Stille Wasser

Verfasst am 29. November 2007 von Michael Klein (Kategorie: Konzert-Rezensionen) — 1.391 views

Amorphis | Vorbands: Insomnium, Swallow The Sun

22.11.2007 – Colos-Saal, Aschaffenburg

Stille Wasser sind bekanntlich tief. Wie tief finnische Gewässer sind, wurde an diesem Abend im mehr als gut gefüllten Aschaffenburger Colos-Saal vom skandinavischen Dreierpack eindrucksvoll demonstriert.

Nach einem kurzen Intro entern die fünf Jungs von Insomnium punkt halb Neun die Bühne und attackieren die Trommelfelle der zahlreich Anwesenden mit einem Sperrfeuer aus donnernden Drums und kantigen Riffs. Der melodische Death Metal findet schnell Gefallen und erntet schon nach wenigen Songs beachtlichen Applaus und eine Menge fliegender Haare. Das starke Zusammenspiel und die (trotz wenig zu Verfügung stehenden Platzes) energetische Bühnenperfomance machen den Auftritt nicht nur hörens-, sondern auch sehenswert. Zudem passen Insomnium mit ihrer Mischung aus In Flames, Children Of Bodom und – ja, eben: Amorphis – perfekt ins Vorprogramm der Tour, was sie in ihren 40 Minuten Spielzeit auch imponierend beweisen. Beide Daumen nach oben!

Nach minimaler Umbaupause (Equipment und Keyboarder J blieben gleich stehen) stehen Swallow The Sun auf der Bühne um den Anwesenden Lava ins Ohr zu gießen. Nach Insomniums schnellen, messerscharfen Riffs kommen einem die Stücke von Swallow The Sun gleich doppelt so schwer und träge vor – jedoch nicht minder heavy. Man hat ständig das Gefühl, einen unter Hochdruck stehenden Dampfkessel vor sich zu haben, der jeden Augenblick in die Luft fliegt. Wenn das finnische Sextett die Leine dann loslässt, fliegen einem derbe Soundwände mit Amon Amarth’schem Groove um den Kopf die gepaart mit den tiefen Growls des Sängers nichts als Zerstörung hinter sich lassen. Grandios! Wenn diese Jungs zusammen mit Disbelief touren würden, bliebe nichts bestehen…

Amorphis erleben gerade ihren zweiten Frühling. Nachdem Frontmann Pasi Koskinen die Band im Jahr 2004 in Richtung Ajattara verlassen hat, haben viele die sympathischen Finnen schon abgeschrieben. Doch Glücksgriff Tomi Joutsen führte die Band nicht nur auf den beiden Studioplatten „Eclipse“ und „Silent Waters“ zurück zu größeren Erfolgen, sondern verpasste der Band auch live einen neuen Anstrich. Wo früher Statik war ist jetzt Bewegung. Der Konzerteinstieg mit „Perkele (The God Of Fire)“ und „The White Swan“ stellt die neu gewonnene Energie gleich zur Schau. Joutsen ist ein Aktivposten der allein beim Rotorbangen mir seinen knielangen Dreadlocks alle Augen auf sich zieht und die halbe Show stellt. Agil und souverän brüllt er sich sowohl durch die harten Stücke aus der „Tales Of A Thousand Lakes“-Zeit, als auch durch die ruhigen, sanfteren Stücke der Prä-Joutsen Ära. Überraschenderweise ernten aber oft neue Songs à la „The Smoke“ mehr Applaus als Klassiker wie „My Kantele“, was sicher nicht zu geringen Teilen am begnadeten neuen Frontmann liegt. Der Sänger kann dabei auf ein solides instrumentales Fundament zählen, denn die Band spielt sauber, geschlossen und tight durch das etwa 70-minütige Set. Mit „Alone“, „Against Widows“ und „Silent Waters“ werden zwischen eh schon vielen Highlights noch kleine Höhepunkte gesetzt, ehe man nach drei Zugaben die Zuschauer mit dem obligatorischen „Black Winter Day“ in die Nacht entlässt.

Wer nicht da war, hat eines der hochwertigsten Pakete die dieses Jahr im Colos-Saal zu sehen waren verpasst. Ein Schaulauf der finnischen Metallkunst, bei dem von vorne bis hinten alles gepasst hat. Bleibt nur zu sagen, dass finnische Gewässer nicht nur still und tief sind, sondern auch sehr metallhaltig. (mk)

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