Hasen und Titanen

Verfasst am 12. November 2010 von Michael Klein (Kategorie: Interviews) — 3.015 views

Thrash ’n‘ Talk mit Forbidden Daser

Die Herzen aller Thrash-Fans beginnen schneller zu schlagen, wenn die Rede auf die Achtziger kommt. Nicht wenige – wenn nicht sogar alle – großen Thrash-Bands befanden sich gegen Ende dieser Dekade auf dem (bis dato) absoluten Höhepunkt ihres Schaffens. „Kill ´Em All“, „Reign In Blood“, „Peace Sells… But Who’s Buying?“ und „Spreading The Disease“ sind nur einige Meisterwerke, die genau in jener Zeit entstanden sind.
Und genau hier findet man in den regionalen Musikgeschichtsbüchern (wenn es denn welche gäbe) die Gründung der Band Forbidden Daser, die sich in dieser Zeit ebenfalls ganz dem Metal verschrieben hatte – bis sich die Band nach einigen Jahren schließlich in den Neunzigern auflöste.
Aber: Einmal Metal – immer Metal!
Fast zwei Jahrzehnte nach dem letzten gemeinsamen Auftritt hat sich die Haibacher Truppe neu formiert, an neuem Material gearbeitet und fleißig geprobt, um am 27.11. beim „Titans Of Metal“ im JuKuz die glorreiche Rückkehr auf die Bühne zu feiern.
Metal-Aschaffenburg traf sich mit Marc (v.), Mike (g.), Frank (b.) und Tom (g.).

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Metal-Aschaffenburg: Hallo! Ihr spielt am 27.11.2010 beim „Titans Of Metal“ im Aschaffenburger JuKuz. Das wird dann euer erster Auftritt seit wann?

Frank: Dass muss irgendwann in den Neunzigern gewesen sein. In Straßbessenbach war das letzte Live-Konzert.
Mike: Straßbessenbach war 1992.

Wo habt ihr denn die ganze Zeit gesteckt?

Tom: Eigentlich überall.
Frank: Ja, die Zeit vergeht schnell.

Was war denn der Auslöser, Forbidden Daser noch mal aufleben zu lassen?

Frank: Das war das Slayer-Konzert 2008. Da waren wir ein bisschen enttäuscht, weil die einen alten, kaputten Eindruck gemacht haben – nur auf der Bühne herumgestanden haben. Da haben wir uns gedacht: Mensch, zu Hause im Speicher stehen auch noch Instrumente herum – die könnte man ja auch mal wieder ausgraben. Und so ging’s los.
Mike: Viel stand aber nicht mehr auf dem Speicher.
(lachen)
Tom: Die Gitarren waren zumindest noch da!

Habt ihr dann zuerst begonnen wieder alte Sachen zu spielen oder direkt mit neuem Zeug begonnen?

Frank: Wir haben anfangs samstags bei uns im Büro das Schlagzeug und alles aufgebaut, geprobt und danach wieder abgebaut.
Marc: Komischerweise haben wir mit total komplizierten, schwierigen Liedern angefangen. Zum Beispiel Metallica – „The Day That Never Comes“. Das ist jetzt nicht unbedingt so einfach.
Mike: Rage Against The Machine – „Killing In The Name Of“.
Frank: Und Slayer – „Mandatory Suicide“.

Sind denn „Times Changed… You Not“ und er Teaser „Rabbits Fall“ von eurer MySpace-Seite neue oder alte Songs?

Tom: Das ist alles neu. Nur ein Lied ist noch von früher. Wir haben früher eigentlich ja nur Sachen nachgespielt.
Marc: Wir haben jetzt sieben eigene Stücke.
Tom: Wir sind mittlerweile zu schlecht zum nachspielen.
(lachen)
Marc: Ja, das haben wir schnell gemerkt – als wir uns am Anfang die schwierigen Lieder vorgenommen haben.

Covern ist auch recht undankbar – weil es schwer ist, mit einer Coverversion jeden zufrieden zu stellen.

Tom: Heutzutage schon. Früher war das nicht ganz so schlimm. Es gab ja auch kaum jemanden, der nachgespielt hat.
Marc: Da gab es nur Voice oder Faith, die freitags abends gespielt haben. Bei denen war Bon Jovi oder AC/DC schon das Härteste im Programm.

