Whisky am Straßenende

Verfasst am 10. Oktober 2010 von Michael Klein (Kategorie: Interviews) — 2.145 views

Michael „Mischi“ Schiffmann plaudert mit uns über sein Dead End

Wir schreiben das Jahr 1999. Der Satansröhrling ist Pilz des Jahres, Bill Clinton steht vor Gericht weil er sich mit seiner Praktikantin etwas mehr als nur gut verstanden hat, Johannes Rau wird zum Bundespräsidenten gewählt, Die Quizsendung „Wer wird Millionär?“ mit Günther Jauch als Moderator startet auf RTL, das Sonnenfinsternis-Fieber herrscht in Deutschland und – aus Sicht aller Aschaffenburger Rock-, Metal- und Blues-Fans am wichtigsten: Die Dead-End-Bar eröffnet Ihre Pforten!

Inhaber Michael „Mischi“ Schiffmann plaudert mit Metal-Aschaffenburg ein wenig über seine Kult-Kneipe.

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Metal-Aschaffenburg: Mischi, das Dead End gibt es nun schon seit 11 Jahren und du machst das alles in deiner Freizeit.

Michael Schiffmann: Ja, ich mache das aus reinem Spaß an der Freude. Ursprünglich wolle ich eigentlich nie in die Gastronomie. Damals hat ein Kumpel, mit dem ich Musik gemacht habe, einen Job gesucht. Er war Ami, wollte wieder zurück in die Staaten – kam dann aber doch wieder zurück nach Deutschland. Er wollte irgend was Gastronomie-mäßiges machen. Ich habe gesagt, okay – ich kann dich dabei unterstützen. Wir bauen gemeinsam etwas auf, sehen weiter und ich ziehe mich dann wieder zurück. Und da wir keine Bessere Location gefunden haben, sind wir hier gelandet. Als wir die jetzigen Räume damals das erste Mal gesehen haben, haben wir beide gedacht – nein, das kannst du abhaken. Der Laden hat ausgesehen wie Schwein, war im erbärmlichsten Zustand. Der Gag war aber – wir haben beide ein bisschen drüber geschlafen und zwei Tage später hatten wir quasi gleichzeitig den Telefonhörer in der Hand. Ich wollte gerade anrufen, hatte schon den Telefonhörer in der Hand und in dem Moment klingelt es. Wir hatten beide den gleichen Gedanken: Wenn man den Laden komplett – also wirklich komplett – überarbeitet, dann könnte man daraus etwas machen. So war die Idee innerhalb von drei Wochen geboren.

War es auch von Anfang an Plan, das Dead End als Rock- und Blues-Bar mit Whisky-Abteilung aufzuziehen?

Es gab zu diesem Zeitpunkt in Aschaffenburg herzlich wenig, wo du ordentliche Musik hören konntest. Da wir beide schon mal in einer Rockband und einer Bluesband gespielt haben, lag die grobe Richtung schnell fest. Wobei das Dead End damals noch nicht speziell diesen Beinamen hatte. Den habe ich erst später gepusht. Das mit dem Namen war auch ganz witzig. Denn der war schnell gefunden. Jeder von uns hatte sich fünf Namen aufgeschrieben – und der eine hat übereingestimmt.
Nach einer gewissen Zeit war es dann eigentlich so gedacht, dass ich mich herausziehe. Doch es ist anders gekommen. Er hat ein paar Probleme bekommen und gesagt, dass er nicht mehr kann. Ich habe dann die damaligen Angestellten gefragt und gesagt: Passt auf – ich arbeite noch, habe meinen 38 Stunden-Job. Wenn ihr wirklich wollt, probieren wir es weiter. Es haben dann alle gesagt: Wir machen auf jeden Fall weiter – egal wie! Und jetzt mach ich das schon seit 11 Jahren.

Die riesige Whisky-Karte war aber noch nicht von Anfang an Bestandteil.

