Fuck You And Die

Verfasst am 13. November 2014 von Michael Klein (Kategorie: Interviews, Regionale Bands) — 1.638 views

Elementarteilchen

Die Phrase „Band XY hat sich extrem weiterentwickelt“ ist abgedroschen, das wissen wir. Aber selten hat sie so gut gepasst wie beim neuen Album von Fuck You And Die. Statt der bunten Konfettikanone von „Veni Vici“ steht jetzt das fette Artilleriegeschütz im Hof der Würzburger – getauft auf dem Namen „Elements Of Instability“.
Wir unterhielten uns mit Sänger Roman.

FYAD LogoMetal-Aschaffenburg: Hi Roman! Ich weiß, wir sind etwas spät dran – aber trotzdem noch nachträglich Glückwunsch zur Veröffentlichung von „Elements Of Instability“!

Roman: Vielen Dank, Michael. Zu spät ist es nicht. Wir hoffen, dass „Elements Of Instability“ die Leute einige Zeit beschäftigt. Wir selbst waren ja auch sehr lang dran.

Seid ihr bis jetzt zufrieden mit den Reaktionen?

Ja, sehr. Wir hatten die Songs so lange bei uns auf dem Tisch liegen, dass wir uns doch sehr satt gefühlt haben und die Distanz verloren hatten, was denn da wirklich vor uns liegt. Deshalb ist so ein positiver Realitycheck ganz geil. Haben teilweise echt unerwartet viele Punkte abgesahnt. Kommentare wie „wichtiges Death-Metal-Album“ sind sehr schmeichelnd.

Ich finde den Schritt von „Veni Vici“ zu „Elements Of Instability“ sehr groß. „Veni Vici“ klang jugendlich frech, besaß schräge deutsche Texte und ihr habt mit Rap, Blues und Heavy Metal herumgespielt.
Elements Of Instability“ ist ein versiertes, erwachsenes Album, das eine ganz andere Band präsentiert.
Wie kam es zu all diesen Veränderungen? Wie groß fällt für euch dieser Unterschied aus?

Für uns fällt der Unterschied auch sehr groß aus, zeitlich sind’s ja immerhin auch schon ganze vier Jahre gewesen – vier Jahre in denen sich musikalisch alles schnell für uns weiterentwickelt hat. Vor allem, weil wir uns teilweise wie besessen in den Proberaum gesperrt hatten, um neue Riffs zu üben, teilweise eher sogar zu trainieren. Es war eine natürliche Entwicklung und wir merken auch jetzt schon, dass Zukünftiges wieder deutlich zu unterscheiden sein wird.

Bandfoto FYADWar die Neuausrichtung fest geplant?

Im Anschluss an die vorherige Antwort kann ich hier offenlegen wie Fuck You And Die grundsätzlich funktioniert: Den einzigen festen Plan, den wir wirklich haben, ist der, dass wir nur abliefern, was uns gefällt. Und dieser Plan lässt sehr viele Freiräume. Aber natürlich werden wir darauf achten, dass die Songs, die wir schreiben, um auf ein Album zu packen, stilistisch eher ähnlich sein werden.

Habt ihr je darüber nachgedacht, für diese zweite Album euren Bandnamen zugunsten eines weniger „plakativen/aneckenden“ zu ändern?

Ja, relativ lange sogar. Man kann sich den Namen sehr gut merken, und wenn Leute aufgrund eines Namens schon zurückschrecken, dann war FYAD auch nie für sie bestimmt. Plump mag er sein, dreist, unverblümt – so ähnlich wie wir. Dazu halt doch auch sehr ehrlich – wer flucht denn „überlegt“?

Stimmt ihr mit mir überein, dass ihr mit „Elements Of Instability“ ganz neue Hörerschichten ansprechen werdet?

100%ig, Michael. Und manche davon werden „Veni Vici“ scheiße finden und das nächste Album. Aber wir hoffen auf Hörer, die gerne ’ne Kiste Gemischtes haben anstatt Widergekäutes.