Was habt ihr denn damals gecovert?

Frank: Slayer, Metallica, Death Angel.
Tom: Sepultura.
Mike: Sacred Reich.
Tom: Eigentlich alles, was zu dieser Zeit populär war.
Marc: Auch viel damals Aktuelles, wie Suicidal Tendencies oder Overkill. Alte Judas-Priest- oder Iron-Maiden-Klassiker haben wir nie herausgekramt.

titansHabt ihr denn geplant, irgendwann etwas aufzunehmen?

Marc: Ich denke, wir warten jetzt einfach mal das Konzert ab – schauen, ob die Leute das mögen, was wir machen. Wenn es gut rüberkommt. Das soll nicht heißen, dass wir aufhören, wenn es nicht so toll wird, sondern nur um zu sehen, wo wir gerade stehen. Ob der Musikstil rüberkommt. In erster Linie machen wir ja für uns selbst Musik – eben weil es Spaß macht. Wenn es den Leuten dann auch gefällt, ist es natürlich umso besser.
Wir werden an diesem Abend auch zwei, drei Lieder nachspielen – die hauen wir dann zwischendrin mit rein. Wenn wir dann genügend eigenes Material haben, fliegen die aber wieder raus.

Also ist schon angedacht, danach weiterzumachen?

Tom: Weitermachen auf jeden Fall!
Mike: Es ist ja auch schön, wenn man einmal die Woche trifft und zusammen Musik macht – anstatt Karten zu spielen.

Man kann sich ja zurzeit ziemlich schlecht ein Bild davon machen, wie Forbidden Daser klingen. „Times Changed… You Not“ ist ja der einzige ganz hörbare Song bisher.

Frank: Das Lied haben wir bei uns im Proberaum mit PC und Soundkarte wieder und wieder aufgenommen. Freitags und unter der Woche dann daran herumgebastelt. Dann kam der Termin für den Auftritt mit Metal Attack und seitdem haben wir keine Zeit mehr gefunden, etwas Neues aufzunehmen. Obwohl das ja heutzutage nicht mehr all zu schwierig ist. Man braucht ja kein Studio oder ähnliches mehr, sondern kann das zu Hause mit kleinem Budget selbst machen. Es braucht halt alles seine Zeit.
Momentan haben wir uns aber erstmal auf Proben konzentriert.
Marc: Wenn man selbst Musik macht, findet man viele Ideen gut, weiß aber nicht so richtig, wo man steht. Ab und zu ist dann auch mal jemand im Proberaum mit dabei, der die Musik nicht unbedingt kennt oder mag. Das ist gut. Viele von denen haben dann gesagt: „Das klingt ganz gut“ oder „Ich hab mir’s schlimmer vorgestellt“.

Das ist ja dann das bestmögliche Urteil.

Marc: Ja, oder: „Es hört sich doch nach Musik an!“.
Tom: Wir haben schon einen gewissen Stil, aber es hört sich auch nicht alles gleich an. So wie bei AC/DC zum Beispiel. Wo man sich fragt, warum bringen die denn noch ’ne Platte raus?

Man darf also durchaus gespannt sein. Euer neuester Teaser heißt „Rabbits Fall“. Ich habe schwer gegrübelt und mir sind nur drei Hasen eingefallen über die man singen könnte: Der von „Alice im Wunderland“, der aus „Ritter der Kokosnuss“ und jener aus „Donnie Darko“. Welchen besingt ihr?

(lachen)
Tom: Komplett in die Hose gelangt!
Das hat nix mit den Viechern zu tun, die du gerade aufgezählt hast, sondern mit dem Hasen meiner Tochter, mit dem ich mal hingefallen bin. (lachen)
Damals hab ich mir die ganzen Knie aufgehauen und konnte beim Proben fast nicht mehr laufen. Da hab ich dem Frank dann gesagt, er soll mal ein Lied darüber schreiben. Er hat es dann aus der Sicht des Hasen geschrieben.

Hat der Hase denn überlebt?

Tom: Ja, der hat es überlebt.

