Lazuli

Verfasst am 21. Februar 2012 von Michael Klein (Kategorie: Interviews) — 1.862 views

Farbvariationen

Das letzte Interview mit den fantastischen französischen Proggern Lazuli liegt zwar gerade erst wenige Monate zurück – doch wenn die Band schon einmal in heimischen Gefilden gastiert, wollen wir es uns nicht nehmen lassen, der Truppe noch einige Fragen zu stellen.
Kurz vor dem Konzert nahmen sich alle (!) Musiker ein bisschen Zeit, um sich mit Redakteur Tim zu unterhalten – was nicht nur wegen sprachlicher Barrieren (Franzosen und Englisch…) zu einer spaßigen Angelegenheit wurde. Nein: Die Jungs sind allesamt witzig, unglaublich nett und sehr sympathisch!

Metal-Aschaffenburg: Hi! Wenn ich richtig gezählt habe, ist es heute das fünfte Mal, dass ihr im Colos-Saal spielt. Metal-Aschaffenburg gratuliert rechtherzlich zu diesem Jubiläum! Leider spreche ich immer noch kein Französisch…
Aber ich fürchte, ich bin da nicht der Einzige. Stört es euch eigentlich, dass viele Fans eurer Musik gar nicht wissen, über was ihr singt?

Dominique Leonetti (Gesang, 12-saitige Gitarre): Am Anfang war es schon ein Problem für mich – bis zu einem Tag, an dem nach einer Show in Mexiko ein Fan auf mich zukam und sagte: „Ich verstehe kein Wort von dem, was ihr singt, aber mein Herz versteht alles.“ Seit diesem Tag stört mich das nicht mehr.

Ja. Emotionen bedürfen keiner bestimmten Sprache. Und Musik kann Emotionen eben perfekt transportieren.
Ein typischer Lazuli-Song ist voller Emotionen, Einzelheiten und Details. Hast du diese beim Songwriting bereits vor deinem inneren Auge oder entstehen die Songs prinzipiell Stück für Stück?

Dominique Leonetti: Ich habe zu Beginn oft eine grobe Vorstellung, aber durch den Input der Jungs verändert sich diese…

Vincent Barnavol (Schlagzeug, Percussion): zum Beispiel wenn ich dazu Doublebass spiele… (alle lachen)

Dominique Leonetti: Ja genau – durch die verschiedenen Beiträge ergibt sich zum Schluss oft etwas ganz anderes.

Du weißt also am Anfang noch nicht genau, was zum Schluss daraus wird.

Dominique Leonetti: Nein, definitiv nicht… (sucht nach Worten)

Romain Thorel (Keyboard, Waldhorn): Du merkst: Domi liebt es, Englisch zu sprechen… (alle lachen)

Dominique Leonetti: Ja. Ich meine, es ist so auch spannender als bereits im Voraus das Ergebnis zu kennen.

Vincent Barnavol: Genau, so kann man mit allen musikalischen Mitteln arbeiten und unterliegt keiner Einschränkung.

Habt ihr jemals versucht vorsätzlich etwas anderes auszuprobieren/mit Absicht etwas Lazuli-untypisches zu erschaffen?

(ganz viel französische Diskussion am Tisch…)

Romain Thorel: Wir wollen Beyonce covern… (allgemeines lachen…)

Nicht lieber Whitney Houston? „And I will…“

Claude Leonetti (Léode): Aber dann in Französisch! (alle lachen)

Romain Thorel: Domis Stimme passt doch dazu ganz gut, oder? (Domi beginnt „I Will Always Love You“ in Französisch zu intonieren und bringt alle zum lachen)

Vincent Barnavol: Nein. Im Ernst: Die Farben von Lazuli entstehen durch die Nuancen der fünf Musiker.

Dominique Leonetti: Und wir versuchen dabei nicht zu viel mit dem Kopf zu arbeiten, sondern mehr mit dem Herzen.

Romain Thorel: Und versuchen bei aller Mischung auch immer den „Lazuli-Sound“ zu respektieren und beizubehalten.

Dominique Leonetti: Wobei man mit dem Text schnell auch eine musikalische Richtung vorgeben kann. „Les Malveillants“ ist beispielsweise sehr düster und sogar ein bisschen Metal-lastig ausgefallen, weil der Text ebenfalls sehr düster ist.

Habt ihr je mit dem Gedanken gespielt in einer anderen Sprache als Französisch zu singen?

Vincent Barnavol: Ich glaube, der Akzent wäre sehr unterhaltsam… (alle lachen)

Ich denke da nicht einmal an eine bestimmt Sprache. Eure Landsmänner von Alcest singen z. B. teilweise in einer Fantasiesprache…

Dominique Leonetti: Es gibt auch die französische Band Magma – diese machen das auch so. (Diese Band hat das Genre des Zeuhl geründet und viele Texte in der Kunstsprache Kobaïanisch gesungen – Anm. d. Verf.). Für mich sind die Texte jedoch so wichtig, dass ich mir das eher weniger vorstellen kann.

Vincent Barnavol: Domi verwendet auch viele Metaphern, Klang- und Wortspiele, die in einer anderen Sprache so gar nicht funktionieren würden. Letzten Endes würden Lazuli dann wahrscheinlich auch gar nicht mehr nach Lazuli klingen.

Das stimmt wohl. Vielen Dank für das Interview!

(mk)

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