Weniger ist manchmal mehr

Verfasst am 23. November 2011 von Mathias Anthes (Kategorie: Konzert-Rezensionen) — 1.401 views

In Flames | Vorbands: Insense, Rise To Remain, Ghost, Trivium

22.11.2011 – Stadthalle, Offenbach am Main

Eine Vorband kann ein gutes Konzert bereichern und den musikalischen Horizont der Zuhörer erweitern – man kann es aber auch übertreiben. Der Vorband-Marathon der aktuellen InFlames-Tour wurde von Insense eröffnet, die aber anscheinend früher spielten, als es auf der Eintrittskarte stand und ich so komplett verpasste.
Auch von den folgenden Rise To Remain habe ich nur einen Teil mitbekommen, da ich im Stau stand. Wirklich schlimm war das nicht, der Standard-Metalcore hat mich sowieso nicht angesprochen, Sänger Austin Dickinson ging mir mit seinem Rumgehüpfe eher auf die Eier.
Als nächstes folgten Ghost, die mir im Vorfeld empfohlen wurden; doch aufgrund ihres Priester-/Satanisten-/Sonstwas-Gimmick war ich (wie sich rausstellt zu recht) misstrauisch. Das erste Wort von Sänger „Papa Emeritus“ war „Luzifer“, und damit kann man die gesamten Texte zusammenfassen. Die gefühlten dreihundert Wiederholungen von „Satan“ und „666“ ließen die Texte nicht abwechslungsreicher erscheinen. Immer mal wieder konnten sie durchaus nette Gitarrenriffs bringen, doch das ist bei weitem nicht genug, um mir die Band schmackhaft zu machen.
Erst Trivium waren wirklich interessant. Obwohl ich nur das erste Album der Jungs aus Florida kenne, war der Auftritt sehr unterhaltsam, das gesamte Material kommt live gut rüber und zog auch den Rest des Publikums in seinen Bann. War der Zuspruch der Zuhörer bei den vorherigen Bands marginal, so war der Großteil der Anwesenden bei Trivium mit Herz und Seele dabei und feierte jeden Song ab. Man hätte sich die restlichen Vorbands sparen und Trivium mehr Spielzeit gönnen sollen, davon hätten alle profitiert.

Doch um 21:57 Uhr war all der Vorband-Frust vergessen, denn In Flames eröffneten mit „Sounds Of A Playground Fading“ ihr Set. Das gleichnamige Album wurde natürlich bevorzugt behandelt, doch auch viele Klassikern durfte man lauschen, beispielsweise „Swim“ (das ich persönlich vorher noch nie live gehört hatte), „The Hive“, „Only For The Weak“, „Cloud Connected“ und „The Quiet Place“, bei dem das Publikum immer die erste Hälfte der Strophen singen durfte. Wie immer bewies Frontmann Anders „Wikingerbart“ Fridén sein Talent als Alleinunterhalter, so bekam er großen Applaus, als er seine Vorliebe für „Schlappeseppel“-Bier kundtat („I like this beer, and I had quite a few beers in my life, so I know what I’m talking about“), die Tribünensitzer vor dem Spott der restlichen Anwesenden verteidigte und klarstellte, dass die Sanis Blut sehen wollten – deshalb wären sie schließlich da. Ein riesiger Mosh- und ein großer Circle-Pit waren die Früchte dieser Ansage, und Offenbach wäre angeblich die erste Stadt der Tour, in der sogar bei den ruhigen Songs gemosht wurde. Auch entschuldigte sich der sympathische Göteborger während der Videoaufnahmen für YouTube bei den Ludwigsburger Fans, aber die Stimmung in Hessen wäre einfach besser gewesen.

Satte 90 Minuten bekam man für sein Geld geboten, die aber wie im Flug vergingen. So waren viele verdutzt, als die Band plötzlich ihre Plektren und Drumsticks verschenkte und wegging – ganz ohne vorherige Ansage oder abschließende Dankesrede (was aber keine Undankbarkeit war, da sie sich während des Auftrittes bereits dutzendfach für das Erscheinen bedankten). Man hatte also keinen Grund zur Beschwerde und so verließen Tausende glückliche Metalheads die Stadthalle Richtung Heimat. (ma)

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