Failed Star

Verfasst am 04. August 2026 von Michael Klein (Kategorie: Band Of The Month, Interviews, Regionale Bands) — 11 views

Failed Star haben nicht nur jüngst mit ihrer zweiten EP „II: Darkness and Despair“ ein Ausrufezeichen hinterlassen, sondern auch live mehr als überzeugt!
Zeit, der sympathischen Mainzer Band mal ein wenig auf den Zahn zu fühlen…


Metal Aschaffenburg: Wenn ich es richtig nachvollziehe, habt ihr Failed Star inmitten der Corona-Pandemie gegründet, also in einer Zeit, in der Live Kultur quasi nicht existierte. Prägt euch dieser Ursprung heute noch? Findet man die Isolation und Unsicherheit dieser Phase noch in Songs wie „Swirls of Darkness“ oder eher den Aufbruch danach?

Failed Star: Nicht nur mittendrin sondern tatsächlich sogar schon in der Anfangszeit, als noch nicht so deutlich klar war welche Auswirkungen das auf uns alle noch haben sollte. Das hat natürlich dann dazu geführt, dass wir mit den Kontaktbeschränkungen die es dann gab deutliche Startschwierigkeiten hatten. Songwriting war zeitweise immer nur zu zweit möglich, weswegen es unglaublich lange gedauert hatte bis wir unsere ersten Songs fertig hatten. Das ist mitunter auch einer der Gründe gewesen, weswegen wir erst nach ca. 3 Jahren Bandbestehen unsere erste EP veröffentlicht haben.
Was die Texte betrifft: viele Inhalte und Emotionen, die transportiert werden, stammen aus Gefühlslagen und Situationen, die es ohne die Pandemie auch gegeben hätte: Ungerechtigkeit, Umweltzerstörung, persönliche und gesellschaftliche Probleme etc.. Corona hat dies vermutlich noch verstärkt, aber es gibt auch abseits davon genug, das wir zu erzählen haben. In der aktuellen Weltlage gibt es leider fast schon zu viel Inspiration für solche Themen.

In euren Arrangements wechselt ihr oft zwischen Härte und Zerbrechlichkeit. Wie entscheidet ihr im Schreibprozess, welche Emotion eine Passage musikalisch tragen soll – und gab es Songs, bei denen dieser Entscheidungsprozess besonders heftig diskutiert wurde?

Den Wechsel zwischen diesen Extremen hatten wir nicht von Anfang an. Jessica ist erst seit 2024 in der Band, davor hatten wir noch einen anderen Clean-Sänger und vor ihm gab es nur Shouts von Moe. Unsere bisher veröffentlichten Songs wurden fast alle vor Jessis Zeit geschrieben, also nicht unbedingt mit diesen Wechseln im Sinn. Vielmehr sind sie mit ihr zusammen in die Band gekommen. Wir arbeiten allerdings gemeinsam momentan an neuem Material, bei dem wir versuchen, wesentlich mehr Fokus auf eben solche Kontraste zu legen und mit ihnen zu spielen. Das Ziel ist, unseren Stil dabei weiter zu verfeinern und unsere eigene Sprache zu finden. Mit sechs Menschen in der Band ist das natürlich nicht immer einfach. Im Zweifel können dann sechs verschiedene Meinungen aufeinandertreffen. Wir alle haben im und außerhalb des Metalbereichs unsere Lieblingsbands und Einflüsse, die teilweise doch auch stärker voneinander abweichen können, was natürlich aber auch eine große Bereicherung sein kann. Unser Songwriting ist dadurch viel diverser. Dann aber alles für einen neuen Song unter einen Hut zu bekommen, fordert von uns allen eine große Kompromissbereitschaft. Seit Kony als neuer Gitarrist zu uns gekommen ist, sind wir dabei unser Songwriting ganzheitlicher zu gestalten und neu zu strukturieren und ich denke wir sind da auf einem sehr guten Weg, es für uns alle dadurch einfacher zu machen.

Mit „The Mandalorian“ liegen sehr offensichtliche Nerd-Wurzeln offen. Welche Rolle spielen Sci-Fi und Fantasy für euch?

