Symphony X | Vorbands: Myrath, Melted Space

Verfasst am 09. März 2016 von Michael Klein (Kategorie: Konzert-Rezensionen) — 1.018 views

08.03.2016 – Colos-Saal, Aschaffenburg

Wenn der Colos-Saal an einem Dienstagabend richtig gut besucht ist, dann muss es eine besondere Veranstaltung sein, die die Leute anlockt. In diesem Fall laden die (nicht oft in Deutschland tourenden) Symphony X zu ihrer „Underworld“-Tour ein! Ein nicht unerheblicher Grund für den guten Publikumsandrang dürften die beiden hochkarätigen Vorbands, Myrath und Melted Space, dazu beitragen.

Doch bevor der Abend musikalisch seinen Lauf nahm, warfen wir noch einen kleinen Blick ins neue Sidekick, aßen einen kleinen Happen und kamen zum Schluss, dass die neue Spelunke die perfekte Ergänzung zum Saal nebenan darstellt. Ideal um wahlweise den kleinen Hunger vor dem Konzert zu bekämpfen oder für Energiereserven zu sorgen. Lecker!

20160308_202603Punkt 8 ging es dann los mit Melted Space – an diesem Abend eher „wenig Space… on Stage“, denn in voller Bandbesetzung (inkl. drei SängerInnen) wurde der Platz auf der Bühne recht knapp. Gestört hat es die Franzosen jedoch nicht – sie haben den Spielraum, der ihnen zur Verfügung stand, so weit wie möglich ausgenutzt und eine bewegungsfreudige Performance auf die Bretter gelegt. Die drei Stimm-Verantwortlichen haben sich die Einsätze schick zugespielt und toll interagiert. Einziger Nachteil: Die Songs sind sehr sehr vielschichtig und opulent arrangiert. Vielleicht sogar ein wenig zu überladen. Jedenfalls sind etliche Details und Melodien im (von Schlagzeug und Bass dominierten) Sound untergegangen. Dass am Ende des Abends der Merch-Stand der Band sehr gut besucht war, beweist aber, dass die Franzosen im Grunde alles richtig gemacht haben.

Die Gelegenheit, Myrath live zu sehen bekommt man nicht oft. Deshalb habe ich mich als langjähriger Fan der Band auch mehr auf die Tunesier gefreut als auf den Headliner selbst. In einer (viel zu knapp bemessenen) Spielzeit von einer halben Stunde gab es einen Schwung neue Stücke (vom frisch erschienenen, großartigen Album „Legacy“) sowie ein paar Klassiker („Merciless Times“!) zu hören.

Zaher Zorgati singt dabei live beinahe noch besser als auf Platte, Drummer Morgan Berthet und Bassist Anis Jouini peitschen die riffgeladenen Stücke gut nach vorne und verdeutlichen eindrucksvoll, dass Myrath einfach die perfekteste Vorband für Symphony X darstellen. Nicht zuletzt, weil der Sound der Band eben an jene Vorbilder erinnert. Doch das Plus an orientalischen Elementen sorgt für den besonderen Wiedererkennungswert! Eine der besten Prog-Metal-Bands, die ich kenne!

20160308_221759Mit „Nevermore“, „Underworld“ und „Kiss Of Fire“ in den Set einzusteigen ist geschickt. So bleibt den Fans gar keine Zeit darüber nachzudenken, ob die Amis an die Vorlage der Tunesier herankommen. Tun sie natürlich, aber ich muss ehrlich gestehen, dass ich Symphony X schon besser gesehen habe, als an diesem Abend. Russel Allen wirkt anfangs merkwürdig distanziert,  der Rest der Truppe etwas müde. Doch nach und nach lockert sich der erste Eindruck und die Band ackert sich durch das komplette neue Album, dessen Stücke live einen Ticken besser funktionieren als auf CD.

Zwischenzeitlich frage ich mich ernsthaft, ob Michael Romeo überhaupt Gitarre spielt, oder ob ihn irgendein Gitarrengeist als Medium gewählt hat um sich durch ihn auszudrücken. Die Eleganz und Leichtfüßigkeit, mit der der kleine Gitarrist über das Griffbrett fliegt, permanent Licks, Soli und Co. integriert und nebenbei wahrscheinlich noch locker ein Wurstbrötchen essen könnte, ist mehr als beeindruckend!

Mit „Swansong“ wird der große „Underworld“-Block beendet („nur „Legend“ rutscht in den Zugabenblock) und es folgen eine handvoll Klassiker, die meinem Gefühl nach etwas mehr abgefeiert werden als das neue Material. Geht es also noch mehr Leuten so wie mir, die finden, dass Symphony X zuletzt auf hohem Niveau stagniert haben?

Zwar geht die Band nicht auf den Zuschauerwunsch ein, „The Odyssey“ zu spielen (haha!), entlässt die Meute aber mit „Set The World On Fire (The Lie Of Lies)“ und „Legend“ in die Nacht. Passt! Wie eigentlich alles an diesem Abend! Danke und bis zum nächsten Mal! (mk)

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