Maiden United

Verfasst am 21. Dezember 2012 von Michael Klein (Kategorie: Interviews) — 2.264 views

Im Namen von…

Band-Tributes und Cover-Alben sind so eine Sache. Zumeist sind die Originale ohnehin unerreicht und können nicht getoppt werden. Das gilt vor allem wenn es bei den Ehrenempfängern um Iron Maiden geht. Songs wie „The Trooper“ oder „2 Minutes To Midnight“ sind einfach zeitlose Klassiker an denen man sich besser nicht vergreifen sollte.
Dass ein solches Unterfangen aber auch hervorragend funktionieren kann, beweisen Maiden United – die holländisch-britische Formation hat sich bei ihrem Debüt „Mind The Acoustic Pieces“ gleich dem kompletten Maiden-Werk „Piece Of Mind“ angenommen und vor kurzem mit ihrem Zweitling „Across The Seventh Sea“ gleich noch ein paar Highlights der ersten Iron-Dekade nachgelegt. Warum es bei ihnen klappt und bei vielen anderen nicht? Nun – zum Ersten, weil Maiden United alle Stücke in liebevoll umarrangierten Akustik-Versionen spielen und zweitens, weil die fünf Initiatoren auch gleichzeitig Fans sind, die sich über eine schlechte Version selbst geärgert hätten.

Vor der allerersten deutschen Club-Show standen uns Gitarrist Ruud Jolie (auch bekannt von Within Temptation) und Bassist Joey Bruers für ein kleines Interview zur Verfügung.

Metal-Aschaffenburg: Hallo Ruud, hallo Joey! Danke dafür, dass ihr euch ein bisschen Zeit für uns nehmt! Eure Tour geht ja schon langsam zu Ende. Wie hat euch eure Europa-Rundreise bis jetzt gefallen?

Ruud: Sehr gut! Wir haben ja wirklich schon einige Gigs absolviert. Heute sind wir das erste Mal in Deutschland. Also ich meine – das erste Mal in einem deutschen Club. Wir haben ja letztes Jahr schon mal in Wacken gespielt. (lacht)

Welche Erwartungen habt ihr denn an das Publikum in Deutschland?

Ruud: Wir haben nie große Erwartungen. Ich versuche immer nur Spaß zu haben. Wir alle versuchen auf der Bühne Spaß zu haben.

Ohne Spaß an der Musik macht so eine Tour doch auch gar keinen Sinn, oder?

Ruud: Doch! Wenn man dabei Unmengen an Geld verdient! (alle lachen)

Aber eine Show in der Türkei ist doch bestimmt ein bisschen anders als eine in Holland, oder?

Joey: Ja. Die Reaktionen sind sehr unterschiedlich. In Holland spielen wir ja sehr oft. Wenn man dann seine Setlist vor sich hat, kann man schon ein bisschen erahnen, wann genau welche Reaktion folgen wird. Also: Wann die Leute mitsingen, wann sie klatschen usw.
Als wir in der Türkei spielten hat das Publikum an total anderen Stellen mitgesungen, als man dachte. Das war sehr unterhaltsam. (lacht)

Ruud: Ja – das war schon sehr interessant. Manchmal bin ich dabei sogar fast aus dem Takt gekommen, haha. Meine Theorie ist ja, dass je nördlicher das Publikum ist, desto verhaltener sind die Reaktionen – je südlicher, desto enthusiastischer.

Bei eurem Debüt „Mind The Acoustic Pieces” habt ihr das komplette „Piece Of Mind“ von Iron Maiden neu arrangiert. Euer neues Album „Across The Seventh Sea“ ist hingegen eine Zusammenstellung von Stücken der ersten Maiden-Dekade. Warum habt ihr denn eure Herangehensweise geändert?

Joey: Als wir mit Maiden United anfingen gab es noch nicht mal das Ziel, ein Album zu machen. Wir wollten zuerst eigentlich nur ein paar Shows spielen und sonst nichts. Nun… es kam anders als erwartet. Der Impuls kam vom Publikum, das ständig forderte: „Nehmt doch ein Album auf!“…

Ruud: Wir sagten dann immer: Fuck off! Aber sie hörten nicht auf. (alle lachen)

Joey: Tja. Hier sitzen wir nun. „Mind The Acoustic Pieces“ ist ja nur eine dreiviertel Stunde lang – das ist etwas wenig für Live-Shows. Deshalb hatten wir von Anfang an noch weitere Nummern im Programm, von denen nun die meisten auf unserem zweiten Album gelandet sind.

