Ägyptische Verhältnisse in Darmstadt

Verfasst am 30. Januar 2011 von Michael Klein (Kategorie: Konzert-Rezensionen) — 1.429 views

Nile | Vorbands: Melechesh, Dew-Scented, Zonaria und DarkRise

30.01.2011 – Steinbruchtheater, Darmstadt

Während in Ägypten die Revolution um sich griff, fuhr ein Tross durch Mitteleuropa, angeführt von einer amerikanischen Band, die Inspiration aus dem antiken Ägypten bezieht, und einer holländischen Band, die sich ihrer nahöstlichen Wurzeln besinnt, und beglückte die Massen mit harter Gitarrenmusik. Auch wenn dieser Tross keinen zweiten Marsch der Millionen hervorrufen wird, so sorgte ihre Klangkunst hier und da gewiss für eine ähnliche Euphorie wie der Rücktritt des verhassten Präsidents Mubarak in Kairo. Die Rede ist natürlich von Nile und Melechesh. Begleitet wurden sie von den deutschen Thrashern Dew-Scented, den schwedischen Schwarzheimern Zonaria und den eidgenössischen Death-Metal-Newcomern DarkRise. Und zu meiner persönlichen Überraschung schaffte es dieser Fünfer an einem Sonntagabend gut 300 Leute in das Steinbruchtheater im abgeschiedenen Mühltal bei Darmstadt zu ziehen.

Eröffnet wurde der Abend von DarkRise. Die Schweizer knüppelten sich ganz ordentlich durch die Botanik, aber mehr als Standard-Death-Metal-Kost hatten sie nicht im Angebot. Ein Auftritt, der für einen Opener in Ordnung geht, aber nicht weiter erinnerungswürdig ist.

Besser machten es da schon Zonaria. Die Schweden gastierten bereits zum dritten Mal im Steinbruch und haben wie auch die vorherigen Male mit ihrem Melodic Black Metal Akzente setzen können. Das Publikum machte gut mit, die Matten wurden ordentlich geschüttelt und insbesondere der sympathischen Band war der Spaß, den sie auf der Bühne hatte, regelrecht anzusehen.

zonaria

Eine nochmalige qualitative Steigerung erfuhr der Abend dann mit Dew-Scented. Von ihrem Studiomaterial kann man ja halten, was man will, aber live überzeugen Leif Jensen und seine Mannen immer wieder. Allerfeinstes Thrash-Gebolze, garniert mit Leifs Growls und der tatkräftigen Unterstützung von Holy-Moses-Gitarrist Michael Hankel und die Rezeptur für ordentlich Nackenschmerzen ist perfekt. Entsprechend machte auch das Publikum mit und nutzte die Möglichkeit zum Bangen und Pogen nur allzu gerne.

Und dann ging’s erst richtig los. Die in Holland residierenden Israelis von Melechesh entzündeten ein Metalfeuerwerk, das seinesgleichen sucht. Ashmedi und Co. spielten so dermaßen tight, so dermaßen furios und überzeugend, dass mir selbst jetzt noch die Worte fehlen, diesen phänomenalen Auftritt in Worte zu fassen. Das muss man einfach erlebt haben, wie Melechesh dem Publikum eine Melodic-Black-Metal-Salve nach der anderen – welche fast ausschließlich von ihren letzten beiden Werken „The Epigenesis“ und „Emissaries“ stammten – um die Ohren hauten!

Als Headliner machten Nile den Abschluss. Während Mastermind Karl Sanders eher statisch und zurückhaltend agierte, gingen seine beiden Mitstreiter Dallas Toler-Wade und Chris Lollis vollkommen aus sich heraus, animierten das Publikum zum Mitmachen und Mitshouten, kündigten den Titel „Permitting The Noble Dead To Descend To The Underworld“ als „… To Descend To Darmstadt“ an und machten generell ziemlich gute Stimmung. Karl hingegen mokierte sich über „all those silly people in the first row taping this show“ und forderte sie auf, stattdessen mit dem restlichen Publikum mitzufeiern. Zum Titel „4th Arra Of Dagon“ – ein grandioser Mitgrölsong nebenbei bemerkt – bemerkte er zudem in leicht verächtlichem Tonfall, dass selbst das Schweizer Publikum bei dem Song Arsch getreten hätte. Allen kritischen Anmerkungen gegenüber seinem Publikum zum Trotz taute aber auch er mit der Zeit auf und am Ende schüttelte er die Hände der ersten Reihe und ließ den Hals seiner Gitarre durch das Publikum gleiten.
Leider war die Setlist reichlich langsam geraten. Die Band spielte zwar tight wie immer, aber ein bisschen mehr Tempo hätte dem Set nicht geschadet. Vielleicht war es beabsichtigt als Kontrast zu den vier Vorgängerbands zu agieren, aber so grenzte es stellenweise schon ans Langweilige. So fiel der Gesamteindruck zu Nile etwas ab im Vergleich zu Melechesh, die definitiv als die Gewinner des Abends anzusehen sind.

nile

Insgesamt war der Abend aber sehr unterhaltsam und trotz recht hohem Härtegrad sehr abwechslungsreich. Von den 300 Zuschauern, die den Steinbruch ordentlich füllten, wird jedenfalls niemand enttäuscht gewesen sein. (dp)

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