Agathodaimon

Verfasst am 29. August 2013 von Michael Klein (Kategorie: Interviews) — 1.479 views

Blauer Dämon

Mit dem jüngst erschienenen Album „In Darkness“ haben die Jungs aus Mainz erneut bewiesen, dass sie zum Besten gehören, was die dunkle Metalszene in Deutschland zu bieten hat.
Wir unterhielten uns mit Gitarrist Sathonys.

Metal-Aschaffenburg: Hallo und herzlichen Dank für die Zeit, die ihr euch für das kleine Interview nehmt! Wobei stören wir euch gerade?

Sathonys: Wir haben gestern endlich den ersten Video-Clip für „In Darkness“ veröffentlicht, zum Song „I’ve Risen“. Das war gewissermaßen eine Fingerübung für kommende Projekte; ein zweites Video ist in Planung, dass diesmal etwas aufwändiger ausfallen soll. Ansonsten versuchen wir gerade, verstärkt am Livesektor zu arbeiten und Gigs zu arrangieren.

Wie zufrieden seid ihr bis jetzt mit den Reaktionen zu „In Darkness“?

Ehrlich gesagt, ich bin nicht wirklich zufrieden. Wenn ich mir manche Reviews durchlese, habe ich das Gefühl, dass der Rezensent den Kern bzw. die Essenz des Albums völlig außen vor lässt und von einem ganz anderen Blickwinkel betrachtet, der aus unserer Sicht irrelevant ist. Teilweise widersprechen sich die Kritiken auch stark – einem ist die Scheibe zu langsam und zu melodiebetont, eine andere Kritik las sich aber wiederum so, dass jeder Anflug von Melodie vom Geknüppel gleich wieder weggefegt wird. Nun, Musik ist natürlich immer Geschmackssache, aber wir waren selten so zufrieden mit einem Album. Die Reaktion seitens der Fans war wiederum sehr gut, was uns dann doch beruhigt. Aber wenn man Zeit und Energie in Musik investiert, und dann das Gefühl hat, dass einige Rezensenten oberflächlichen Murks schreiben… da könnte ich mich immer wieder aufs Neue aufregen. Wir begrüßen objektive Kritik, aber ich bin über einige Kritiken gestolpert, bei denen ich nur den Kopf schütteln kann und mich frage, ob da vielleicht eine andere Scheibe gehört wurde…

Agathodaimon_InDarkness_CoverWie weit stimmt ihr mir zu wenn ich sage, dass der Vorgänger „Phoenix“ zwar abwechslungsreicher, „In Darkness“ aber homogener, kompakter und traditioneller klingt?

Hm, eigentlich würde ich zustimmen. Allerdings haben wir auch auf „In Darkness“ ein breites Spektrum. Dadurch allerdings, dass die letzte Scheibe einige Songs mehr enthielt, ist natürlich insgesamt auch ein breiteres Bild möglich. Dennoch ist es durchaus korrekt, dass „In Darkness“ traditioneller ausfallen sollte. Es war ja eine bewusste Rückbesinnung zu den Wurzeln. Ebenso wollten wir einige Stilelemente über Bord werfen, die mit „Serpent’s Embrace“ aufkamen und mit „Phoenix“ noch verstärkt wurden. Beispielsweise die Art und Weise, wie synthetische Sounds eingesetzt wurden. „In Darkness“ ist organischer in seiner Gesamtheit, und wir haben auch bspw. eine Violine eingesetzt, um besser auf künstliche Streicher verzichten zu können.

Mit welchen Absichten habt ihr begonnen an „In Darkness“ zu arbeiten? Gab es eine Direktive, ein übergeordnetes Ziel?

Ja, wie bereits angerissen, es sollte bewusst „Back to the roots“ gehen. Wir hatten rückblickend das Gefühl, dass „Phoenix“ so weit von unseren Ursprüngen entfernt war, wie es möglich zu sein scheint. Das wurde uns bei den Arbeiten zum Nachfolger bewusst, weshalb es letztendlich ja auch wieder einen Besetzungswechsel gab und wir quasi wieder von vorne anfingen. Es gibt einige Kernaspekte in unserer Musik, die wir zu sehr aus den Augen verloren, und „In Darkness“ ist gewissermaßen eine Kurskorrektor und Entschlackungskur gleichermaßen. Vielleicht ist es auch nur ein weiterer Schritt zu etwas Extremeren. Mal sehen…

Drei Alben lang verwendeten Agathodaimon das alte Logo und verfolgten einen eher old-schooligen Ansatz. Danach folgten drei Alben mit neuem Logo und „modernerem“ Ansatz. Bin ich der einzige, der darin zwei Zyklen sieht, die einst mit „Chapter III“ und jüngst mit „In Darkness“ ihr jeweiliges Ende fanden?
Was erwartet uns in der Zukunft? Ein neuer Agathodaimon-Zyklus?

