„Lazuli? Vaz daz denn?“

Verfasst am 07. November 2007 von motorbreath (Kategorie: Konzert-Rezensionen) — 1.261 views

Lazuli

31.10.2007 – Colos-Saal, Aschaffenburg

So oder ähnlich sah mein erster Gedanke aus, als mir ein befreundeter Gitarrist von einem Konzert ebendieser Band auf dem Aschaffenburger Kleinstfestival „Kommz“ im Jahre 2006 nach dem Herren vorschwärmte. Von ungewöhnlichen Instrumenten wusste er zu berichten, französischem Eunuchengesang, der doch faszinieren konnte. Hm. Eunuchengesang. Und das auch noch auf Französisch.

Als ich Ende Oktober die Chance bekam, mir über Lazuli im „heimischen“ Colos-Saal meine eigene Meinung zu bilden, packte ich die Gelegenheit beim Schopf und betrat erwartungsvoll den Saal. Was sich in den nächsten zwei Stunden dort abspielen sollte, hatten die wenigsten Zuhörer erwartet.
6 langhaarige, auf den ersten Blick sympathisch wirkende Gestalten, betraten um kurz nach neun die Bühne und legten los. Waren die ersten zwei oder drei Lieder noch gewöhnungsbedürftig, verging danach die Zeit im Flug. Entweder man stand vor der Bühne und träumte, schwebend auf wunderschönen Melodien, oder man stand vor der Bühne und folgte mit seinem Blick den Fingern mal dieses, mal jenen Musikers. Denn genau das macht für mich die Faszination an Lazuli aus: die Leichtigkeit, mit der die Musiker um Dominica Leonetti und Claude Leonetti ihre Instrumente bearbeiten, als wären sie Teil ihres eigenen Körpers.
Das Instrumentarium ist, wie bereits oben kurz erwähnt nicht auf Gitarre, Bass, Schlagzeug und Stimmbänder beschränkt, sondern geht noch viel weiter. Es findet sich eine Marimba, ein Chapman Stick, Vibraphon, Leode und Warr Guitar im bunten Sammelsurium der exotischen Franzosen.
Noch kurz zum Thema Eunuchengesang: Selbiger kann sehr anstrengend zum Zuhören sein, manchmal unangenehm. Paradebeispiel ist hier das ansonsten sehr gelungene Stück „La valse à cent ans“, zu finden auf der CD „En avant doute…“. Aber auch das konnte den Genuss nur wenig schmälern.

Zum Abschluss des Konzerts wartete die Band mit einem Percussionstück auf, welches dem Publikum noch ein letztes mal für diesen Abend eine Mitarbeit abforderte und auf diese Weise den Abend mehr als gelungen abrundete.
Ich verließ den Colos-Saal an diesem Abend, wie so oft, mit einem breiten und zufriedenen Grinsen. (jk)

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