The Ocean – „Anthropocentric“

Verfasst am 01. Januar 2011 von Gringer (Kategorie: CD-Rezensionen) — 990 views

Traumhafte Unterwassermusik

Das Erste, was ich höre, ist der Songfetzen „Philosophie Of A Hangman“ – damit ist sofort die Brücke von „Heliocentric“ zu „Anthropocentric“ geschlagen… Mit zwei Herzen in der Brust geh‘ ich dem Album entgegen… es soll wieder härter sein. Heißt das, dass gerade die mir lieb gewonnen Spielereien verschwinden und wir hier eher ein „Precambriam/Aeolian“ hören? Nichts gegen die Alben, aber erst die Abwechslung auf „Heliocentric“ machen The Ocean zu etwas Besonderem. Aber meine Angst wird gleich im ersten Song zunichte gemacht und es wird uns einerseits Gewalt um die Ohren gehauen, als auch zarter Gesang. Die ruhigen Passagen werden sogar noch ausladender.

Obiger Absatz ist nun schon zwei Monate alt. Ich habe den Stream mehrmals gehört, aber wollte die Rezi unbedingt erst schreiben, wenn ich den ganzen Ozean in der Hand habe. Wie bekannt ist, geben sich The Ocean sehr viel Mühe mit dem Gesamtwerk – sprich Konzept, Musik, Aufmachung. Und da der Vorgänger „Heliocentric“ optisch ein Meisterwerk war, gab es ein bisschen Wehmut, dass die „Anthropocentric“ nur genauso schön ist und mit dem Posterbooklet sogar Abstriche bekommt. Andererseits, was hab ich bei einem Konzeptwerk über zwei Alben erwartet? Eben, zwei schöne CDs, die ich ja auch habe. Nicht nur das – ich habe mir selbst das Geschenk der Spezialbox gemacht. Selbige ist alloverprinted und enthält neben den Alben „Heliocentric“ und „Anthropocentric“ beide nochmal komplett rein instrumental. Möchte ich auf keinen Fall missen. Und es macht Spaß zu merken, dass man doch nicht alle Texte ohne die Hilfe von Loïc auswendig kann.

Zurück zum Faktor Zeit. Ja, ich musste auf meine Box etwas länger warten und konnte das Album so erst Anfang Dezember hören, aber warum dennoch jetzt erst eine Berichterstattung? Rein egoistische Gründe: Ich wollte dem Album kein Durschnitt prophezeien, sondern dass es sehr gut ist. Es ist sehr gut. Aber wie bereits bei dem Vorgänger passiert, zündete es nicht direkt. „Heliocentric“ hat sich erst nach dem vierten Durchlauf mir langsam eröffnet, deswegen wusste ich, dass ich geduldig sein muss. Das war ich. Immer und immer wieder. Klar, nun kannte ich den genialen Sound von The Ocean schon und liebte ihn sofort wieder, aber der Moment, dass ich mir
mir Herzblut die Seele aus dem Leib schrei‘, lies auf sich warten. Aber er kam und auch wenn ich „Heliocentric“ favorisiere, kann ich es mir ohne „Anthropocentric“ nicht mehr vorstellen. Schneeweißchen und Rosenrot gehören nun mal zusammen.
Was soll ich also sagen oder hervorheben? Hört es euch an und seit geduldig und dann werdet ihr belohnt werden. Wir haben hier alles: Spaß, Härte, Träumereien und insgesamt mehr Abwechslung. Ich hab auch das Gefühl, dass „Anthropocentric“ mehr vermitteln will. Ich hab jedenfalls verdammt viel Lust zu „singen“ wie z. B. dem In-Flames-lastigen Refrain in „Sewers Of The Soul“ oder einfach nur die Luftgitarre kaputtschrammeln.


the-ocean-anthropocentric

Bewertung: 13/15 Punkte
Genre: Post Hardcore/Progressive
Herkunft: Deutschland
Label: Metal Blade
Veröffentlichungsdatum: 09.11.2010
Homepage: www.MySpace.com/TheOceanCollective

Tracklist

  1. Anthropocentric
  2. The Grand Inquisitor I: Karamazov Baseness
  3. She Was the Universe
  4. For He That Wavereth…
  5. The Grand Inquisitor II: Roots & Locusts
  6. The Grand Inquisitor III: A Tiny Grain Of Faith
  7. Sewers Of The Soul
  8. Wille Zum Untergang
  9. Heaven TV
  10. The Almightiness Contradiction

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Ebenso hab‘ ich immer mehr den Drang, mir die Textzeile „You are trying to save me, but perhaps I am not lost …“ als Maxime zu tätowieren (Metapher). Gelungen, aber bis jetzt immer noch unpassend finde ich das elektronische Zwischenstück „The Grand Inquisitor III: A Tiny Grain Of Faith“. Auch als großer Dostojewski-Fan finde ich hier keinen Bezug. Klingt für mich dafür absolut nach den Sologeschichten von Anneke von Giersbergen. Ebenfalls ruhig und sogar mit deutschen Titel und daher großer Vorfreude, aber dann doch leider nur instrumental: „Wille zum Untergang“. Stellt euch einfach vor, wie ihr langsam im Ocean ertrinkt. Nicht qualvoll, sondern ihr verliert ganz langsam das Bewusstsein. Dann hört ihr sicher diese Melodie.

In dem Sinne – habt alle den Willen zum… (lkb)


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