Video-Special

Verfasst am 01. Oktober 2016 von Michael Klein (Kategorie: Band Of The Month, Regionale Bands) — 6.856 views

In den glorreichen Neunzigern war ein imposantes Musikvideo für jede halbwegs größere Band Pflicht. Schließlich war dies die Türe zu den Musik-TV-Sendern MTV und Viva. Für kleine Bands war es schon damals nahezu unmöglich und unfinanzierbar, solche Clips zu produzieren.
Doch Zeiten ändern sich: MTV & Co. sind tot. YouTube & Co. sprühen vor Leben. Und damit auch eine Plattform, die es jeder Band ermöglicht, seinen Fans etwas Visuelles an die Hand zu geben. Doch welchen Stellenwert genießt ein echtes Musikvideo für eine regionale Band?

Wir unterhielten uns dazu einerseits mit Fabian Wüst von Wastedframes, der u. a. schon für Last Jeton und Betrayal Videos produziert hat und mit der Band Thornbridge, die vor kurzem ihren Clip-Einstand gab.

Dazu gibt es eine kleine Liste mit sehenswerten Clips unserer Local Heroes!
Diese Liste soll keine vollständige Sammlung darstellen, sondern nur eine kleine Übersicht über Videos, in denen mehr passiert als nur „Band auf Bühne“.

Viel Spaß!


WastedframesMetal-Aschaffenburg: Hallo Fabian! Wie wichtig ist denn überhaupt ein Musikvideo für eine Band – speziell eine kleine, regionale?

Fabian Wüst/Wastedframes: Puuh, gute Frage. In der heutigen Zeit würde ich sagen, spielt es eine große Rolle. Sobald ich was von einer Band hören will, gehe ich als erstes auf YouTube. Gibt’s ein Musikvideo, wird’s sofort angeklickt; schon öfters haben mich dann Musikvideos animiert mehr von der Band zuhören, obwohl es zu beginn vielleicht nicht meine Musik war. Mit einer gewissen Ausstrahlung der Band, Sänger, Sängerin oder einer charmanten Idee, verankert das Video den Song besser im Kopf.

Das geht mir genau so. Geschätzt sind aber leider 90 % aller Musikvideos kleinerer Bands irgendwelche Live-Aufnahmen, die mit der Musik der Studiospur unterlegt wurden. Ergeben solche Videos Sinn?

Zuerst muss ich sagen, dass ich nicht der größte Fan von Live-Videos mit Studio-Aufnahme bin. Ich liebe Live-Aufnahmen, dann aber mit Publikum und wirklich live aufgenommen. Dennoch gibt es das ein oder andere Video, das super funktioniert und ich mir gerne anschaue. Zu deiner Frage, ob es Sinn ergibt: Ja durchaus, wie ich bereits sagte, suchen viele über YouTube nach Bands. Von daher ist es doch super, wenn man irgendwie gefunden wird, letztendlich kommt es dann ja auch wieder auf die Tonaufnahme an und wie die Band sich im Video/live präsentiert.

Wie wichtig ist es dennoch, sich mit einem Video vom Einheitsbrei abzuheben?

Für den Erfolg spielt das glaube ich eine große Rolle. Je mehr man sich mit dem Video abhebt, umso deutlicher wird man für die anderen. Wenn die Idee noch nett verpackt ist und der Song das ganze als Einheit abschließt, dann wird es mehr geteilt, mehr gefeiert und die Nachfrage steigt.

Neuer Trend bei vielen Bands sind Lyric-Videos. Ein sinnvoller, weil kostengünstiger Ersatz für ein echtes Video?

Zur Überbrückung der Wartezeit auf das nächste große Video auf jeden Fall. Zudem ist es auch netter anzuschauen als nur auf das Cover zu starren. Aber es ist dennoch kein wirklicher Ersatz für ein richtiges Musikvideo, bei dem die Band sich präsentieren darf und die Fans anheizt.