Wir sind alle nicht nur von Sci-Fi fasziniert, sondern auch von sehr realen, wissenschaftlichen oder emotionalen Themen. Gerade wenn es um das Thema Weltraum geht, ziehen wir viel Inspiration aus Phänomenen, die sich in Sci-Fi und der Realität wiederfinden. Das Star Wars Franchise ist dabei sicher eine der großen Quellen für Themen. Es gibt in diesem Universum so unfassbar viele Geschichten, die sich wunderbar als Metaphern für unsere eigenen – irdischen – Probleme eignen. Genauso verhält es sich mit Weltraum-Phänomenen, die es tatsächlich gibt. Ein wunderbares Beispiel dafür ist unser Song Swirls of Darkness, in dem wir ein alles verschlingendes schwarzes Loch als Symbol für die Leere und Dunkelheit einer Depression verwenden.
Auch in Zukunft werden wir solche Ideen weiter verfolgen. Ich möchte an dieser Stelle aber auch erwähnen: Wir sind keine explizite Star Wars Metal Band. Das gibt es schon in Form der Band „Galactic Empire“ und die machen das besser, als wir es jemals könnten ;). Wir lieben einfach nur das Space-Thema insgesamt.

Habt ihr auch abseits des Star Wars-Kosmos einen Sci-Fi-Geheimtipp für uns?

Ich (Johannes) bin selbst großer Star Trek Fan, aber das ist weit entfernt von einem Geheimtipp. Daher noch ein paar kleinere Empfehlungen unsererseits:
– Altered Carbon (Sehr coole dystopische Sci-Fi Serie auf Netflix, die auch Moe uneingeschränkt empfehlen würde)
– Spektrum von Sergej Lukianenko (mein absolut liebster SciFi Roman, der ganz anders ist, als die meisten SciFi Stories. Eine Detektivgeschichte quer über etliche Planeten, habe ich 6 mal gelesen und werde es wieder tun)
– The Expanse (Eine weitere spannende Serie über den Weltraum)
– Und dann noch einige Filme: Alien: Predator, Interstellar, Spaceballs, und als Geheimtipp: Arrival

Failed Star live

„Spektrum“ von Sergej Lukianenko habe ich auch gelesen. Von Ihm mag ich die auch die „Wächter der Nacht“-Reihe! 
In Science-Fiction-Filmen ist die Bildgewalt, Ästhetik und die Optik enorm wichtig – wie viel Wert legt ihr auf den visuellen Aspekt als Band (in Bezug auf Artworks, Bühnenbild, Videos, etc.)?

Ästhetik ist ein wichtiger Aspekt für uns. Das fängt bei unserem Logo an, das eine stilisierte Sonne darstellt. Bei Live Shows – ganz besonders in kleinen Locations – versuchen wir auch durch Licht allem eine eigene, „spacige“ Optik zu verleihen. Da das bisher alles vollkommen ohne fremde Hilfe und mit eigenem Equipment entstanden ist, haben wir bei größeren Festivals noch nicht immer die Möglichkeit, das in unsere Show zu integrieren. Wir wollen aber in Zukunft mehr auf den visuellen Part eingehen und auch hier unsere eigene Sprache finden, die zusammen mit der Musik eine ganz eigene Geschichte erzählt.
Unsere Musikvideos haben (bisher) eher kaum etwas mit Science-Fiction zu tun. Zwar haben die meisten schon einen tieferen Hintergedanken, jedoch sind sie trotzdem sehr pragmatisch entstanden. Wir haben eine Idee für ein Video – wie lässt sich das für uns am einfachsten Umsetzen, kennt jemand jemanden etc. Alle Musikvideos sind bis auf die Hilfe von einem externen Kameramann komplett Selfmade – Kostüm, Skript und Edit ist alles in Eigenregie entstanden, worauf wir als Band in unserer Größe (und vor allem auch mit unserem Budget) schon etwas stolz sind.

Wie würde eine Failed-Star-Show aussehen, wenn ihr unbegrenzte finanzielle Möglichkeiten hättet?