Wie schön – Ein Happy End!
Ende der Achtziger gab es neben den Big Four noch eine Menge anderer erfolgreicher Thrash-Bands. Was fällt euch denn zu folgenden ein?

Exodus.

Tom: Exodus spielen wir ja nach – „Lesson In Violence
Frank: Die sind gut. Die waren letztes Jahr ja im Colos-Saal.

Sepultura.

Marc: Früher, als die Urgesteine noch dabei waren, da war das noch eine andere Liga. Ich finde, mittlerweile nutzen sie nur noch den Namen aus.
Frank: Für mich ist die Cavalera Conspiracy mit den beiden Cavalera-Brüdern inzwischen mehr Sepultura als Sepultura selbst.
Mike: Wir sind ja die ganzen Jahre immer wieder zusammen auf Slayer-Konzerte gegangen. Bei einem davon waren Sepultura im Vorprogramm. System Of A Down und Sepultura. Da haben wir auch nur mal kurz einen Blick in die Halle geworfen.

Overkill.

Tom: Vor zwei Jahren hatten die im Colos-Saal ein super Konzert. Letztes Jahr war es dann nicht so toll.
Mike: Das Problem das Overkill hat – wie auch viele andere Gruppen – zumindest aus meiner Sicht: Die haben mittlerweile so viele Platten veröffentlicht. Da hat man überhaupt keinen Überblick mehr. Man kennt halt noch die erste, zweite und dritte Platte – die waren absolut Top. Und dann kommen noch 15 andere, die von uns kein Mensch mehr gehört hat.
Das ist halt auch der Vorteil bei Forbidden Daser – wir haben noch gar nix!
(lachen)

Annihilator – noch eine Band mit inzwischen vielen Alben.

Marc: Sagt mit im Prinzip recht wenig. Ich fand die Musik nie so toll.
Mike: Die erste war klasse – die war schön schnell! Dann wurde es so eingebremst.

Kommen wir nach Deutschland: Kreator.

Tom: Haben wir früher auch mal gespielt. „People Of The Lie“.
Mike: Kreator waren schon wichtig.
Marc: Die haben einfach dazugehört –wenn man Metal-Fan war.

Forbidden – damals noch mit Robb Flynn von Machine Head.

Tom: Die hießen ja damals noch Forbidden Evil. Auf die neue Platte hat man ewig gewartet.
Marc: Die neue Scheibe ist wirklich gut!

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Forbidden sind ja Halb-Namensverwandte von euch. Haben die etwas mit eurer Namenswahl zu tun?

Alle gemeinsam: Neee. Nein.

Nicht wenige fragen sich nämlich, was zur Hölle „Daser“ bedeutet. Im Internet kann man sich jedenfalls die Finger wundtippen – man findet keine Übersetzung oder Erklärung dafür.

Tom: (lacht) Das habe ich auch schon probiert. Irgendjemand hat den Namen mal in die Runde geworfen und gesagt: So heißen wir jetzt. Und das war’s.
Marc: Seitdem sind wir immer unter diesem Namen aufgetreten und heißen jetzt halt so.
Mike: Ich weiß noch, wir waren mal in Trier auf einem Zeltplatz. Damals hießen wir noch Frantic Force. Zwischendrin hießen wir mal ganz kurz Forgotten Daughter. Da ist dann irgendwie aus Forgotten Forbidden geworden und aus Daughter Daser.
Marc: Irgend so was. Der Name war einfach plötzlich da.

Jetzt haben wir die ganze Zeit über Bands geredet, die schon Lange im Geschäft sind. Gibt es denn auch neuere Bands, die euch gefallen?

Frank: Wir hören eigentlich alles. Es ist ja auch nicht so, dass wir vor 15 Jahren aufgehört haben Metal zu hören, sondern immer weiter. Natürlich rennt man nicht mehr wegen jeder Platte in den Media Markt – so wie früher. Aber nimm Volbeat oder Killswitch Engage – wir sind schon up to date, was die Musik betrifft.
Tom: Mastodon ist noch gut.
Mike: Genau! Wir waren ja fast alle zusammen bei Mastodon und haben danach versucht, ein Lied von denen nachzuspielen, aber haben es dann lieber gelassen. (lachen)

Gibt es noch was, das ich vergessen habe zu fragen?