Welcher Aufwand steht denn hinter einem Video wie beispielsweise „Fighting Perdition“ von Betrayal? Mit Aufbau/filmen/Abbau ist es ja lange nicht getan, oder?

Ja, da steckt noch einiges mehr drinnen. Als erstes geht’s natürlich an die Planung, d. h. Ideen sammeln, Konzept und Drehplan wird erstellt, geeignete Location gesucht. Danach geht’s dann zum praktischen Teil über, je nach Aufwand wird dann so ein Musikvideo an einem oder zwei Tagen abgedreht. In dem Fall von Betrayal war es ein Tag, ich glaube mit Auf- und Abbau haben wir so sechs Stunden gebraucht. Als nächster Step folgt dann das einladen und sichten des Materials, gefolgt von ein, zwei Tagen am Schnitt und noch mal ein Tag für Farbkorrektur und Postproduktion. Dazwischen bekommt die Band dann ihre erste Preview, da setzt man sich auch noch mal zusammen und macht den Feinschliff.

Was ist denn grundsätzlich möglich/welche Grenzen gibt es bei solchen Videos?

Grundsätzlich ist alles möglich, letztendlich aber eine Geldfrage. Sobald der Aufwand zu groß wird, muss ich natürlich noch andere Kollegen ins Boot holen. Je nachdem, was verlangt wird, welche Idee umgesetzt werden soll, brauche ich dementsprechend Leute oder Equipment. Ich bin hauptberuflich Kameramann und Videoeditor, habe dadurch auch gewisse Kenntnisse im Bereich Animation, aber da komme ich dann schnell an meine Grenzen und dafür gibt’s genug Leute, die dafür qualifiziert sind. Zum Glück habe ich da ein großes Netzwerk an Freunden und Kollegen, die alle Bereiche abdecken, von Animationen bis zu professionellen Stunts ist alles dabei.

Wie sollte die Band vorbereitet sein, damit das Musikvideo möglichst gut wird?

Sie sollte ihre eigenen Songs spielen können! Da wir ja den Studiosong Playback laufen lassen, sollte das Timing schon einigermaßen passen. Ansonsten sollte die Band oder der Künstler engagiert sein und mit Spaß an das Video gehen. Bei Betrayal oder auch Last Jeton war es jedes Mal ein riesiger Spaß gewesen, da werden dumme Sprüche gerissen, rumgeblödelt, aber sobald es ans Drehen ging waren beide immer sehr professionell. Das lag aber auch daran, dass sie genau wussten, was sie am Ende wollten und auch großen Anspruch an sich selbst hatten.

Mit welchen Kosten muss eine Band rechnen, wenn sie ein vernünftiges Video drehen will?

Schwer zusagen, bei Musikvideos verfolge ich keinen festen Tagessatz wie bei einem Imagefilm, Werbefilm oder Spot. Generell haben gerade lokale Bands damit zu kämpfen erstmal einen guten Sound aufzunehmen und meist ist hier schon der größte Teil des Budgets hin. Zudem ist es auch nicht so, dass ich von den Musikvideos lebe. Ich wünschte ich könnte es, aber ich sehe es realistisch. Wenn eine Band mich anfragt, dann höre ich mir die Musik an und rede mit den Künstlern, was sie sich so vorstellen. Nach diesen Vorstellungen kann ich dann ein faires Angebot machen. Ich sage immer, dass es nicht zwingend ein großes Budget braucht, auf die Idee kommt es an.

Vielen Dank für das Interview!

http://WastedFrames.de


Thornbridge Logo

Metal-Aschaffenburg: Burghi, „The Dragon’s Reborn“ hat inzwischen über 16000 Klicks. Welchen Stellenwert hat das Video für euch?

Burghi (Thornbridge): Das Video zum Dragon ist unser erstes Video, daher hat es natürlich einen hohen Stellenwert, denn es wird immer das erste bleiben. Es war uns aber wichtig, beim Debütvideo schon einen rauszuhauen.