Das kam so mit der Zeit. Wir hatten schon von Anfang an auch Single Malts auf der Karte. Das waren dann halt nur zwei. Auch weil man für mehr einfach nicht die Knete hatte. Die Spinnereien haben sich dann langsam so aufgebaut. Erst zwei, dann fünf – irgendwann waren es dann mal 18 Stück. Da hatte ich blind quer durch die Regionen Schottlands gekauft. Dann hab‘ ich halt bemerkt – okay, du hast jetzt zwar verschiedene Regionen aber nicht unbedingt die richtigen Brüller. Danach habe ich mich viel mit Literatur beschäftigt und bemerkt, wie umfangreich und geil dieses Thema ist und damit dann auch Katja angesteckt, die damals dann mit ins Boot gekommen ist. Da waren wir auch noch gar nicht zusammen – das hat sich dann hier erst entwickelt. Schnell war dann der Whisky-Club gegründet. Ursprünglich nur mit dem Hintergedanken, dass ich auch öfter mal eine Abfüllung kaufen kann, die etwas teurer ist als die 20~30-Euro-Flaschen. Dann musste man natürlich den Leuten auch immer etwas bieten, zumal der Club auch besser als erwartet angenommen wurde. Wir waren am Anfang etwa zehn, zwölf – jetzt sind wir über hundert! Wir waren also im Zugzwang. Dann hatte ich zu Katja gesagt – komm wir fahren nach Schottland und schauen uns dort ein bisschen um. Und wenn du dort erst mal warst, dann bist du endgültig angesteckt.
Ich finde es hat total geil, dass du mit dem Faible für Whisky auch andere Leute anstecken kannst. Das ist wie beim Musikmachen. Wenn man Leute für etwas begeistern kann.

Wie viele Sorten Whisky habt ihr denn momentan da?

Im Ausschank sind es derzeit 250 verschiedene Sorten. Da ist dann aber alles dabei. Blends inklusive, amerikanische Sorten, was Japanisches, ein Inder, irische. Bis Mitte nächsten Jahres werden wir uns so rund um 300 bewegen.

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Damit habt ihr eine ziemliche Ausnahmestellung in der ganzen Region.

Ja. Das hängt auch viel damit zusammen, dass ich nicht von der Kneipe lebe. Wenn du diverse Abfüllungen über deinen Laden finanzieren müsstest – das würde wahrscheinlich gar nicht funktionieren. Da steht dann der Club dahinter und eben viel, bei dem ich privat etwas vorstrecke. So kann man das Ganze eben etwas anders angehen. Hier im Rhein-Main-Gebiet – also von hier bis Frankfurt – haben wir vermutlich schon ein kleines Monopol.

Zumindest aber steht ihr mit dem Dead End im „Whisky Guide Deutschland“ – einem Führer zu den 100 besten Whisky-Bars in Deutschland.

Ja. Letztes Jahr waren es noch die 80 besten. Dieses Jahr eben 100. Von daher ist es jetzt nicht mehr ganz so der hohe Status. Wir sind aber auch in Edinburgh in einer Liste der besten Whisky-Bars der Welt. Mittlerweile haben wir also schon etwas Fuß gefasst in der Szene. Das liegt auch daran, dass wir u.a. viele Kontakte nach Schottland oder zu anderen Bars haben. Auch auf Messen knüpft man natürlich etliche Kontakte.

Hast du überhaupt noch Freizeit?

Ich sag’s ganz ehrlich. Die Sache hier ist fast eine Art Ausgleich. Man kann das wahrscheinlich schlecht verstehen, weil es ist ja im Grunde ein Fulltime-Job ist. Die eigentliche Arbeit ist ja auch nicht an der Theke, sondern im Hintergrund – also die Buchhaltung, Planung, Einkäufe, Live-Auftritte und so weiter.

Hast du bei den gelegentlichen Live-Auftritten eigentlich nie Probleme mit den Nachbarn?

Die werden von mir immer persönlich informiert und ich muss echt sagen – ich glaube, ich habe diesbezüglich die besten Nachbarn in ganz Aschaffenburg. Der Bierbrunnen hatte einmal an Fasching eine Liveband – da kam dann sofort eine einstweilige Verfügung (lacht).
Aber alle Nachbarn werden immer mit einbezogen – und von daher hat es da noch nie Probleme gegeben. Man muss sich halt gut halten und ich bin froh, dass es so gut funktioniert.

Warum spielen eigentlich keine lokalen Bands bei dir?

Nun, ich denke wir haben genügend Auftrittsmöglichkeiten in Aschaffenburg. Auch wenn jeder immer nur am flennen ist. Das Problem ist: Ich kenne so viele Musiker in Aschaffenburg. Wenn ich jetzt eine Band spielen lasse, dann müsste ich auch jede andere mal spielen lassen. Das findet dann kein Ende. Und die meisten Bands verstehen das auch.

Vielen Dank für das kleine Interview, Mischi!

(mk)

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