Kollektivarbeit

Verfasst am 26. März 2011 von Michael Klein (Kategorie: Interviews) — 3.138 views

Scale The Summit über ihr neues Album „The Collective

Auch wenn die junge Truppe Scale The Summit sich hierzulande noch nicht allzu häufig hat blicken lassen, so wächst der Fankreis des Prog-Quartetts seit dem Debüt „Monument“ auch in Europa unaufhörlich. Das neue Album „The Collective“ wird ganz sicher für weiteren Zuwachs sorgen – denn der rein instrumentale Prog im Stile von Cynic oder Animals As Leaders kann den Hörer wochenlang an die Kopfhörer fesseln.
www.Metal-Aschaffenburg.de sprach mit Gitarrist Chris Letchford.

Metal-Aschaffenburg: Chris, in meinen Ohren klingt „The Collective“ im positiven Sinne erwachsener und reifer als zuvor.

Chris Letchford: Vielen Dank! Da stimme ich dir absolut zu. Ich habe gehofft, dass man dies hört, denn wir werden ja tatsächlich älter, sammeln mehr Erfahrung und wachsen als Songwriter. Ich bin froh, dass wir – gemessen an den Reviews – Fortschritte machen und unsere Fans uns dies mitteilen. Ich liebe „Carving Desert Canyons“, aber auf „The Collective“ passt für mich einfach alles zusammen.

scale-summit-collective-2109Ich finde, es klingt auch „dunkler“ als der Vorgänger.

Ja, es ist eindeutig ein dunkleres Album als „Carving Desert Canyons“, was aber nicht schlecht ist. Das ist einfach so entstanden. Und die fröhlichen Elemente sind ja immer noch vorhanden, nur gechillter und Song-orientierter als zuvor. Ich bin wirklich stolz auf das Album! Als wir mit „Carving…“ fertig waren, haben wir uns echt Sorgen gemacht, ob wir das irgendwann noch besser machen können – das geht ja fast jedem Musiker so, der gerade vor vollbrachter Arbeit sitzt. Umso mehr freue ich mich, dass mit dem neuen Album der Fortschritt der Band hörbar ist – und wir sind ja immer noch sehr jung.

In der Tat. Habt ihr denn je selbst das Alpenglühen (intoniert im Stück „Alpenglow“) gesehen?

Haha – schön, dass endlich mal jemand weiß, was es eigentlich ist. Jeder fragt mich nur, was es mit dem Titel auf sich hat. Um auf die Frage zurückzukommen: Nein, das echte bis jetzt noch nicht. Aber immerhin etwas Ähnliches in den Rocky Mountains vor etwa einem Jahr.

Ich stelle mir den Prozess des Songwritings bei rein instrumentaler, so grenzenloser Musik, wie ihr sie macht, recht schwierig vor. Wie entwickelt ihr einen typischen Scale-The-Summit-Song?

Meistens beginne ich mit den Gitarrenparts und arrangiere den Song dann vom Anfang bis zum Ende durch. Wenn ich dann die Initialspuren des Songs für beide Gitarren fertig habe, gebe ich sie weiter an Jordan und Pat, die dann die Linien für Bass und Drums schreiben. Von Zeit zu Zeit wechseln wir einzelne Parts, oder erweitern, löschen und bearbeiten diese solange, bis wir 100&ig glücklich mit dem Ergebnis sind. Tipps oder Tricks kann ich leider keine geben, denn bei mir reicht es einfach aus, wenn ich mich hinsetze. Der Rest fließt einfach von alleine.
Diese Arbeitsweise funktioniert prima bei uns. Es ist jetzt schon das dritte Album, das wir auf diese Weise aufnehmen – und das völlig reibungslos.

Wie kommt ihr denn auf die einzelnen Titel der Songs? Hast du beim Songwriting bereits bestimmte Bilder im Kopf oder lässt du dir zum fertigen Stück etwas einfallen?

Wir warten damit immer, bis der Song fertig ist. Die Namensfindung ist oft zeitaufwändiger als den eigentlichen Song zu schreiben. Wir sind alle sehr pingelig wenn es um die Titel geht, denn schließlich soll er zu unser aller Gedankenbilder passen. Auf dem aktuellen Album stammen fast alle Titel von mir, da es für mich einfacher ist, das jeweilige Gefühl, das ich beim Schreiben hatte, einzufangen.
Es wäre aber auch mal spannend die Sache anders anzugehen und ein Stück zu einem bestehenden Titel zu schreiben. Vielleicht beim nächsten Album.

Ich verbinde jedes eurer bisherigen Alben – auch durch das Artwork – mit einem bestimmten Element. In „Monument“ (blauer Himmel, Wolken) sehe ich Wind. In „Carving Desert Canyons“ sehe ich Wasser – das zuvor durch die Canyons geflossen ist  – und „The Collective“ steht für die Erde. Hauptsächlich wegen der Farbe und dem erdigeren Sound der Scheibe.

Wow – ich stimme dir absolut zu! Das ist großartig! Es ist so interessant, dass manche Leute die Vibes, die wir erzeugen, wirklich verstehen können. Ich wollte das Album ursprünglich „Walk The Earth“ nennen – genau wegen des erdigen Klangs.

scale-summit-collective-2110Ein Blick auf eure Cover oder Shirt-Motive zeigt, dass euch der sichtbare Teil von Scale The Summit wichtig ist. Wer zeichnet sich für all die wundervollen Motive verantwortlich?

Ja. Das Artwork ist mir genau so wichtig, wie die Musik selbst. Wenn man das nicht selbst wichtig nimmt, wer soll es sonst tun? So gehe ich immer sicher, dass wir zu 100% in alle Designprozesse auch selbst eingebunden sind. Ich war auf einer Visual Art School, auf der ich vier Jahre lang, drei Stunden am Tag Unterricht in Grafikdesign, Metallskulptur und Mixed Media hatte. Deshalb habe ich anfangs selbst viele Designs für die Band gemacht – einfach um Geld zu sparen. Da ich jedoch immer weniger Zeit dafür hatte, übernimmt nun Dan Mumford diese Aufgabe. Seine Arbeit ist fantastisch und er weiß genau, was ich mir vorstelle. Ich sag ihm einfach: „Hey – ich brauche ein Shirt-Design für ‚The Great Plains‘. Es sollen Bisons dabei sein“, und drei Tage später fährt er mit dem abgefahrensten Motiv auf, das man sich vorstellen kann – so einfach ist das! Haha.
Dann gibt es noch David Hopper, der sich um Webdesign und das Coverartwork kümmert. Ich hatte ihm den Titel des neuen Albums verraten und er kam mit der Idee dieser phyllotaxischen Spiralen (dies sind entstehende Spiralmuster beim Wachstum von u.a. Pflanzen – (mk)) – was perfekt dazu passte.

Eine Frage zum Schluss muss noch gestattet sein. Wann schafft ihr es denn endlich mal in Europa aufzutreten?

Nun, es sieht ganz nach einer sechswöchigen Tour im Herbst aus. Es gibt aber noch keine Details. Aber hoffentlich klappt es dieses Jahr!

Vielen Dank für das Interview!

Danke euch!

(mk)

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