Third Wave

Verfasst am 01. April 2017 von Michael Klein (Kategorie: Band Of The Month, Interviews, Regionale Bands) — 786 views

Die Frankfurter Jungs von Third Wave sind sicherlich eine der spannendsten neuen Bands, die es derzeit in unserer Region zu bestaunen gibt.
Wer das Debüt „How To Live Or Let Die“ noch nicht gehört hat, sollte das schleunigst nachholen.
Wir schnappten uns die beiden Gitarristen Julian und Sebi, um über die Band und das Album zu sprechen.

17328056_801538386666050_730928689_nMetal-Aschaffenburg: Glückwunsch zum bärenstarken Debüt! „How To Live Or Let Die“ ist echt ein Knaller geworden. Wie war die Release-Show?

Julian: Vielen Dank für die Blumen! Wir sind mächtig stolz auf unsere Arbeit und freuen uns immer sehr über positives Feedback.
Der Abend war unvergesslich. Volles Haus, alles lief reibungslos ab und die Stimmung war bei allen drei Bands durchgehend super. Besser hätte es in meinen Augen kaum laufen können.

Sebi: Ich denke, niemand von uns fünf war vor einem Gig jemals so nervös und gleichzeitig unglaublich aufgedreht. Das war sicherlich der Grund, weshalb sowohl Julian als auch ich uns entschieden haben, an diesem Abend mal zur Abwechslung vollständig nüchtern auf der Bühne zu stehen (lacht).
Was unsere Fans an diesem Abend für eine Power und Freude mitgebracht haben, sucht sowieso seinesgleichen. Wir können ihnen dafür nicht oft genug danken!

Zuerst einmal müssen wir klären, was genau die dritte Welle eigentlich ist. Ich kenne den Begriff „Wave“ vor allem aus der Spielzeugindustrie. Erfolgreiche Serien werden dann um weitere „Waves“ ergänzt/verlängert. Ihr seid aber Debütanten, deshalb schätze ich, dass das sicher keine Begründung für euren Bandnamen ist, haha.
Mit Ron Jones kommen wir der Sache wahrscheinlich schon näher, oder?

Julian: Mit Letzterem liegst du gar nicht mal so falsch.

Sebi: Den Namen für eine neue Band zu finden, ist immer so eine Sache. Third Wave kam mir irgendwann in den Sinn, als wir im Englischkurs das Buch „The Wave“ durchnahmen. Erstmal fand ich die Story sehr beeindruckend, wobei es bei der Verwendung als Bandnamen eher weniger um diese ging, sonder mehr um das passende Element der Welle. Etwas steigt auf, so wie wir es als neue Band natürlich vorhaben. Der Name klingt auch ziemlich cool und ist sehr einprägsam, was auf jeden Fall auch noch ein ganz netter Nebeneffekt ist (grinst).

Julian: War also im Nachhinein eine gute Entscheidung, Englisch LK zu wählen (lacht).

Third Wave CoverHow To Live Or Let Die“ ist euer Debüt. Die Band gibt es seit 2013 und ihr seid immer noch extrem jung (alle unter 20 wenn ich richtig tippe, oder?). Wann zur Hölle habt ihr denn begonnen zu musizieren, wenn ihr jetzt schon ein solches Niveau an den Tag legt? Beziehungsweise: Wie viel übt ihr denn, um so gut zu werden?

Julian: Das stimmt nicht ganz. Unser Bassist Bene hat die 20 schon hinter sich gelassen.
Wir alle haben eigentlich unser ganzes Leben schon Musik gemacht. Ich habe mit unserem Drummer schon im Kindesalter im Schlagzeugensemble gespielt. Bene ist ebenfalls langjähriger Multiinstrumentalist.
Ums tägliche Üben kommt man natürlich nicht. In meinen Augen haben wir alle in den letzten drei, vier Jahren eine krasse Entwicklung durchgemacht. Jeder hat hart an sich gearbeitet und das zahlt sich natürlich auch aus!

Sebi: Ich glaube, eine essentielle Eigenschaft bei uns allen ist, dass wir uns selbst sehr hohe Ansprüche stellen und mit allen Mitteln versuchen, diese musikalisch umzusetzen. Wir möchten einfach Musik machen, die wir selbst feiern würden, wenn wir sie als Fan zu hören bekommen, was ich sehr an uns schätze.

Eure Songs sind oft sehr weit entfernt von simplen Strophe-Refrain-Strophe-Strukturen und wirken extrem fein ausgearbeitet. Wie lange schraubt und feilt ihr denn an den Songs und Melodien?

Julian: Das ist bei uns immer unterschiedlich. Die meisten Songs sind über drei Jahre alt und wurden seitdem ständig verändert, recorded, angepasst und optimiert. „Keep Me Blind“ war zum Beispiel immer unser Lückenfüller. Nachdem wir ihn aufgenommen haben, wurde er plötzlich zur Single (lacht).

Sebi: Ja! „Keep Me Blind“ ist da ein super Beispiel. Niemand von uns war Anfangs wirklich zufrieden mit dem Song, doch dann hat Julian unglaublich wichtige Elemente hinzugefügt und unnötige Parts verändert, sodass er jetzt zu dem geworden ist, was er ist. Ich schätze die Zusammenarbeit mit ihm deshalb so, weil jeder von uns beiden mit Riffs und neuen Ideen zum anderen kommen kann und dann zusammen daran gearbeitet wird. Das ist jedoch nicht immer nur bei uns beiden so, sondern bei der ganzen Band!

17274434_801538539999368_1725745995_nEin Zehnminüter wie „Longing For Sanity“ schreibt man ja auch sicher nicht in zehn Minuten, oder?

Julian: Ohja, „Longing…“ war eine lange Reise.