Wie beschreibt ihr denn jemandem, der euch nicht kennt, wie sich Fuck You And Die anhören? Ich finde dies äußerst schwierig, weil weder Death, noch Black Metal, noch Tech Death euren Sound würdig umfasst.

Fuck You And Die ist eine Metalband mit einer Vorliebe für Tech Death, Black-Metal-Einschüben und Headbang – jedenfalls auf der „Elements Of Instability“.

Fuck You And Die - Elements Of Instability - ArtworkSprechen wir kurz über den Titel des Albums. Was genau sind denn die Elemente der Instabilität?
Dem Cover nach zu urteilen, bezieht sich der Titel auf kirchliche Machenschaften. Die Natur scheinen diese aber nicht zu destabilisieren. Sie setzt sich ja (als Baum) eindeutig durch… also doch kein „Natural Death“? (Wobei dieser Song sicher etwas ganz anderes meint…)

Bamm! Du hast dir die Antworten eigentlich selbst gegeben. Wir haben ein Album über Menschen geschrieben. Wenn irgendwo was nicht geradeaus läuft, dann weil’s die zweibeinige Pest versaut. Menschen sind die Elemente der Instabilität. Und der Kopf dreht sich richtig, wenn man feststellt, dass man ein Teil davon ist. „Instabil“ heißt auch noch nicht „kaputt“ – also ist darin sogar noch ein Funken Hoffnung. „Natural Death“ entstand mit dem Gedanken, wie sich die Natur am Menschen austobt. Ich hatte das Bild eines Tsunamis beim Schreiben vor Augen.

Mein Lieblingssong ist „Retrogression“ – ich finde hier die Verbindung aus Black und Death Metal sehr gelungen! Was gibt es denn zu diesem Stück zu erzählen?

Diesen Songs gab’s mit dem alten Titel „Terror Rotting Fetus Crushing Torso Corpse Cadaver“ auf der Demo 2011. Wir mögen den Song sehr, weil er schon über drei Jahre Spaß macht. Hier gibt’s einen deutlichen Gruß an die Religionen, die blenden. Freiheit funktioniert im FYAD-Universum nur mit dem Ablegen von imaginären Zauberfesseln. Zu viel Einschränkung durch so genannte Glaubensgemeinschaften führen zu Rückschritten. „Retrogression“ ist eher ein Begriff as der Biologie und beschreibt den Vorgang wenn komplexere Strukturen und Formen sich zurück zu einfacheren entwickeln.

Was hat es denn mit dem Sample in „Roar, Allay And Alter“ auf sich? Welchen Ursprung hat dieses denn?

Dort spricht Pfarrer Dieter Auer. Seine Predigt vom Floriansgottesdienst in St.Georgen im Schwarzwald stand relativ lange zum Download der Seite der Feuerwehr St. Georgen bereit. Die haben wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Wir helfen ihm beim verbreiten seiner Worte.

Zu „Security Through Obscurity“ habt ihr einen sehenswerten Clip gedreht. Wie waren denn die Dreharbeiten? Und wie habt ihr den Clip denn finanziert?

Alles selber gemacht. Skript, Dreh, Cut – hauptsächlich von meinem Kumpel Robin und mir. Er und ich sind Neulinge im Musikvideozirkus, wissen aber über weite Strecken, was wir wollen und durch Robins Journalisten-Jobs hat er gescheites Equipment. Das Budget waren 20 Pizza Margherita, um die Band und Crew bei Laune zu halten. Gedreht haben wir mitten im Schwarzwald, der ältere Herr im Video ist unser Kumpel Beppo, er ist Mieter im Elternhaus von Robin und hängt gerne mal mit uns ab, wenn wir im Schwarzwald zu Besuch sind. Bei der Postproduktion hatten wir dann noch Hilfe von unseren Freunden von polynoid(.de).

Vielen Dank für das kleine Interview!

Wir haben zu danken.

(mk)

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