Sibirische Superlative

Verfasst am 21. März 2011 von Michael Klein (Kategorie: Konzert-Rezensionen) — 1.453 views

Trans-Siberian Orchestra

20.03.2011 – Phönixhalle, Mainz

Zum ersten Mal in der 15-jährigen Geschichte des Trans-Siberian Orchestras setzt die gigantische Live-Produktion nach Europa über. Für elf Konzerte – davon jedoch nur sechs in Deutschland – hat man nun die Möglichkeit, diesem Show-Ereignis beizuwohnen, was die Vorfreude vieler Fans so weit steigen ließ, dass sich nicht nur die Mainzer Phönixhalle das Prädikat: „Ausverkauft“ an die Türen hängen darf.

p1050432Bei Ankunft entpuppt sich die Location als umfunktionierte Halle im Gebiet einer ehemaligen Waggonfabrik. Was zuerst seltsam anmutet, funktioniert jedoch hervorragend. Das Flair ist interessant, es gibt viel Platz und kaum Warteschlangen an Theken, Toiletten oder der Garderobe. Bei 2000 Besuchern schon ein kleines Kunstwerk!

Besonders spannend ist die Zusammensetzung des Publikums. Schon im Foyer stehen neben Die-Hard-Savatage-Fans in edle Abendkleider gehüllte Damen. Neben Kunstaffinen Sakkoträgern schmiegen sich Thrash-Metaller in Kutte. Die Bandbreite reicht also von Gucci bis Endstille.

Bis 20 Uhr hat dann jeder Gast seinen Platz gefunden und die Show kann beginnen. Was dann in den nächsten Zweieindreiviertel Stunden (ja, richtig gelesen: 165 Minuten!) folgt, ist nur schwer zu beschreiben, wenn man es nicht selbst gesehen hat. Es ist eine Show der Superlative!
p1050553Im Bühnenhintergrund sind drei riesige Projektionsleinwände in Form von Toren aufgebaut, in deren Bögen sich LED-Leinwände befinden. Zwei weitere lange LED-Screens wurden nahezu über den Köpfen des Publikums angebracht, wodurch bei simultanen Animationen eine unglaubliche räumliche Tiefe erzeugt wurde. Zusätzlich wurden auf der Bühne noch weitere Feuereffekte, Pyros, Laser und eine Masse an Lichteffekten installiert, so dass man hier wirklich von einem Multimedia-Erlebnis reden kann. Das Spektakel ist jedoch nie überladen, sondern setzt die Animationen und Effekte immer geschmackvolle und songdienlich ein (wenn ich da an die diesjährige Blind-Guardian-Tour mit den Windows-XP-Standartanimationen und -überblendungen denke, wird mir jetzt noch schlecht).

Das Set bestand aus der nahezu vollständig gespielten Klassik-/Rock-Oper „Beethoven’s Last Night“ dessen Geschichte zwischen den Songs von einem Sprecher in theatralischer Weise zwischen den Stücken erzählt wurde. Damit es nicht zu Verständnisschwierigkeiten kam, konnte man zeitgleich die deutsche Übersetzung auf zwei Monitoren rechts und links von der Bühne parallel mitlesen.

p1050497Wer das Trans Siberian Orchestra kennt, der weiß, dass man bei den Künstlern nur mit dem Feinsten rechnen kann. So natürlich auch auf dieser Tour.
Begonnen bei der grandios auffahrenden Sängerriege um namhafte Größen wie Jeff Scott Soto als Mephistopheles und Tim Hockenberry als Beethoven, bis hin zur in nichts nachstehenden Instrumentalfraktion rund um die Savatage-Rumpfmannschaft Chris Caffery, John Lee Middleton, Jeff Plate und Ex-Megadeth-Gitarrist Al Pitrelli. Selbst Mastermind Paul O’Neill ließ es sich gegen Ende nicht nehmen, noch mal selbst auf die Bühne zu steigen um u.a. den Savatage-Klassiker „Sleep“ zu intonieren – übrigens bei einem vom ersten Ton an perfekten Sound.

Nach Ende des offiziellen Teils ließ die Truppe dann die Rockwurzeln durchschimmern und mit dem gigantischen Carl-Orff-Monument „Oh Fortuna“ und dem Night-Castle-Kracher „Another Way You Can Die“ das absolute Highlight „Chance“ von Savatage folgen – zu dem es dann auch niemanden mehr auf dem Sitz hielt. Klasse!

Nach so einem grandiosen Abend bleibt zu hoffen, dass sich das Projekt von Paul O’Neill, Robert Kinkel und Jon Oliva (der aus familiären Gründen leider nicht mit dabei sein konnte) auch mit der nächsten Produktion (vielleicht schon zu Weihnachten?) wieder auf dem alten Kontinent blicken lässt. (mk)

Setlist Mainz (Ohne Gewähr)

  • Child Of The Night
  • Overture
  • Midnight
  • Fate
  • What Good This Deafness
  • Mephistopheles
  • What Is Eternal
  • Mozart and Memories
  • Vienna
  • Mozart
  • The Dreams Of Candlelight
  • Requiem/The Fifth
  • The Dark
  • Für Elise
  • After the Fall
  • A Last Illusion
  • This Is Who You Are
  • Beethoven
  • Misery
  • Who Is This Child
  • A Final Dream
    ————————
  • Toccata – Carpimus Noctem
  • The Mountain
  • Sleep (Savatage)
  • Oh Fortuna (Carmina Burana – Carl Orff)
  • Another Way You Can Die
  • Chance (Savatage)

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