Wie ist denn das Skript entstanden. Kam die Idee von euch?

Ein Skript gab es eigentlich gar nicht. Wir hatten uns vorab nur geeinigt, dass es kein Handlungs-Video mit irgendwelchen Schauspielszenen, sondern ein reines Bandvideo wird und zu welchen Schandtaten wir bereit sind. Da gab es zum Beispiel diese eklige Asche-Dreck-Pampe, mit der wir selbst und unsere Instrumente eingeschmiert wurden, eine Wundenvisagistin, einen Feuerspucker, Schnee und ein brennendes Schlagzeug. Das gab unserem Kameramann die Möglichkeit viel mit Details zu arbeiten.

Welcher Aufwand steckt hinter dem Video? Wie viel Zeit (und Geld) musste für das Endergebnis investiert werden?

Die größte Arbeit war so gesehen das Songwriting und die Studioaufnahmen. Ohne gute Aufnahme ergibt ein aufwändiges Video ja keinen Sinn. Beim Videodreh selbst mussten wir zum Glück relativ wenig vorplanen, mussten nur einen Tag alle Leute zusammentrommeln, einen Kasten Bier besorgen und stundenlang bei Eiseskälte in Schnee und Regen aushalten – das war’s fast schon.
Den Rest des Tages hat unser Regisseur Andreas Wanner zurechtgerückt und geplant. Helfer und Equipment hatte er im Gepäck. Die unvermeidlichen Gaffa-Improvisationen vor Ort wurden dann zusammen übernommen. Lief aber verdammt gut.
Ganz umsonst war der Dreh und Schnitt für uns natürlich nicht, aber wir konnten einen Freundschaftspreis herausschlagen. Und ein bisschen Prostitution war auch dabei.

Wie wichtig ist es für eine kleinere (regionale) Band, sich mit einem Video zu präsentieren? Lohnt sich der (auch finanzielle) Aufwand oder sind Live-Videos oder Lyric-Videos eine Alternative?

Zwar sind Musilvideos immer ziemlich dicke Hose und in Zeiten von YouTube kann ja theoretisch wirklich jeder zum Klickmillionär werden, aber in der Realität brauchst du aber wirklich eine große Fanbase, ein stabiles Label und ein wirklich richtig gutes Video, um deutliche Klickzahlen zu bekommen. Wenn man es rein als Werbung sehen möchte, dann lohnt es sich vielleicht, aber kleine lokale Bands sollten doch vielleicht erst einmal ihr Budget und ihre Zeit in Ausrüstung und gute Aufnahmen stecken. Aber das muss jeder für sich wissen. Eine Garantie zum durchstarten ist ein Video nie.

Plant ihr bereits ein weiteres Video zu drehen?

Derzeit haben wir kein konkretes zweites Video geplant, vermutlich dann aber zum nächsten Album. Stay tuned!

Vielen Dank!

www.Facebook.com/ThornbridgeBand/


Hier nun eine kleine Auswahl von Regio-Videos:

Betrayal
Fighting Perdition
Contamination

Cervet
Zombie Riot
Ghost Train

Darkest Horizon
A Universe Reborn

Devil May Care
Last September

Elderstream
Only A Man

Hartmann
After The Love Is Gone
All My Life

Last Jeton
In The End
Leavetaking

Minotaurus
Warriorhearts
Erlkönig

My Sleeping Karma
Pritvhi
Moksha

Nump
Reborn
Red Button

Reno Vega
Lies, Blood & Sweat

Revolution Eve
The Hive
Arise

Rocky Lewis
Parasites

Shoot The Day Down
Different Worlds

Thornbridge
The Dragon’s Reborn

Together
Generation Y

Thoughts Factory
No Way Out

The August
Tiger

Take Fucking Action
B.I.W.N.I.W.

Unleash The Sky
2nd Chapter
These Days

Vvlva
Adams Owe
Shakin‘ Bones

(mk)

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