Sebi: Wir wollten schon zu Beginn der Band einen Song haben, welcher – wie diverse Dream-Theater-Knüller – Überlänge hat. Es ist eine harter Weg, bis dabei ein Song entsteht, welcher trotz seiner Länge nicht den Zuhörer langweilt. Also wurde an dem Song geschnippelt und gefeilt, bis die erste Fassung nicht mehr wieder zu erkennen war. Danach habe ich mir neue Strophen und Übergänge überlegt, um den Song interessant zu machen. Diese haben wir dann in mehreren Proben kurz vor Beginn der Albumaufnahme als Band in den Song eingearbeitet, bis letzten Endes die aktuelle Version dabei herauskam.

Gibt es einen Song auf „How To Live Or Let Die“, der euch besonders am Herzen liegt?

Julian: In meinem Fall ist es „Break Your Wall“, der neuste Track auf „How To Live Or Let Die“. An dem habe ich ewig gearbeitet (auch teilweise mit Sven im Studio). Der zeigt mal eine andere Seite von uns und macht einfach mega Spaß.

Sebi: Bei mir stechen immer zwei Songs heraus. Einmal der Opener „Insane“. Dieser Track ist entstanden, als Julian, Valli und ich noch im Keller gejammt haben. Was dieser Song dann noch für einen Wandel durchlebt hat ist unglaublich. Ein Song, bei dem diese gewisse „schiebende Härte“ von Pantera, Machine Head und Co. verarbeitet wurde. An anderer Stelle ist da noch „Falling Down“, welchen ich in einer nicht ganz einfach Phase meines Lebens geschrieben habe und welcher als Ausdruck dessen, einen emotionalen Chorus, sowie Groove und Power bekommen hat.

Was sind denn die größten Einflussfaktoren (& Bands) für den Sound von Third Wave?
Ich meine immer, Machine Head aus eurem Sound herauszuhören…

Julian: Machine Head ist auf jeden Fall ein großer Einfluss. Eine Band, zu der wir alle immer hoch schauen werden. Es gibt jedoch unendlich viele Bands aus allen möglichen Bereichen, die unseren Sound beeinflussen, da wir alle unterschiedliche Geschmäcker haben. Das Ergibt dann im Gesamtbild immer etwas Einzigartiges, mit dem wir alle zufrieden sind. Es ist immer gut sich Inspiration durch andere Künstler zu verschaffen. Trotzdem ist es immer mein Ziel, etwas eigenständiges zu erschaffen und nicht nur zwanghaft wie etwas zu klingen, das es schon gibt.

Sebi: Trivium wäre auch noch eine Band, die uns alle sehr geprägt hat. Vor allem die Alben „Ascendancy“ und „Shogun“. Wie schon gesagt, hören wir alle sehr unterschiedliche Bands und Genres.
Moderner Metal mit Core-Elementen, gepaart mit eingängigen Rock und Heavy-Metal-Parts. Das ist die Schiene, die wir fahren möchten und das haben wir meiner Meinung nach mit „How To Live Or Let Die“ auch ganz gut geschafft.

Absolut!
Und ja, verdammt, Trivium – das liegt so auf der Hand, dass ich selbst nicht auf den Vergleich gekommen bin.

Es wundert mich immer wieder, dass sich so wenige Bands aus unserer Region live und im Studio gegenseitig unterstützen. Dabei gibt es so viele Kollaborationsmöglichkeiten, oder?
Ihr habt das jedoch gemacht und mit den Gastvocals von Precipitations Alex bei „Tempest“ einen absoluten Volltreffer gelandet. Eine tolle Idee! Stand von Anfang an fest, dass ihr für den Song einen Gast haben wollt oder ist das erst im Nachhinein entstanden?

Julian: Das mit Alex ist auf Sebis Mist gewachsen (lacht). Das Ergebnis kann sich sehen lassen!

Sebi: Ach ja, der Alex. Wir wollten ihm eben auch mal die Chance geben, bei einer guten Band zu singen (lacht). Nein, Spaß bei Seite. Seitdem wir die Jungs von Precipitation kennen, sind sie für uns zu großen Vorbildern geworden. Nicht nur von der Art her, wie sie Musik machen, sondern auch, wie sie auf der Bühne funktionieren, egal wo sie spielen. Die haben es einfach drauf!
Als „Tempest“ fertig war, dachte ich bei der Umsetzung sofort and den Alex. Ich denke, das war genau die richtige Entscheidung.

17352981_801537969999425_1770751389_nWie groß ist der Anteil von Sven Schornstein am positiven Eindruck, den „How To Live Or Let Die“ hinterlässt?

Julian: Enorm! Ich finde, dass das nie in den Hintergrund geraten sollte. Ich habe teilweise stundenlang mit Sven an Details und Einzelheiten gearbeitet, die ohne ihn niemals zustande gekommen wären. Er hat aus uns allen das Beste herausgeholt. Und das mit einer Leidenschaft und Hingabe, die seinesgleichen sucht. Er war während den Aufnahmen quasi unser sechstes Bandmitglied (lacht).

Sebi: Man könnte ein ganzes Buch mit Geschichten aus der Zeit bei ihm im Studio schreiben. Er hat es nicht nur geschafft unsere Ideen perfekt umzusetzen, sondern er hat es auch geschafft uns über mehrere Tage hinweg zu ertragen, was nicht immer ganz einfach ist (lacht). Ich kann seine Arbeit jedem empfehlen und es hat einen Riesen Spaß gemacht.

Das hört man! Vielen Dank für das kleine Interview!

Julian: Sehr gerne.

Sebi: Bis zu nächsten Mal!

(mk)

www.ThirdWaveBand.de

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