Cloudkicker – „Beacons“

Verfasst am 24. Dezember 2010 von Michael Klein (Kategorie: CD-Rezensionen) — 1.188 views

Meisterwerk eines Einzelkämpfers

Cloudkicker ist im eigentlichen Sinne keine Band, sondern eine Einzelperson namens Ben Sharp. Seine mittlerweile sechs Alben findet man nicht im Plattenladen oder bei Amazon, sondern auf der Plattform www.BandCamp.com, wo man alle Songs (kostenlos) herunterladen kann. Das neuste Album, „Beacons“, lässt sich sogar als richtige CD mit Booklet bestellen, wahrscheinlich weil  Ben Sharp nach eigener Aussage auf dieses Werk besonders stolz ist. Nach dem ersten Hördurchgang weiß man, wovon er redet.

Sowieso ist es eine bemerkenswerte Leistung, ein solches Album als einzelne Person im heimischen Mini-Studio aufzunehmen, aber Cloudkicker hat seit Anfang 2008 sechs kleinere und auch große Alben veröffentlicht, und man merkt diese Erfahrung und Professionalität nirgendwo deutlicher als auf „Beacons“. Gesang findet man auf keinem der Werke, und Sharp betonte in einem Interview, dass er dies auch nie beabsichtigen wird. Trotzdem schafft er es, und das ist das Eindrucksvollste an „Beacons“, mit den Songs eine Geschichte zu erzählen. Alleine die Tracklist erzählt schon eine Geschichte, und hört man das Album durch, bilden sich anhand der Songtitel im Kopf des Hörers Szenen, die in dieser Geschichte stattgefunden haben könnten. Wer sich dies nicht vorstellen kann ist an dieser Stelle eingeladen einen Blick auf die rechts stehende Tracklist zu werfen.

Nun zur Musik. Ben Sharp ist ohne Zweifel ein Meister an der Gitarre, die hier meistens in einem vielstimmigen und vielschichtigen Klangbild erscheint, wie es im Post Metal üblich ist. Besonders erwähnenswert ist hier die gekonnte Kombination aus soliden Riffs, schwebenden Klängen und eingängigen Melodien, teilweise sogar zu ein und derselben Zeit. Solche Stilmittel würde man auch bei anderen Größen des Genres finden, wie zum Beispiel Russian Circles, Neurosis, Explosions In The Sky, Anathema oder Cult Of Luna. Interessanterweise könnten einige der Riffs aufgrund vielfach verwendeter Polyrhythmik auch von Meshuggah stammen. Cloudkicker schafft es aus kompositorischer Sicht problemlos, mit jeder dieser Bands auf einem Level zu stehen. Einige der Parts stellen einen weit ausgeholten Spannungsbogen dar, der von manchem eine gewisse Geduld einfordern wird. Jedoch wissen vor allem die mit Post Rock/Metal vertrauten Fans schon, dass bei solcher Musik gute Songs ihre Zeit brauchen. Vielleicht gerade deshalb, und aufgrund des fehlenden Gesangs, eignet sich dieses Album außerordentlich gut, um es nebenbei zu hören.

An dieser Stelle könnte man beginnen, die einzelnen Songs zu beschreiben, aber ich denke, dieses Album sollte man als Gesamtkunstwerk erleben. Jeder, der ansatzweise an Progressive oder Post Metal interessiert ist, sollte sich dieses Werk auf keinen Fall entgehen lassen.

Es ist vor allem sehr einfach in den Genuss dieses und aller anderen Alben von Cloudkicker zu kommen. Über die bereits erwähnte Bandcamp-Homepage kann man das Album anhören und zu einem selbst festlegbaren Preis herunterladen. Da gerade Weihnachten ist, könnt Ihr Euch selbst dieses Album schenken, oder aber Ben Sharp alias Cloudkicker eine kleine Spende für seine exzellente musikalische Darbietung zukommen lassen. (fb)


beacons-kopie

Bewertung: 13/15 Punkte
Genre: Progressive Post Metal
Herkunft: USA
Label: Eigenvertrieb
Veröffentlichungsdatum: 16.09.2010
Homepage:
Cloudkicker.BandCamp.com

Tracklist

  1. We Are Going To Invert…
  2. Here, Wait A Minute! Damn It!
  3. We’re Goin‘ In. We’re Going Down.
  4. Oh, God.
  5. I Admit It Now. I Was Scared.
  6. We Were All Scared.
  7. Push It Way Up!
  8. …It’s Just A Wide-Open Field.
  9. It’s Bad. We’re Hit, Man, We Are Hit.
  10. Amy, I Love You.


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