Threshold | Vorbands: Cryptex, Enochian Theory

Verfasst am 15. März 2013 von Michael Klein (Kategorie: Konzert-Rezensionen) — 1.697 views

13.03.2013 – Colos-Saal, Aschaffenburg

Während es draußen vor der Türe bitterkalt ist, versuchen die Hannoveraner von Cryptex den etwa 400 angereisten Besuchern im Inneren derweil einzuheizen. Das Publikum schien jedoch noch etwas steifgefroren zu sein, denn trotz der vielen Animationsversuche des Cryptex AschaffenburgSängers (und Multiinstrumentalisten) Simon Moskon will es nicht so recht in Fahrt kommen. An der Musik kann dies jedoch sicher nicht liegen. Die kunterbunte Show des Trios pendelt wild zwischen rockiger Zirkus-Revue mit Queen-Anleihen, Heavy-Metal-Jahrmarkt und dampfendem Progressive und weiß definitiv zu begeistern. So hat die Truppe bei ihrem erneuten Gastspiel im Colos-Saal mit Sicherheit am Ende dann doch einige neue Fans dazugewonnen. Zu Recht!

Enochian Theory AschaffenburgEnochian Theory können einem heute nur leid tun. Beim ersten Song ist der Sound noch unausgewogen, ab dem zweiten kommen dann noch massive technische Probleme dazu. Zuerst fällt der Bass komplett aus, dann spinnt das Mikrofon mehrere Songs lang, bis es schließlich ganz seinen Geist aufgibt. Erstaunlich, welche Ruhe Frontmann Ben Harris-Hayes dabei noch bewahrt. Andere hätten hier schon längst stinkwütend die Bühne verlassen. Der schlaksige Fixpunkt der Band schüttelt zwar permanent den hochroten Kopf, zieht aber souverän (zumindest soweit es möglich ist) die geplante Show durch. Dem Publikum entgehen solche offensichtlichen Probleme natürlich nicht – es reagiert mit Verständnis und Szenenapplaus, wenn für einen kurzen Moment mal wieder alle drei Musiker mitsamt Instrumenten zu hören sind. Ohne die Schwierigkeiten wäre wahrscheinlich aber noch deutlich mehr gegangen, denn der irgendwo zwischen Porcupine Tree und Riverside liegende atmosphärische Prog des Trios passte sehr gut ins Vorprogramm. Einzig die vielen Einspielungen vom Band stören ein wenig. Ein zweiter Gitarrist würde im Live-Tun der Briten Wunder wirken.

Threshold AschaffenburgMit dem bärenstarken, neuen Album „March Of Progress“ im Gepäck konnten Threshold die Zuschauerzahlen im Vergleich zur letzten Tour noch einmal deutlich steigern. Folgerichtig steht die aktuelle Sternstunde auch klar im Fokus des Programms. 50 % der Setlist bestehen aus Stücken der frischen Scheibe, die im bis zum Schluss beibehaltenen Wechsel neuer Song/älterer Song vorgestellt wird. Alt-Fans kommen zumindest mit „Part Of The Chaos“ und „Angels“ auf ihre Kosten. Die vielen überschwänglichen Reaktionen und hervorragenden Kritiken scheinen dem Sextett einen Energieschub verpasst zu haben. So gut aufgelegt und spielfreudig habe ich die Band bisher nämlich noch nie gesehen. Die Musiker sind heiß – das sieht man in jeder Sekunde. Sie sind ständig in Bewegung, spielen sich gegenseitig an und feixen miteinander. Diese gute Stimmung geht schnell aufs Publikum über. Kräftiger Applaus und Anfeuerungen zwischen den Songs sind die Regel. Dazu kommt eine hervorragende Songauswahl – und fertig ist der perfekte Prog-Abend. Besonders in Erinnerung geblieben sind das monumentale „The Rubicon“, das als Zugabe gespielte „Slipstream“ und das coole „Staring At The Sun“. Als nach ca. 90 Minuten Schluss ist, unternimmt der überglückliche Damian Wilson (der heute einmal mehr unter Beweis gestellt hat, dass er zu den Allerbesten seines Fachs gehört) noch ein paar Stagedive-Versuche, ehe er Fan-nah wie man es von ihm kennt, schließlich direkt von der Bühne in die Menge abtaucht, um Foto- und Autogrammwünsche zu erfüllen. (mk)

Setlist Threshold:

  • Mission Profile
  • Don’t Look Down
  • Hollow
  • Coda
  • Part Of The Chaos
  • Colophon
  • Pilot In The Sky Of Dreams
  • Ashes
  • Angels
  • Staring At The Sun
  • Long Way Home
  • The Rubicon

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  • Light And Space
  • Slipstream

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