Weniger ist mehr?

Verfasst am 13. April 2011 von Fallen (Kategorie: Konzert-Rezensionen) — 1.700 views

Audrey Horne | Vorbands: Burden und Malrun

12.04.2011 – Colos-Saal, Aschaffenburg

Als ich das Colos-Saal eine halbe Stunde vor Beginn betrat, sah ich Entsetzliches: Leere. Es waren gerade mal etwa sieben andere Personen im Raum, die sich gegen Ende zumindest auf etwa 50 vermehrten.

p1070098Dennoch enterten kurz vor Acht die hessischen Mannen (zuletzt im Colos-Saal gesehen als Vorband von Soulfly) von Burden die Bühne und eröffneten den Abend mit ihren rotzig-groovigen Songs. Die Hesseköpp gaben trotz mageren Publikums alles und machten mit ihrem Pantera-ähnlichen, nur viel tragenderem, Midtempo-Sound gute Arbeit. Sänger Thorsten lockerte die Stimmung mit seinen sympatischen Zwischenansagen auf und meinte mit etwas Galgenhumor, dass es nicht so schlimm sei, wenn nicht viele Gäste hier seien, denn dann müsse man für das Bier nicht anstehen und könne sich die Vorband schönsaufen. Und ob schöngesoffen oder nicht, ernteten die Jungs anerkennungsvolles Kopfnicken während der Songs und danach gerechtfertigten Applaus.

p1070217Nach kurzer Umbaupause kamen die Dänen Malrun (nein, nicht Maroon!) und überzeugten nach anfänglicher Skepsis durch Bühnenpräsenz und gute Musik. Zuerst waren sie etwas unsicher, doch als sich das legte, brachten sie mit einem ganz eigenen Charme ihre Songs, die mich immer wieder an eine Mischung von In Flames und Fei Comodo erinnerten, rüber. Die Mischung zwischen kitschigen, mehrstimmigen Refrains und knallharten Gitarrenriffs brachten schließlich einige aus dem Publikum zum Haare schleudern und zuletzt trumpften sie mit einer astreinen Coverversion von „Killing In The Name Of“  von Rage Against The Machine auf.

Letztendlich drängten die paar Menschen, die gekommen waren, ein wenig weiter nach vorne um den Headliner Audrey Horne zu begrüßen.
p1070475Ab dem ersten Ton zeigten die Norweger wo der Hammer hängt und überzeugten mich als Audrey-Analphabet sofort von ihrer Qualität. Dank des enthusiastischen Einsatzes der gesamten Band, doch vor allem des Sängers Toschie, der immer wieder weite Ausritte durch das Publikum machte, gaben die Gäste etwas mehr Gas. Spätestens als Toschie in der „Menge“  stand und ganz „MTV-Style“, wie er es nannte,  einen Menschen-Kreis um sich scherte, waren alle voll dabei.
Immer wieder Spaß bereitete es den beiden Gitarristen beim Spielen ihrer Riffs und Soli zuzusehen, denn sie posierten wie die Weltmeister und grinsten dabei über beide Backen. Songs wie „Threshold“ und „Bridges And Anchors“ brachten die meisten zumindest etwas in Bewegung. Nach etwa 1 1/2 Stunden voller genialer Songs, die vor Kraft, Melodie und Herz nur so strotzen, verließen Audrey Horne mit dem extravaganten „Blaze Of Ashes“ die Bühne und ließen das kleine, aber feine Publikum zufrieden zurück, tauchten aber sofort am Merchandise-Stand wieder auf, um den Fans ihre Wünsche zu erfüllen.

Alles in allem ein super Abend, der wieder einmal gezeigt hat, dass Livemusik, auch wenn man die Bands nicht kennt, immer wieder eine Bereicherung fürs Leben darstellt. Trotzdem schade, dass nur so wenige Menschen an diesem Abend in das schöne Colos-Saal gefunden haben. (mat)

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