Filmreif

Verfasst am 20. Februar 2009 von Michael Klein (Kategorie: Konzert-Rezensionen) — 1.090 views

Eric Fisch & Friends

18.02.2008 – Colos-Saal, Aschaffenburg

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie jemand wie Eric Fish seine ganzen Aktivitäten unter einen Hut bekommt. Vor einem guten Jahr war Subway To Sallys Sänger noch in Songwriting und Studioaufnahmen für deren letztes Werk „Bastard“ involviert, danach kamen eine ausgedehnte Tour, diverse Festivalauftritte, der Medienrummel um den Bundesvision Song Contest und zusätzlich die beginnende Arbeit am neuen Output der Potsdamer „Kreuzfeuer“, einer Eric-Fish-&-Friends-DVD (die auf der laufenden Tour mitgeschnitten wird) und eine neuen Solo-CD. Trotzdem findet der sympathische Musiker noch die Zeit für eine kleine Rundreise mit seinen Freunden, die ihn nun bereits zum sechsten Mal in den Aschaffenburger Colos-Saal führt.

Die jedes Jahr mehr werdenden Fans machten es sich im gemütlichen Ambiente bei Kerzenlicht auf den Stühlen, Hockern und Teppichen bequem, um sich auf die folgenden vier(!) Stunden Musik einzustellen. Meister Fish betrat zunächst alleine die Bühne, bis im Laufe der nächsten Stücke der Rest der Band die Besetzung komplettierte. Geboten wurde den Anwesenden die gewohnt bunte Mischung aus eigenen und fremden Songs, die auf unverwechselbare Weise vorgetragen wurden. Die erste Hälfte des Abends zeigte sich die Truppe als zusammengewachsener Haufen, der sich routiniert durch die Best-Of-Setlist spielt. Doch genau diese Vorhersehbarkeit und nur wenige wirkliche Überraschungen (wie beispielsweise der witzige neue „Pro-7-Song“) hinterließen einen leicht faden Beigeschmack. Ist der dezent chaotische Esprit früherer Tage der Routine und Perfektion zum Opfer gefallen? Natürlich versprühen Nummern wie „Unterwegs“ oder „Lass uns teilen“ nach wie vor noch genug Magie – aber es dauert bis zur zweiten Hälfte, bis Eric und seine Mitstreiter aus dem „Gewohnheitskorsett“ ausbrechen und mit bekanntem Witz, Energie und sichtbarer Spielfreude den Abend herumreißen. Neue Stücke wie das gelungene Keith-Caputo-Cover „New York City“ finden Einzug in den Spielplan und der Dialog mit den Fans wird noch mehr gesucht als in der Hälfte zuvor (so lernt das Publikum beispielsweise von Gitarrist Uwe wie man französische Hähnchen erkennen kann). So vergeht der zweite Teil wie im Fluge. Es ist erstaunlich, wie kurzweilig vier Stunden sein können, wenn man nur gut unterhalten wird.
Es ist Eric Fish & Friends hoch anzurechnen, dass sie in Zeiten, in denen manche andere Bands nur eine knappe Stunde auf die Bretter steigen, den Fans ein derartig ausgedehntes Konzert bieten. Wenn die bald erscheinende DVD in gleichem Maße gefüllt wird, kann man sich auf einen langen Abend auf der heimischen Couch freuen. (mk)

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