Metal United

Verfasst am 08. Mai 2010 von Michael Klein (Kategorie: Konzert-Rezensionen) — 3.307 views

Haiti Relief | Mit: Verdict, Betrayal, Cervet, No Place For Compromise, Half Step Down
7.5.2010 – JuKuz, Aschaffenburg

Beim schweren Erdbeben am 12. Januar diesen Jahres haben etwa 300.000 Bewohner Haitis ihr Leben verloren. Über eine Million Menschen wurden dabei obdachlos.
Einige Monate später hat sich die Lage zwar wieder etwas beruhigt, trotzdem bedürfen noch viele Einwohner der Hilfe Außenstehender.
Die Haitian Health Foundation kümmert sich vor Ort um die Unterstützung der Betroffenen – was ohne Geldmittel natürlich nicht geht. Mit dem Haiti-Relief-Konzert unterstützt die Aschaffenburger Metalszene diese Einrichtung. Alle Bands haben auf Ihre Gage verzichtet, damit die Einnahmen in vollem Maße der Haitian Health Foundation zugute kommen können. Das tolle Billing (mit den besten Metal-Bands, die Aschaffenburg derzeit zu bieten hat) hat sowohl die junge als auch die ältere Generation ins JuKuz gelockt, so dass letztendlich auch über 200 Besucher zum großen Erfolg dieser Aktion beigetragen haben. Respekt!

Das Einzige, was diesem Abend nicht gerecht wurde, war der Bühnensound. Der akustische Brei, der die Konzerte über aus den Lautsprechern gesickert ist, hat viel Spaß genommen und die hohen Qualitäten der Bands verdeckt.

Ob dies schon bei Half Step Down der Fall ist, kann ich nicht mit Gewissheit sagen. Die Jungs verpasse ich leider zum Großteil, da ich (als arbeitender Teil der Bevölkerung) erst kurz nach acht im JuKuz eintreffe. Was ich vom Quartett noch mitbekomme sieht jedoch ganz gut aus und überzeugt!

Den Auftritt von No Place For Compromise könnte man auch als Wasserspiele durchgehen lassen. Nicht nur weil die Band und einige Fans vor der Bühne nach Stücken wie „One Hit Wonder“ oder „Cementary Tragedy“ mächtig ins Schwitzen kommen, sondern auch weil Sänger Marcel witzigerweise mehr Wasser auf der Bühne verteilt als trinkt. Die Mixtur aus Metalcore mit modernen Elementen kommt gut an und erweist sich als perfekter Einheizer für den weiteren Abend.

Da Incesticide krankheitsbedingt ausfallen, stehen als nächstes schon die alten Recken von Cervet auf dem Plan, die mit dem Einstieg „The Hive“ und ihrer starken Bühnenpräsenz gleich alle Fronten klären: Jetzt gibt’s was auf die Mütze! So fliegen zu Krachern wie „Zombie Riot“ oder dem abschließenden „Season Of The Witch“ auch etliche Haare und das Quartett erntet verdienten Applaus. Mit besserem Sound wäre hier sicher auch noch mehr gegangen.

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Betrayals erster Auftritt nach langer Abstinenzzeit (verursacht durch die letztendlich erfolgreiche Sängersuche) wurde von vielen entsprechend heiß erwartet. Zählte die Mischung aus Death/Black Metal und Grindcore doch immer zu den musikalischen Schmankerln der regionalen Szene. Die neu formierte (und heute zusätzlich von Cult-Of-Gaia-Sänger Moritz unterstütze) Band spielt technisch herausragend, und hat u.a. mit „Riven“ auch einige Hits im Gepäck – nur kann man aus dem Soundmatsch die vielen Feinheiten nicht heraushören. So verpufft (wie auch bei den vorherigen Bands der Fall) die engagierte Performance ein bisschen im Nirgendwo. Die vielen Fans vor der Bühne blenden die störenden Umstände jedoch aus und geben Vollgas.

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Leider ändert sich der bescheidene Sound auch bei den Thrash-Veteranen von Verdict nicht (man hat sogar den Eindruck, dass er eher immer schlechter wird). Doch inzwischen hat man sich irgendwie daran gewöhnt. Trotz später Stunde (die Band geht erst um kurz nach halb zwölf auf die Bühne) sind immer noch einige Metal-Fans vor der Bühne und lassen zu amtlichen Krachern wie „Acid Trip“, „Generation : Genocide“ und der Abrissbirne „Root Of Unrest“ die Köpfe rotieren. Da fällt die Tatsache, dass Drummer Florian schon gleich am Anfang das Kit zertrümmert und fortan mit einem Becken weniger auskommen muss, nicht ins Gewicht. Der Auftritt macht trotzdem mächtig Spaß und wird zwangsläufig am nächsten Morgen Muskelkater in den Nackenregionen verursachen.

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So endet der Abend mit zufriedenen Gästen und der Gewissheit, dass für den guten Zweck richtig viel Geld (knapp 3000,- Euro!) zusammengekommen ist.  (mk)

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