Betrayal – „Disorder Remains

Verfasst am 14. März 2021 von Michael Klein (Kategorie: CD-Rezensionen, Regionale Bands) — 946 views

Die Schlange vom „Infinite Circles“-Artwork hat sich ihrer Haut entledigt und offenbart nun auf „Disorder Remains“ ihr tiefdunkles Innenleben.
Da ist es nur logisch, dass Betrayal unter diesem Vorzeichen (und unter dem Banner des neuen, diabolischen Bandlogos) ihr bisher härtestes und am schwärzesten eingefärbtes Album veröffentlichen.

Dazu passt auch die in meinen Ohren scharfkantigere und kältere Produktion (erneut von Matthias Schmitt/Unleash The Sound Studios plus Sky Van Hoff), die wie ein dünner Film aus Asche auf den Stücken liegt, ohne deren gewohnt technisch anspruchsvolle Strukturen zu verbergen.

Disorder Remains“ geht vielleicht nicht so schnell ins Ohr wie sein Vorgänger und braucht sicherlich eine deutlich größere Aufwärmphase – offenbart aber mit jedem Durchlauf neue Details, wird mit jeder Rotation stärker und lässt immer neue (dunkel schimmernde) Glanzpunkte entdecken!

Wer die orientalisch eingefärbten Riffs und rituellen Backings im bereits vorab als Single ausgekoppelten „War“ mochte, der wird von „The Manifest“ erst recht in den Bann gezogen werden. Das Stück klingt wie ein Bastard aus Melechesh, Absu und Forgotten Horror. Der abgedreht swingende Mittelteil bläst der Sphinx auch noch den Rest vom Kopf weg!

Ghost Of Mind“ fräst sich mit deutlicher Death-Kante progressiv-vertrackt nach vorne und begeistert mit seinem geilen, ausgedehnten Solo-Teil im letzten Drittel. Auch Obscura oder Origin könnte man hier als Paten ausmachen.

Außergewöhnlich ist auch das sehr melodiös beginnende „Lost Promises“, das man sich im weiteren, thrashig-aggressiven Verlauf auch extrem gut mit Mille am Gesang vorstellen könnte. Betrayal meets Kreator? Funktioniert!

In der zweiten Albumhälfte spielt die Band verstärkt mit der Dynamik und baut auf etliche überraschende Momente, wie z. B. der Akustikgitarren-Break mit anschließendem Blast-Inferno im verrückten „Insanity“, dem stimmungsvollen Reprise des epischen Titelsongs in „Chaos Reigns“ oder das feine Bass-Outro (gibt’s viel zu selten!) im teils mit schleppendem Tempo kriechenden „Dooming Diversions“.

Nicht nur für „Devouring Nothingness“ mit seinen gut sitzenden Hooks („Nowhere To Hide!“) haben sie die Messer dann noch mal heftig über den Schleifstein gezogen – auch das abschließende „Greed And Oblivion“ weckt nochmals Parallelen zu bösartigen Gräueltaten von Bands wie Behemoth, Necrophagist oder Vital Remains.

Regional spielen die Jungs ohnehin in einer eigenen Liga – jetzt ist die Zeit gekommen, sich mit den Großen zu messen! (mk) 


Bewertung: 14/15 Punkte
Genre: Blackened (Tech) Death
Herkunft: Deutschland
Label: Rising Nemesis Records
Veröffentlichungsdatum: 16.04.2021
Homepage: www.Betrayal.eu

Tracklist

  1. Ignite
  2. Rise
  3. War
  4. Ghost Of Mind
  5. The Manifest
  6. Lost Promises
  7. Disorder Remains
  8. Chaos Reigns
  9. Devouring Nothingness
  10. Dooming Diversions
  11. Insanity
  12. Greed And Oblivion


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