Feminine Antifastnacht

Verfasst am 28. März 2011 von Michael Klein (Kategorie: Konzert-Rezensionen) — 3.375 views

Ladies‘ Metal Festival | Mit: DreamReaver, Arven, Vernissage

08.03.2011 – Colos-Saal, Aschaffenburg

Der gemeine Metaller hat mit Fasching, mit Friseusen (auch wenn diese nackt sein sollten), mit roten Pferden und ähnlichem Getier ja nicht allzu viel am Hut. Wozu auch, wenn man sich zur selben Zeit ordentliche Gitarrenmusik um die Ohren hauen lassen und feschen Metalmiezen hinterherstieren kann. Beides ließ sich am diesjährigen Faschingsdienstag zeitgleich zelebrieren, als im Colos-Saal zum Ladies’-Metal-Festival geladen wurde. Initiatorin Eve Kreuzer, ihres Zeichens Sängerin von DreamReaver und ehemaliges Mitglied eines guten halben Dutzends weiterer Bands zwischen Aschaffenburg und Mainz, trommelte mit Arven und Vernissage zwei befreundete Bands zusammen, die allesamt der Traum verband, mal auf der großen Bühne vom Colos-Saal zu rocken. Und mit gut 200 Besuchern war der Colos auch gar nicht mal schlecht besucht, wenn man bedenkt, dass es sich hierbei eigentlich „nur“ um Local Heroes handelte.

Vernissage

Vernissage machten den Anfang um das Publikum mit ihrer „ganz in klirrend kaltem Weiß und Silber gestylte[n] Show und eine[r] unterkühlte[n], hocherotische[n] Bühnenpräsenz“ zu überzeugen. Naja, ganz so erotisch, wie es die Band auf ihrer Myspace-Seite von sich behauptet, waren sie dann doch nicht. Unterkühlt haben sie hingegen ganz gut hingekriegt, was allerdings eher distanziert und arrogant als „hocherotisch“ wirkte. Positiv überrascht war ich hingegen von der Musik, die auf dem Poster nicht nur als Gothic Rock angepriesen wurde, sondern auch tatsächlich Gothic Rock war! In Zeiten, in denen Nightwish und Within Temptation gemeinhin als Gothic abgestempelt werden, keine Selbstverständlichkeit. Und von oberflächlichen Schubladisierungen mal abgesehen verstand die Band ihr Handwerk auf musikalischer Ebene durchaus, ob jetzt während tanzbarer Nummern wie „Freakshow“ oder der phänomenalen Ballade „Für immer“. Letztgenannter Song wäre auch perfekt nahe dem Ende des Sets gewesen. Schade, dass man sich stattdessen entschloss noch drei weitere Songs zu spielen, die dann einfach nicht mehr beeindrucken konnten, zumal sie doch sehr der ersten Hälfte des Sets ähnelten. Und schade, dass Frontfrau Gabriela Wirbel bei all der forcierten Pseudo-Erotik irgendwie mehr von Cruella DeVille als von Brigitte Bardot hatte.

Setlist:

  • Freakshow
  • Das Spiel
  • Meister der Nacht
  • Foltere mich
  • Für immer
  • Sonatine
  • Nachtflug
  • Vaterland

Arven

Deutlich sympathischer kamen die vier Mädels und zwei Jungs von Arven an. Mit weniger Routine, aber dafür wesentlich mehr Spielfreude zog der Sechser, dessen fünftes Mädel heute von Bassist Benjamin Reiter von Awaiting Dawn vertreten wurde, das Publikum in seinen Bann. Hier stand die Show weniger im Mittelpunkt als die eigentliche Musik und die konnte sich definitiv hören lassen! Carina Hanselmanns engelsgleicher Gesang an einem Bouquet von melodischem Metal mit Folk-Anleihen und eine Lichtshow in harmonischen Braun- und Rottönen entführten uns in eine Welt von Schlössern und Ruinen, von Freundschaft und Hass, von Gedanken und Gefühlen, eine Welt, in der sich Candice Night und Ritchie Blackmore richtig wohlfühlen würden, wenn sie denn mal ordentlich rocken. Ansonsten müssen eher Bands wie Lyriel und Coronatus als Vergleich herhalten. In Sachen Selbstdarstellung und Publikumsinteraktion könnten Arven von diesen Bands auch noch so einiges lernen. Nach Vernissage fiel die fehlende Abgeklärtheit aber nicht weiter negativ ins Gewicht und erzeugte eher einen fast schon freundschaftlichen Eindruck, der der Band in der intimen Runde von etwa 200 Gästen auch recht gut zu Gesicht stand. Bevor es auf größere Bühnen geht, könnten die Mädels und Jungs aber noch ein Quäntchen mehr Bühnenerfahrung vertragen.


Setlist:

  • Dark Red Desire
  • Music Of Light
  • Ruined Castle
  • My Dear Friend
  • Midwinter Nights
  • World Of Hatred
  • Fireside Stories
  • In Your Dreams
    ———————
  • On Flaming Wings

DreamReaverTheoretisch hätte der Mann hinter dem Schlagzeug gleich sitzen bleiben können. Was DreamReaver und Arven verbindet, ist nämlich Drummer Till Felden, der in beiden Bands seinen Dienst ableistet und heute mal wieder eine Doppelschicht einlegte. Mit Sängerin Eve als einziger Frau auf der Bühne war aber auch das restliche Lineup der Band sehr maskulin. Das sollte natürlich nicht die Daseinsberechtigung der letzten Band der Ladies’ Metal Night in Frage stellen, zumal DreamReaver sowohl musikalisch als auch in Sachen Performance punkten konnten. Auf die Ohren gab es progressiven Power Metal, der am ehesten an Symphony X erinnerte und der der Instrumentalfraktion fast schon mehr Raum gewährte als dem Gesang, was sich in den zahlreichen flirrenden Soli und einem minutenlangen direkten Schlagabtausch der beiden Gitarristen Moritz Sohns und Michael Smorra äußerte, während sich Eves kräftige Stimme perfekt in die Klangteppiche aus Gitarren, Keyboards und donnerndem Doublebass einbettete. Gerade das Spiel der Gitarristen war ein Schmaus für die Augen, aber auch der restlichen Band in ihrer Spielfreude und Natürlichkeit zuzusehen machte irrsinnigen Spaß. Dabei strahlte sie eine Selbstverständlichkeit auf der Bühne aus, die zugleich sympathisch und routiniert wirkte und somit einen makellosen Abschluss des Abends bot.

Setlist:

  • A Little Nightmusic
  • The Fall Of Nemesis
  • Longing
  • Changes Pt. 1: The Welcome
  • The Riddle
  • Solo-Battle
  • The Two Angels
  • Coldness
    ———————
  • Dreamreaver

Alles in allem war die Ladies‘ Metal Night ein voller Erfolg, der einen sehr wohlklingenden Kontrapunkt zu den Ballermann-Hits bot, die man beim Weggehen in der Fastnachtszeit normalerweise zu hören bekam. Von den mitgenommenen optischen Eindrücken mag manch Vertreter des männlichen Geschlechts selbst heute noch zehren. Und das ganz ohne Funkemariechen und Narrhalla-Marsch. (dp)

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