Neue Wege, Neue Pfade

Verfasst am 01. Februar 2011 von Michael Klein (Kategorie: Interviews) — 1.093 views

Im Gespräch mit David Pisabarro – dem Kopf des Projektes 413

Für mich ist es immer besonders spannend, zu entdecken, dass im weitläufigen Bereich des Metals längst noch nicht alle Felder abgegrast wurden – dass längst noch nicht alles ausprobiert wurde – dass es immer noch Musiker gibt, die sich durch besondere Herangehensweisen an Songwriting, die Konzeption, spannende Intentionen oder schlichtweg durch Kreativität musikalisches Neuland betreten.
Der Baske David Pisabarro gehört mit seinem Projekt 413 in jeder Hinsicht zu diesem Personenkreis.
Dessen zweites Album „Path To Hocma“ ist abgedreht, freakig, unkonventionell und äußerst spannend. Es ist ein Album mit einem extremen Spannungsfeld, das in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich erschaffen wurde – wie uns der alleinige Kopf der Band berichtet.

413-path-to-hocma-300x3001Metal-Aschaffenburg: David, „Path To Hocma“ wurde gänzlich ohne Studio, ohne Verstärker und komplett ohne Gitarren, einzig mit dem Bass als tragendem Instrument aufgenommen.
Wie kommt man auf die Idee, einen solchen Weg einzuschlagen?

3David Pisabarro: Nun, es gab für mich viele Gründe, es auf diese Weise zu machen. In erster Linie glaube ich aber daran, dass man alles, was man erreichen will, auch kann – wenn man sich nur darum bemüht. Ich habe kein eigenes Studio – also standen mir für diese Aufnahmen nur mein Bass und mein Computer zur Verfügung. So habe ich versucht, mit den gegebenen Möglichkeiten einen Weg zu finden, meine Ideen möglichst perfekt auszudrücken – und in einer Qualität, in der ich mich wohlfühle. So begann „Path To Hocma“ Form anzunehmen.

Gingst du denn dabei nach einem roten Faden/einem Konzept vor?

Path To Hocma“ ist nicht im herkömmlichen Sinne konzeptionell, sondern eher als Beginn eines Konzeptwerkes anzusehen. Es erzählt jedoch keine geradlinige Geschichte – Die Szenarien und Charakter gehören einer allgemeinen Erzählung an, die sich aus Sicht des Hörers durch mehrere Veröffentlichungen ziehen wird. Die Erzählung um die Stadt Ashdogtown und die Berge der Brigit Mountains wird in weiteren – nicht nur musikalischen – Formaten weitergeführt werden.

Die Vielfalt auf „Path To Hocma“ ist groß. Einige Nummern versprühen eine Art mexikanisches Flair, sind chillig und relaxt, andere sind energiegeladene, komplexe Metal-Stücke. Woher nimmst du diese große Bandbreite?

Nun, dafür gibt es unzählige Inspirationsquellen – zu viele, um sie hier alle aufzuzählen. Dies ist sicher ein großer Faktor für die Vielfalt auf „Path To Hocma“.
Die meisten Sounds werden von dem Gefühl beeinflusst, das die Story zu diesem Zeitpunkt tragen soll. Ein gutes Beispiel hierfür ist der erste Song – „The Town“ – der zeigen soll, welche Emotion der Anblick von Ashdogtown – der Stadt in der Erzählung – beim Hörer (durch die Musik) und den Hauptcharakteren (durch Texte und die Stimmen) auslöst: Nämlich Unbehagen, Belastung, Unruhe und Beengung. Danach folgt dann die fadenscheinige Behaglichkeit des Anblicks der Wüste („The Desert Of The Real“).
Auf anderer Ebene beeinflusst mich in erster Linie experimentelle Musik, traditioneller Folk und Jazz (hauptsächlich Manouche und Swing). Dies sind dann z. B. Maria Tanase, Trio Ferret, alles von Toby Driver, Henry „Red“ Allen, Neurosis, Dillinger Escape Plan, Tom Waits, Django Reinhardt, Yma Sumac und viele mehr – eigentlich jede Art von Musik, die mit dem Herzen geschaffen wurde.
Auch das landschaftliche Umfeld hat einen Einfluss auf meine Musik mit 413. Das Baskenland mit all seinen Bergen, den weiten Feldern und dem Meer ist ein wichtiger Teil meiner Person und fließt somit in gewisser Weise in das Songwriting mit ein.

Nicht nur die Musik von 413, sondern auch die Entscheidung, das Album komplett kostenlos anzubieten ist ungewöhnlich.

Nun, ich habe das Album in meinem Schlafzimmer aufgenommen. Produktionskosten sind also einzig für die Zigaretten, die ich geraucht habe und die Kaugummis, die ich in dieser Zeit gekaut habe, entstanden.
Natürlich erfordert die CD-Pressung den Einsatz von Mitteln – aber ich mache Musik nicht für Geld. Und auch wenn ich jeden anderen Vertriebsweg respektiere – ich bevorzuge diesen Weg.
Wenn jemandem gefällt was ich mache, braucht er mich einfach nur zu fragen und bekommt es. Danach kann derjenige gern etwas spenden um weitere Vorhaben von 413 zu unterstützen – ganz freiwillig.

Sehr großzügig und ein Grund mehr, sich „Path To Hocma“ anzuhören. Fans von Bands wie Mastodon, The Mars Volta, Mr. Bungle, Fantomas oder Dillinger Escape Plan werden sich im Sound von 413 sicher wohlfühlen.

Vielen Dank für das kleine Interview!

Ebenfalls vielen Dank an das gesamte Metal-Aschaffenburg-Team.

www.The-413.com

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