Mike: Ich möchte noch mal ganz an den Anfang zurück weil unser Schlagzeuger heute nicht da ist. Der hat nämlich – als er bei Forbidden Daser aufgehört hat, bei Black Moses Schlagzeug gespielt.

Kann es sein, dass jemand bei euch aus der Band ein Faible für Bandshirts hat? Ich hab mindestens fünf verschiedene Motive gezählt?

Mike: Stimmt nicht! Es gibt schon mehr…
(lachen)
Tom: Das ist ein Hobby von Frank.
Frank: Ja – es ist uns halt zu jedem Song etwas für ein Shirt eingefallen…

Mit welchen Zeitgenossen habt ihr denn damals zusammen gespielt? Es gab ja sicher nicht so viele Bands, die Metal gemacht haben?

Frank: Zum Beispiel mit O-Bags aus Karlstein.
Tom: Raw Evil.
Mike: Cervet kennen wir schon seit unseren Anfängen.
Tom: No Silence – da hatte der Sänger von Verdict glaub ich mitgespielt.
Mike: Die anderen von No Silence haben dann Miss Marple oder so gegründet.
Marc: Ansonsten gab es damals nicht viel.

Wo haben sich denn damals die Metaller getroffen?

Tom: Das hat sich eigentlich alles im Hard Rock oder Pulpo abgespielt.
Mike: Oder in Hessenthal bei Zappa auf dem Grillplatz – auf der „Insel“ – mit 50 Leuten laut Musik hören.

Für Metal-Fans, die heutzutage nur vor dem PC sitzen, ist es schwer sich vorzustellen, wie das noch vor 25 Jahren war.

Frank: Es hat sich schon sehr verändert. Vieles ist einfacher geworden. Man kann sich einfach T-Shirts im Internet zusammenbasteln. Du kannst dich als Band im Internet präsentieren. Und wenn ich heute ein Lied nachspielen will, geh‘ ich ins Netz und lade mir die Tabs runter. Das war früher unmöglich. Da musste man alles selbst heraushören oder hat die Songbooks gekauft.
Mike: Texte heraushören hat früher auch viel Spaß gemacht.
Marc: Das Internet hat aber auch viel kaputt gemacht.

Stimmt. Man nimmt sich z.B. keine Zeit mehr, sich einem Album wirklich zu widmen.

Marc: Ja, es ist inzwischen mehr ein Musik-Zapping.
Mike: Früher hast du dir die neue Maiden-Platte erst mal zwei Stunden nur angekuckt, bis du alles gesehen hast. Heute nimmst die CD-Hülle und schmeißt sie gleich weg.
Tom: Vor allem bei Iron Maiden. (lacht)

Wie hat denn euer Umfeld darauf reagiert, dass ihr wieder Metal macht? Wurdet ihr dabei ernst genommen oder eher belächelt?

Frank: Na ja – das eher weniger. Aber es ist natürlich schon schwierig. Vor allem wegen der Zeit – von der man ja sowieso nicht genug hat. Dann machen wir ja auch keine der Allgemeinheit vorzeigbare Klassik, bei der gesagt wird: „Mensch – die haben sich aber Mühe gegeben“. Und wenn man dann auf der Bühne steht und abrockt wie gestört, dann kann es passieren, dass diejenigen sagen: „Was ist das denn für ein Dilletantismus?“ Aber das wollen wir uns nicht vorwerfen lassen. Zum Schluss soll gesagt werden: „Okay, es war zwar nicht meine Musik – aber ihr habt euch voll reingehängt!“
Mike: Mir ist es egal was die Leute sagen, Hauptsache ich werd gelobt.
(lachen)

Vielen Dank für das Interview! Bis zum 27.11.2010!

(mk, lkb, aw)

Am 27.11.2010 spielen Forbidden Daser zusammen mit Metal Attack und Cervet im JuKuz. Hingehen!

Forbidden Daser haben uns freundlicherweise zwei Tickets und ein T-Shirt zur Verfügung gestellt, welche HIER verlost werden.

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