Vorspiel zum Abend eines Faunes

Verfasst am 27. März 2008 von Michael Klein (Kategorie: Konzert-Rezensionen) — 1.106 views

Faun | Vorband: Dornenreich

23.03.2008 – Colos-Saal, Aschaffenburg

Metal-Fans spricht man im Allgemeinen das große Attribut „Toleranz“ zu. Ob das nun stimmt oder nicht sei dahingestellt. Doch wie sieht es mit „Mittelalter-Gothic-“ bzw. Faun-Fans im speziellen aus? Ich weiß nicht, durch was sie sich besonders auszeichnen – Toleranz und Anstand können es aber auf keinen Fall sein, denn davon war am Ostersonntag im Aschaffenburger Colos-Saal nicht ein Hauch zu spüren. Wenn während eines Auftritts das Gerede des Publikums lauter ist als die Musik der Band auf der Bühne, und applaudiert wird wenn die Band ihren letzten Song ankündigt, hat das für mich eben nichts mit den oben genannten Attributen zu tun, sondern stellt eine Frechheit dar! Man muss eine Band (insbesondere Vorband) nicht mögen – aber man kann den spielenden Künstlern wenigstens etwas Respekt entgegenbringen und für eine halbe Stunde die Klappe halten.

Ich sehe ein, dass gerade Dornenreich stark polarisierende Musik machen, welche nicht den Geschmack eines Jeden Zuhörers (oder hier passender: Weghörers) trifft. Aber man kann von den durchgehend Erwachsenen zumindest erwarten, dem eigenwilligen Sound des Duos kurz zu lauschen. Dann hätte man einer feinen Mischung aus neuen Songs des kommenden Albums „In Luft geritzt“ sowie einigen Klassikern wie „Der Hexe nächtlich´ Ritt“ oder „Reime faucht der Märchensarg“ horchen können. So ging die eindrucksvolle Spielweise der beiden Österreicher, die ja insbesondere von der immensen Dynamik lebt, im Gebrummel der Masse etwas unter.
Sänger Eviga sucht im Gespräch nach dem Konzert fälschlicherweise sogar die Schuld bei der Band selbst und liegt damit weit neben der Wahrheit.

Nach kurzer Umbaupause sieht die Welt plötzlich anders aus: Beifall, Applaus und Jubel – keine Spur mehr von Ablehnung und Bann. Faun begeistern die Fans auf Anhieb. Das gefällige Gemisch aus Mittelalter, Gothic und einem Hauch Elektronik gepaart mit dem unwiderstehlichen Charme von Fronter Oliver Sa Tyr macht es dem Quintett aber auch leicht. Die neu hinzugekommene Sandra Elflein fügt den gut bekannten Faun-Stücken mit ihrer Geige eine weitere Facette hinzu und ergänzt den ureigenen Band-Sound hervorragend, was man bei Stücken wie „Andro“ oder „Sieben“ blendend nachhören kann. Gewohnt gefühlvoll intonieren die drei Jungs und die zwei Damen die von witzigen Ansagen eingeleiteten Songs und ernten damit nach rund 90 Minuten und drei Zugaben den verdienten Applaus.
Nach dem Auftritt kann man darüber streiten, ob Faun mit mehr oder weniger Elektronik besser wären oder ob etwas schnellere Songs der Band gut täten – letztendlich liegt es im Geschmack des Einzelnen. Gemessen am Beifall haben Faun alles richtig gemacht und gehen als Gewinner des Abends nach Hause. Ebenfalls gewonnen haben Dornenreich: (nicht nur) meine Sympathie! Verlierer des Abends sind die Fans von Faun – mit Abstand! (mk)

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