Haken – „Affinity

Verfasst am 02. August 2016 von Sebastian Zeh (Kategorie: CD-Rezensionen) — 614 views

Alleine auf weiter Flur führen Haken in meinen Augen die Spitze der modernen progressiven Musik an. Mit einem wahren Meisterwerk wie „The Mountain“ im Rücken – unserem Redaktionscharts-Sieger im Jahr 2013 – lebt es sich als Band jedoch nicht unbedingt leicht. Immerhin haben Haken sich damit die Messlatte in extreme Höhen gesetzt. Die Marschrichtung konnte also nur einem von zwei Wegen folgen: entweder ein zweites „The Mountain“ schreiben – oder aber eine gänzlich neue Idee ausarbeiten.
Glücklicherweise haben die Engländer sich gegen die Selbstkopie und für neue Ufer entschieden. Bereits das Plattencover deutet es an: „Affinity“ ist stark beeinflusst von den 1980er-Jahren. Am deutlichsten ist das – wer hätte es gedacht – auf „1985“ hörbar, das mit E-Drum-Passagen, etlichen für die Dekade typischen Synthies und nach etwa der Hälfte des Songs einem wahren Capcom-Spielhallenautomat-Solo aufwartet. Immer wieder ist eine Hommage an Actionfilm-Soundtracks spürbar, und doch schaffen Haken den nicht immer ganz einfachen Spagat zwischen Inspiration und Originalität. Anstatt die 80er stumpfsinnig zu zitieren, streuen sie die Einflüsse hier und da als „Würze“ mit ein. Auf „Earthrise“ gelingt ihnen dabei sogar eine für die Band vergleichsweise poppige Nummer, die mit eingängiger Musik Neulinge abholt und mit der dennoch vorhandenen Komplexität weiterhin auch die Prog-Fans begeistert.
The Architect“ – das längste Stück der Platte – wartet mit einem astreinen Gastpart von Leprous-Sänger Einar Solberg auf und bietet nicht nur dank dessen Screams den wohl härtesten Song der Platte. Auf den 15 Minuten nimmt die Band sich sämtlichen Raum, um mit verschiedenen Songteilen eine bedrohliche Stimmung aufzubauen. Keyboards, Gitarren, Bass, Gesang – auf keinem anderen Song des Albums kommen alle Elemente von Haken derart zur Geltung wie auf diesem Track.
Red Giant“ und „Bound by Gravity“ bedienen sich für meinen Geschmack etwas zu sehr am Post-Rock und lassen ein wenig die ansonsten durchweg vorhandene Tiefe des Songwritings vermissen. Das ist aber meckern auf hohem Niveau, denn selbst auf den etwas weniger beeindruckenden Momenten stecken Haken noch gut und gerne 90 Prozent der Konkurrenz in die Tasche. Fans haben sicherlich – völlig zurecht – schon zugegriffen. Sollte irgendein Prog-affiner Mensch die Platte noch nicht gehört haben, sollte das aber schleunigst nachgeholt werden. Alleine „Initiate“, „1985“ und „The Architect“ lohnen jeden für das Album investierten Cent. (sz)


haken affinity

Bewertung: 13/15 Punkte
Genre: Progressive Rock/Metal
Herkunft: England
Label: Inside Out Music
Veröffentlichungsdatum: 29.04.2016
Homepage: www.HakenMusic.com

Tracklist

  1. Affinity.exe
  2. Initiate
  3. 1985
  4. Lapse
  5. The Architect
  6. Earthrise
  7. Red Giant
  8. The Endless Knot
  9. Bound By Gravity


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