Nein, eigentlich würde ich das nicht so sehen – „Chapter III“ und „Serpent’s Embrace“ stehen sich beispielsweise sehr nahe; und der Wechsel des Logos hatte eher ästhetische Gründe. Das erste Logo war von Hand gezeichnet und stammt aus den absoluten Anfangstagen der Band; wir wollten einfach eine etwas solidere Variante. Einen neuen Zyklus würde ich also nicht erwarten, da wir nicht in solchen Kategorien planen. Jedes Album stellt einen eigenen Entwicklungsschritt dar, der wiederum auch stark von außen beeinflusst werden kann. Derzeit sieht es so aus, als würden wir die Linie von „In Darkness“ fortführen und die nächste Platte eher noch extremer werden, aber man weiß nie was passiert…

Agathodaimon-blueGibt es eigentlich immer noch böse Stimmen, die euch den (angeblichen) Stilbruch, den ihr mit „Serpent’s Embrace“ begangen haben sollt, übel nehmen?

Hmmm… ich würde den Stilbruch eigentlich zwischen dem ersten und dem zweiten Album sehen, also „Blacken The Angel“ und „Higher Art Of Rebellion“. Beiden Alben könnten von unterschiedlichen Bands sein. „Chapter III“ war der Schulterschluss zwischen beiden, wir versuchten hier, beide Welten zu konsolidieren. Und „Serpent’s Embrace“ war die Weiterentwicklung dessen. Insofern kann ich aus unserer Perspektive diesen Vorwurf nicht ganz nachvollziehen. Zumal wir mit „In Darkness“ ja wieder einen imaginären Schritt vor „Serpent’s Embrace“ gesetzt haben. Leute, welche die von Dir genannte Sichtweise besäßen, sollten also mal ins Album reinhören.

Dass euch die Genregrenzen des Black Metal schnell zu eng waren, konnte man schon früh erkennen. Selbst jetzt noch erweitert ihr den Agathodaimon-Kosmos stetig um neue Elemente. So z. B. um rumänischen Gesang. Wie entstehen bei euch solche Ideen? Gibt es bei Agathodaimon auch einen Einfluss von außerhalb der Band?

Ich denke, das kann niemand ausschließen – allerdings handelt es sich dabei nicht um reelle Personen, die sagen, wir sollten dies und das tun. Aber äußere Einflüsse bestimmen natürlich viele Dinge, die wir erleben, Lebenssituationen oder -Abschnitte… man ist in stetem Wandel, auch wenn man sich dessen nicht bewusst ist. Wenn man allein bedenkt, dass jede Zelle im Körper innerhalb von sieben Jahren komplett erneuert ist, dann müsste man schon bewusst einen gewissen Stil konservieren wollen, um ihn konstant zu halten. Änderung, Evolution macht doch unser Leben aus. Was allerdings rumänischen Gesang angeht, der gehörte schon immer zur Band; unser erster Sänger Vlad war Rumäne. So hatten wir bereits zu Demozeiten rumänische Texte; und einige rumänische Dichter wie Eminescu oder Bacovia haben schon immer zu unseren Einflüssen gehört.

Wann lasst ihr euch eigentlich mal in Aschaffenburg blicken?

Sobald uns mal jemand ein akzeptables Angebot unterbreitet, dort zu spielen! Es ist nun mal nicht so, dass wir eine spontane Eingebung haben, da und dort mal wieder zu spielen, den örtlichen Veranstalter anrufen und sagen „Hey, mach mal“. Das läuft ein wenig anders. Aber wir verhandeln gerade mit einer Booking Agentur, um auf dem Livesektor wieder präsenter zu sein. Als Kontrollfreak habe ich zwar immer gern alle Fäden in der Hand, aber der Tag hat nunmal nach wie vor nur 24 Stunden, und ich würde gern vermeiden, dass es wieder so lange dauert, bis wir einen Nachfolger zu „In Darkness“ veröffentlichen.

Vielen Dank für das Interview!

Danke gleichfalls! Schaut mal auf unserer Webseite vorbei, wir freuen uns auch immer über Resonanz, bspw. über www.Facebook.com/Agathodaimon!

(mk)

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