geben.

Philipp: Wir sind uns eigentlich auch einig, dass es uns recht ist, wenn wir polarisieren. Mir ist es lieber ein paar Leute lieben, was wir machen und andere hassen es, als wenn alle uns durchschnittlich okay finden.

Wenn man sich den Erfolg von Bands wie Graveyard, Horisont, Heat, Kadavar, (im Kleinen) oder den der Blues Pills (im Großen) anschaut, dann ist es klar, dass medial ein Hype rund um 70er-lastige Bands kreiert wird. Auch hier in der Region gab es vor einigen Jahren kaum Bands in dieser Richtung. Aktuell und seit einiger Zeit aber gleich eine ganze Hand voll. Könnt ihr es nachvollziehen, wenn Leute jetzt laut „Trend!“ schreien?

Tobias: Kadavar und Graveyard als kleine Bands zu bezeichnen, kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Es könnten noch viel mehr Leute die Art von Musik wieder hören und machen. Schönes Zeichen, wenn handgemachte Musik im Trend ist. Man ist halt auch in dem Genre nicht wirklich gebunden, den einen Song wie den anderen klingen zu lassen. Ich glaube, das ist bei poppig-orientierter Musik nicht so einfach.

Philipp: Natürlich ist es irgendwo ein Trend, von dem wir auch profitieren. Auf der anderen Seite gibt es seit dem ich denken kann Bands, die das Erbe der 70er weiter tragen. Auf unseren Konzerten kommen alle unterschiedlichen Altersgruppen, vom Teenie bis zum Rentner. Ich denke, wir spielen in erster Linie zeitlose Rockmusik.

Habt ihr schon die Erfahrung gesammelt, dass euch jemand vor-verurteilt abgetan hat, ohne sich wirklich mit eurer Musik zu befassen?

Philipp: Das bleibt nicht aus, aber macht ja nix…

Was hat euch denn ursprünglich dazu bewogen, diese Richtung einzuschlagen?

Tobias: Unser ganzes privates Umfeld ist mehr oder weniger durch die Hippiekultur geprägt und als Kinder haben wir bereits viel 70er-Musik von unseren Eltern mitbekommen. Das Kommz-Festival hat einen maßgeblichen Einfluss, weshalb wir das Interesse an der Musik aufrecht erhalten haben. Über dieses Hippie-Fest haben wir uns auch fast alle kennengelernt. Ich war mit meiner vorherigen Band musikalisch in einer ähnlichen Richtung unterwegs und wollte mit neuen Musikern weiter machen.

Philipp: Mein Vater spielt seit den 60er-Jahren Schlagzeug und hatte sich vor einigen Jahren für die Party zu seinem runden Geburtstag gewünscht, ein paar Klassiker von früher mit mir an der Gitarre und einem Freund am Bass einzustudieren (unter anderem „Gadda da Vida“ von Iron Butterfly) – danach fing ich an, Riffs in diesem Stil zu schreiben. Wegen des Jobs in einer Kneipe (Hannebambel) und den musikalischen Vorlieben einer musikbesessenen Kollegin, der Sängerin von Back From The Grave (Tanja P.), lernte ich dann auch die Songs der aktuellen Vertreter des Genres kennen.

Aber noch mal zurück zum Album: Ich denke, dass ihr mit dem Titel auf den „Pfad der Tugend“ anspielt. Dieser wird in Redewendungen gern verwendet, wenn jemand ebendiesen verlassen hat – sprich: etwas schief läuft. Weist euer „Path Of Virtue“ lyrisch darauf hin, dass in der jetzigen Gesellschaft etwas schief läuft?

Philipp: Der Song ist keine konkrete Gesellschaftskritik, lässt aber Platz für Interpretation. Das Album thematisiert eher das eigene Scheitern und allgemein das Böse, das viele Menschen und man selbst in sich trägt.

Black Sands“ könnte demnach auf das Thema Nahost und Öl anspielen, oder?

Tobias: Nein, das war nicht direkt unsere Intention. Ist aber eine schöne Interpretation!

Ich könnte natürlich auch gänzlich falsch liegen. Denn „Virtue“ kann man ja auch mit Keuschheit übersetzen. Sind Vvlva also vielleicht die erste Rock-Band, die auf dem Pfad der Keuschheit „Sex, Drugs & Rock ’n‘ Roll“ in „No Sex Before Marriage, Drugs & Rock ’n‘ Roll“ verwandelt? …

Philipp: Nein, so revolutionär sind wir dann doch nicht.

Zum Schluss noch mal kurz gefragt: Wie ist eigentlich der aktuelle Status bei Elderstream und Orcus Chylde? Aufgelöst? Geht noch was? Kommt noch was?

Philipp: Aktuell gibt es bei mir nur Vvlva und aktuell gibt es auch keine anderen Pläne.

Tobias: Es bleibt auch keine Zeit, um ernsthaft ein Revival anzugehen…

Danke Für das Interview!

Philipp/Tobias: Danke dir!

(mk)

www.Vvlva.de

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