Unter der Schneedecke

Verfasst am 21. Dezember 2010 von Michael Klein (Kategorie: Konzert-Rezensionen) — 1.039 views

Finntroll | Vorbands: Samael, Rotting Christ, Metsatöll, Nothnegal

19.12.2010 – Batschkapp, Frankfurt am Main

Schnee, Schnee, Schnee.
Ganz Frankfurt liegt unter einer weißen Decke begraben, was dafür sorgt, dass viele Besucher am heutigen Abend erst später oder vielleicht sogar gar nicht mehr in der altehrwürdigen Batschkapp ankommen.
Insbesondere für die Jungs der ersten Band des Billings – Nothnegal – dürfte der Winterzauber ein sehr seltener Anblick sein – stammt das Quintett doch von den Malediven.
Die Combo kann mit ihrem melodischen, keyboardlastigen Death/Black Metal irgendwo zwischen Cradle Of Filth, Moonspell und Satyricon und ordentlicher Thrash-Kante immerhin einige Pommesgabeln in der Luft versammeln – Exotenbonus hin oder her – und somit gute Werbung für das 2011 kommende Debüt machen. Die Band sollte man mal im Auge behalten.

Metsatöll im Anschluss waren besser als ich sie zuletzt in Erinnerung hatte – aber weit davon entfernt mich wirklich vom Hocker zu reißen. Die Mehrheit der Anwesenden Pagan-Anhänger sah das natürlich anders und hat die Band ordentlich abgefeiert.
Mich nervt jedoch der flächendeckende, fast pausenlose Einsatz von Flöten- und Trötwerk, mit denen die offensichtlichen Schwächen im Songwriting kaschiert werden. Denn sobald der für die traditionellen Instrumente abgestellte Lauri „Varulven“ Sendepause hat, werden die Stücke ziemlich schnell langweilig.

Dass die Griechen von Rotting Christ live durchaus etwas reißen können, hatte ich vom 2005er Up From The Ground – wo ich die Band zuletzt gesehen hatte – noch in Erinnerung. Dass sich das Quartett aber dermaßen stark entwickelt hat, damit hätte ich nicht gerechnet. Die heutige Show strotzt vor Spielfreude, Können und – vor allem – richtig guten Stücken, die heute hauptsächlich vom aktuellen Album „Aealo“ stammen. Wobei in den 40 Minuten natürlich auch Klassiker wie „King Of A Stellar War“ zum Zuge kommen. Dass die Samples etwas untergegangen sind, fiel dabei gar nicht weiter ins Gewicht, denn die Truppe um Chefdenker Sakis zeigt eine solche Bühnenpräsenz, dass die Batschkapp im Sturm genommen wird. Ein imponierender Auftritt!

An den Samael direkt anknüpfen. Zwar fallen die Reaktionen auf die Schweizer etwas verhaltener aus als bei den Athenern, was die Qualität der Show aber keineswegs schmälert. Das Quartett spielt einen bunten Querschnitt über (fast) alle Alben. Und als der Sound nach einigen Songs dann doch den notwendigen Druck entwickelt, brauchen Kracher wie „Black Hole“, „Reign Of Light“, „Slavocracy“, „Rain“ oder das heute über alle Maßen herrschende „Into The Pentagram“ nicht mehr viel, um bei den Fans gepflegte Nackenschmerzen zu verursachen. Der charismatische Frontman Vorph zeigt sich dazu heute ungewohnt redselig und scheint von der Herausforderung vor vielen Pagan-Fans zu spielen nur noch mehr angespornt zu werden. Mit „Antigod“ und „Soul Invictus“ gibt es zudem brandneues Material zu hören. Stark!

Finntroll fallen der Tatsache zum Opfer, dass wir im Schneechaos noch den Rückweg antreten müssen. Ich bin mir aber sicher, dass die Truppe nicht viel anbrennen lassen hat. (mk)

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