Gab es denn Songs, die sich partout nicht umarrangieren ließen?

Ruud: Ja. „Prophecy“ ist so ein Stück. Das hat einfach nicht funktioniert. Das interessante ist ja bei unseren Versionen, dass manche Leute ganz überrascht sagen: Wow! Was ist das denn für ein cooler Song? Das ist ein großes Kompliment an die Songwriter von Maiden.

Und ein Kompliment an euch, weil die Umsetzungen wirklich klasse sind.

Ruud & Joey (gleichzeitig und geschmeichelt): Danke!

Habt ihr denn schon Leute getroffen, die eure Versionen besser finden als die Originale?

Ruud: Ja – meine Mutter (alle lachen)

Joey: Ja, das ist ja das Coole an diesem Projekt. Du musst kein Maiden-Fan sein, um unsere Versionen zu mögen.

Genau darauf wollte ich hinaus. Maiden United sprechen ja nicht nur Maiden-Fans an, sondern noch viele andere Musik-Hörer.

Joey: Ja – das ist natürlich eine schöne Sache.

Steve Harris kennt und mag eure Interpretationen. Wisst ihr denn, was die anderen Irons davon halten?

Joey: Also, was wir wissen, ist, dass sie die Alben erhalten haben. Reaktionen haben wir aber bisher noch nicht bekommen – was aber für uns nicht weiter schlimm ist. Tja.

Das ist ja nicht unbedingt negativ. Sie haben sie zumindest nicht zurückgeschickt… (alle lachen)

Ruud: Naja – vielleicht nehmen sie sie als Bierdeckel (lachen)

Joey: Wobei wir uns natürlich über eine Reaktion freuen würden.

Ruud: Es wäre ja auch irgendwie arrogant wenn wir sagen würden: Och, nöö. Lasst mal eure Meinung stecken.

Habt ihr schon einmal einen Song, der nicht von Iron Maiden ist neu arrangiert? Zum Beispiel eine Dickinson-Solo-Nummer?

Ruud: Nein. Das wird auch nicht in Frage kommen. Wir haben als ultimativer Maiden-Tribute begonnen und werden auch weiter nur Maiden-Songs covern.

Dann lasst mich raten: Das nächste Album wird das komplette „The X Factor“ sein. (alle schmunzeln)

Ruud: Welches nächste Album denn? (grinst)

Ich weiß nicht. Gibt es denn schon weitere Pläne für Maiden United?

Ruud: Klar gibt es schon Pläne – aber noch nichts Konkretes. Wir reden viel über die Zukunft, sind aber bei unseren anderen Bands (Sänger Damian Wilson steht auch in Diensten von Threshold und Headspace; Ruud Jolie und Drummer Mike Coolen spielen bei Within Temptation; Keyboarder Marco Kuypers kommt von Cloudmachine – Anm. d. Red.) auch sehr eingespannt.

Joey: Sagen wir so: „Across The Seventh Sea“ war nicht das letzte Album. Es wird definitiv ein weiteres geben. Möglicherweise wird das aber komplett anders.

Das klingt ja spannend!

Meine letzte Frage: Wie oft habt ihr eigentlich Iron Maiden live gesehen?

Joey: Oh! Gut, dass du fragst. Das wollte ich eh schon mal nachzählen. Also, unser erstes Maiden-Konzert war 1989. Wir waren damals 12 und Maiden spielten bei uns in der Stadt. Wir waren damals Nachbarn – ohne uns zu kennen – und konnten das Konzert vom Wohnzimmerfenster aus hören. Danach… (beide beginnen angestrengt zu zählen)…

Ruud (nach ca. zwei Minuten): Hmmm. Also bei mir müssen es so ca. 10- bis 15-mal gewesen sein.

Joey (hat aufgegeben zu zählen): Bei mir schätzungsweise 20.

Ruud (aufgeregt): Ich habe die Festivals vergessen!

Joey (schlägt die Hände über dem Kopf zusammen): Oh je, stimmt! Um eine Antwort zu geben: Zahllos oft (lacht).

Vielen Dank für das Interview!

(mk)

www.MaidenUnited.com

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