Crushin‘ Bones

Verfasst am 19. Februar 2011 von Michael Klein (Kategorie: Konzert-Rezensionen) — 1.389 views

Bonecrusher Fest 2011 | Mit: Dying Fetus, Keep Of Kalessin, Carnifex, Fleshgod Apocalypse, Burning The Masses, Angelus Apatrida

18.02.2011 – Colos-Saal, Aschaffenburg

Verwirrung beim Knochenbrecher-Fest: Aus nicht näher ergründbaren Umständen spielen Annotations Of An Autopsy bei der diesjährigen Ausgabe des Festes nicht auf. Stattdessen rutschen Fleshgod Apocalypse im Billing einen Platz nach oben und spielen damit nach den neu eingereihten Burning The Masses beim heutigen Tourauftakt im Aschaffenburger Colos-Saal.

p1020838Der Wirrsal kann leider aber nichts daran ändern, dass ich die erste Band des Abends – Angelus Apatrida – verpasse (Ohrenzeugen zufolge, soll der Metallica/Testament-Gedenksound aber ganz gut gewesen sein) und erst zu den ersten Takten von Burning The Masses ankomme. Nach dem Mini-Gig (20 Minuten) steht fest, dass es auch nicht schlimm gewesen wäre, wenn ich diese auch noch verpasst hätte. Das hat jedoch nichts mit dem technischen Können der US-Amis zu tun, sondern liegt daran, dass ihr etatmäßiger Drummer Chason Westmoreland sich zuvor die Finger gebrochen hatte und die Band mit einem Ersatzschlagzeuger spielen musste, mit dem sie die Lieder zu allem Überdruss auch nur einmal üben konnten. Das hat man leider allzu deutlich gehört. Viele Verspieler, abgebrochene Songs und Missverständnisse prägten ein Set, das sich die Band im Vorfeld sicher anders vorgestellt hatte.

Fleshgod Apocalypse nutzten den dadurch entstandenen längeren Changeover für einen längeren Soundcheck, um anschließend erstmals für ordentlich Stimmung im Saal zu sorgen. Die schroffe Mischung aus technischem Death und unpoliertem Black Metal findet zwar insgesamt ganz guten Anklang, will aber trotzdem nicht zu 100% zünden. Zumindest verleihen die bizarren Klassik-Samples zwischen den Stücken den schwarz geschminkten Italienern einen gewissen Erinnerungswert.

Anhand der Anzahl an Quietschbunt-Shirt- und Schildkappenträgern war schon abzusehen, dass viele der Anwesenden allein wegen den zur Speerspitze der Deathcore-Bewegung zählenden Carnifex gekommen sind. Und dem ist auch so: Der Pit vor der Bühne ist heftig, die Fans geben ordentlich Gas und die Amerikaner geben auf der Bühne alles, um dem allmächtigen Trigger-Gott und seinem Helfer – dem heiligen Breakdown-Geist – zu huldigen.

p1030187Gemessen an den Zuschauerreaktionen hätten (die ohnehin nicht so recht ins Billing passenden) Keep Of Kalessin eher die Position vor Carnifex belegen müssen, was aber nicht daran liegt, dass die Band einen schlechten Auftritt aufs Parkett gelegt hat, sondern ist der Tatsache geschuldet, dass fast die Hälfte der Anwesenden nach der Carnifex-Sportstunde eine Pause braucht und sich an die frische Luft verzieht. Schade, denn so verpassen die Show-Abstinenzler die beste Bühnenshow des Abends. Die Norweger zeigen sich in Höchstform und lassen von der ersten bis zur letzten Sekunde kontinuierlich die Köpfe rotieren. Sänger Thebon brüllt Kracher wie „The Awakening“ oder „Judgement“ mit Inbrunst heraus und Gitarrist Obsidian brilliert mit außerordentlichem Können an der Sechssaitigen. Die Band traut sich sogar, den eher Brachiales gewohnten Ohren der Anwesenden das fluffige „The Dragontower“ vorzusetzen. Respekt!

p1030277Auch wenn sich der Colos-Saal inzwischen merklich geleert hat, tut das der Stimmung beim Headliner Dying Fetus keinen Abbruch. Im Gegenteil: Der Club verwandelt sich in eine einzige Party-Arena mit dem Ziel, die Luft zum Kochen zu bringen. Bis in die hintersten Reihen wird gebangt und mitgebrüllt. Das Trio aus Annapolis, USA, feuert währenddessen Geschosse in tödlicher Präzision von der Bühne. Das Ergebnis ist infernalisch, mitreißend und markerschütternd – und wird damit dem Namen Bonecrusher mehr als gerecht. Besonders die Killer-Röhren des Grunz-Doppels John Gallagher und Sean Beasley flöten einem wirklich jeglichen Rest an Schmalz aus den Ohren.
Überraschenderweise ist der straighte Death Metal zu keinem Zeitpunkt zu stumpf um langweilig zu werden. Und das, obwohl sich der Dreier schließlich in arg engen Genregrenzen bewegt.
Nach 65 Minuten bleibt letztendlich nichts zurück außer einem Bier- und schweißverklebten Schlachtfeld. (mk)

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