Definitiv mehr Laserschwerter!
Aber abgesehen davon arbeiten wir ständig daran, unsere Shows weiter zu optimieren. Oft ist hier der limitierende Faktor die Technik, die wir haben. Wir würden sehr gerne noch viel mehr mit Licht, Nebel und anderen visuellen Elementen machen, haben aber schlicht (noch) nicht die Ressourcen dafür. Vieles ist bei uns dementsprechend durch DIY entstanden und mit der Zeit gewachsen. Was Live Shows angeht (vor allem beim Licht) sind zum Beispiel Meshuggah ein großes Vorbild. Wer noch keine Liveshow von dieser Band gesehen hat, sollte sich das auf keinen Fall entgehen lassen. Der Lichtmensch ist praktisch ein eigenes Bandmitglied und spielt sein Pult wie ein Instrument. Absolute Weltklasse, was sie jedes mal aufs neue fabrizieren.

Ihr seid als Band aus Mainz und dem Rhein Main Gebiet unterwegs, wie schätzt ihr die Szene der Region ein?

Die Szene im Rhein-Main-Gebiet ist absolut vollgestopft mit Highlights! Gerade aus Mainz kommen momentan so viele coole Acts, die die Rock- und Metalszene aufmischen.
Wer hier noch behauptet, dass sich in der Szene nichts tut, hat einfach nicht tief genug gegraben. Ganz besonders möchte ich hier auf unsere Freunde von Sharpened.Lives und Naked on Palmtrees aufmerksam machen. Beide Bands haben einen unfassbar frischen und kreativen Ansatz, den man wirklich selten hört. Und wer Leyka noch nicht kennt, die mit ihren Dystopia Shows und einem kleinen Durchbruch mittlerweile weit über die regionalen Grenzen bekannt sind, der sollte definitiv mal die lokale Szene auschecken!

Das sehe ich genauso! Gerade Mainz hat inzwischen eine unfassbar breite, entdeckenswerte Szene!

Ein Wermutstropfen ist aber auch hier das Sterben von kleinen, unabhängigen Locations und die generelle Unsicherheit, die man als Veranstalter seit Corona hat. Es ist nachvollziehbar, dass viele nicht mehr das Risiko auf sich nehmen wollen, eine kleinere Show zu machen. Aus diesem Grund: Support your Local Scene! Auch große Bands haben mal so angefangen.

Eure zweite EP „II: Darkness and Despair“ habt ihr 2025 veröffentlicht. Was erwartet uns denn in der nächsten Zeit?

Der erste EP-Zyklus ist mit dem Zweiteiler aus I: Fire and Fear und II: Darkness and Despair abgeschlossen. Wie schon erwähnt, arbeiten wir aber sehr fleißig an neuem Material :)
Gerade unser neuestes Mitglied, Kony, hat durch sein Gitarrenspiel noch mal viele neue Einflüsse mit in die Band gebracht. Generell wird sich unser Sound weiterentwickeln, so viel sei gesagt. Zu viel möchte ich aber noch nicht verraten. Wir haben genug Songs in unterschiedlichen Reifegraden in der Pipeline, um damit ein komplettes Album zu füllen und genau das ist momentan unser Ziel. Wann das Album kommen wird, lässt sich noch schwer sagen, wir peilen aber einen ersten Single-Release im kommenden Jahr an. Bis dahin wird sich sicher der eine oder andere Teaser auf unseren Socials finden lassen, daher lohnt es sich, dort hin und wieder vorbeizuschauen ;).
In der Zwischenzeit werden wir noch auf ein paar Festivals und Konzerten in der Region und weiter weg zu sehen sein. Die Mainzer können sich schonmal den 14.11.2026 fett im Kalender markieren, wo wir eine unserer bisher großartigsten Shows wiederholen wollen und mit dem gleichen Lineup mit Sharpened.Lives und Lack of Senses ins Caveau kommen. Wir freuen uns riesig auf das, was kommt!

This is the way.

Vielen Dank für eure Zeit!

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