Schweifende Geister und Homer Simpson

Verfasst am 26. August 2011 von Michael Klein (Kategorie: Interviews) — 1.439 views

Elderstream über Ihr Debüt-Album

Wer die Aschaffenburger Band Elderstream nur von der 2007er Demo-EP „Look Where We Are“ her kennt, wird überrascht sein, wie sich die Band seitdem verändert hat.

Mit „Let Your Spirit Soar“ liegt nun nämlich das Full-Length-Debüt der Truppe vor – und gefällt durch eine spannende Kurskorrektur: Weniger melodischer „Emocore“, mehr Indie und Progressive Rock. Eine ganz natürliche Entwicklung, wie uns Sänger/Gitarrist Philipp erklärt.

Metal Aschaffenburg: Hi Philipp, wenn ich mir zuerst eure EP „Look Where We Are“ und danach das neue Werk „Let Your Spirit Soar“ anhöre, fällt natürlich sofort die Wandlung auf, die der Sound von Elderstream durchlaufen hat. Wie würdest du diese Metamorphose beschreiben?

Philipp: Wir sind zum einen ein Stück älter und auch reifer geworden, außerdem sind unsere musikalischen Fähigkeiten, als auch das Producing an sich auf einem höheren Level als noch vor ein paar Jahren. Wir wollten außerdem einen neuen, frischen und eigenen Sound kreieren, den wir noch in Jahren gut finden werden. Moshparts und Shouts waren damals in diesem Genre noch nicht so ausgelutscht wie heute. Das ganze zeitloser klingen zu lassen war uns deswegen sehr wichtig! Ach ja – und wenn ich schon auf Genre zu sprechen komme: gerade die Tatsache, dass wir wohl nicht mehr wirklich einem Genre zugeordnet werden können, gefällt uns sehr gut.

Wie ist denn „Let Your Spirit Soar“ entstanden?

Wir haben die Platte in den Ghost City Studios bei Nürnberg von Jan Kescher aufnehmen lassen. Es war unglaublich, wie professionell und zugleich persönlich Jan mit uns zusammen gearbeitet hat. Er war in diesem Moment sozusagen das fünfte Bandmitglied. Die Songs standen zwar schon im Voraus, aber mit Jans Erfahrung wurden die Stücke noch mal auf ein höheres Level katapultiert.

Du hast ja schon angesprochen, dass ihr für u.a. die Zielsetzung hattet, euren Sound bewusst zu verändern…

Ja, Unsere Zielsetzung war es vor allem, eine Platte aufzunehmen, die vielseitiger und eigenständiger ist als vieles andere. Wir sind diese Szenen- und Genrezugehörigkeit einfach leid. Wir selbst hören alle unterschiedliche Musik von Pantera bis zu den Hives. Gerade deutsche Bands neigen dazu, wie eine schlechte Kopie einer bekannteren Band zu klingen, weil sie meinen, keinen Erfolg zu haben, wenn sie etwas Eigenes machen.

Habt ihr denn euren Wunsch-Sound nun gefunden und werdet weiter in diese Richtung gehen oder wird man mit weiteren Änderungen rechnen können? Gemäß dem Motto eines Songs des Albums: „We Walk Astray But Straight Ahead“?

Der Sound gefällt uns sehr gut! Es kann aber sein, dass es doch noch mal ganz anders wird! Aber das wird wohl so kommen, wie es halt kommt! Es muss ja auch spannend bleiben!

Welche Idee steckt denn hinter dem kurios anmutenden Cover? Ich meine: ein Adler, Planeten, Eine Motte, eine schleimige Pyramide, ein Regenbogen und eine halbnackte Frau – kommt das dabei heraus, wenn man „seinen Geist schweifen lässt“?

Das Cover ist vom Aschaffenburger Künstler Think Tank alias Max Löffler. Wir haben damals die Idee zu diesem Cover bekommen, als wir mal wieder über einen Simpsons-Joke lachten: Die bekannte Szene, als Homer auf einem Hippie-Graffiti seinen zweiten Namen kennen lernt (Homer J(ay) Simpson). Diese Ironie des Lebens hat uns sehr zugesagt, woraufhin wir uns für ein abgewandeltes Remake dieses Graffiti entschieden. „Let Your Spirit Soar“ ist übrigens der Spruch, den man auf diesem Graffiti lesen kann.

Habt ihr vor das Album auf einer Tour oder in anderer Form zu promoten?

Wir machen in Kürze ein Musikvideo zu dem Song „Only A Man“. Außerdem stehen mehrere Konzerte ab Oktober an. Unter anderem werden wir in Aschaffenburg zusammen mit The Intersphere im Colos-Saal spielen. (Und zwar am: 20.01.2012(mk))

Auch wenn ich jetzt nicht unbedingt ein Insider bin: Ich habe das Gefühl, dass die Hardcore-Szene in Aschaffenburg in letzter Zeit ziemlich geschrumpft ist. Was meint ihr? War es doch nur ein Trend? Ist das normal? Haben sich nur die Besten durchgesetzt?

Ich denke, dass die Aschaffenburger Hardcore-Szene zugleich Fluch als auch Segen war. Zum einen wurden viele Junge Leute dazu motiviert auf Konzerte zu gehen. Zum anderen wurde schlechte Musik abgefeiert und falsche Ideale verkauft. Es war doch alles ein großes Schau-Laufen ohne Platz für Kreativität und freiem Denken. Es gibt aber jetzt Hoffnung auf neue coole „Core“-Bands. Jeder macht das, worauf er Bock hat. Das gefällt mir sehr gut. Nehmen wir zum Beispiel United We Fall her: Die lassen einfach mal Pop-Punk mit einfließen. Oder The August, deren neue Platte eine Post-Rock-Platte wird.
Im Oktober machen wir eine größere Show im Jukuz. Dann wird sich zeigen, ob noch so viele Leute zu Konzerten kommen, wie vor ein paar Jahren.

Ihr habt’s gehört! Also: Support your Local Heroes!

(mk)

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