Otep – „Generation Doom

Verfasst am 14. Juli 2016 von Sebastian Zeh (Kategorie: CD-Rezensionen) — 475 views

Meinen ersten Kontakt mit Otep hatte ich ehrlich gesagt rein zufällig. Auf einem Grabbeltisch hatte ich „House Of Secrets“ erspäht und das Cover in Verbindung mit dem lächerlich günstigen Preis von einem Euro rechtfertigte den Kauf. Die Musik, die mir dann in der heimischen Anlage um die Ohren flog, hat mich wahrlich umgehauen: Heftiger Groove/Nu-Metal traf auf eine derartig bedrückende und beklemmende Atmosphäre, dass ich mir die ersten beiden Otep-Scheiben bis heute nie am Stück anhöre. Seit der 2007er Scheibe „The Ascension“ hat sich die Band um die namensgebende Sängerin anderen Musikstilen geöffnet. Immer mal wieder gibt es Pop-Einflüsse, seit einiger Zeit hat man auch Rap für sich entdeckt.

Und damit wären wir dann auch bei der neuen Scheibe „Generation Doom“. Das Cover gibt sich schon mal sehr modern und sieht nicht zwingend nach einer Metal-Scheibe aus. Die erste Single – und gleichzeitig der Albenopener – „Zero“ legt jedoch relativ fett los, heftigste Doublebass-Gewitter treffen auf die von Otep gewohnten Vocals, die von Sprechgesang, über leicht verrückten Stimmeinsatz bis hin zu wahren Scream-Orgien reichen. Danach tritt die Band auf die Bremse. Auf „Feeding Frenzy“ bemühen die Musiker aus LA in eher langweiliger Manie ihre Nu-Metal-Wurzeln, ehe „Lords Of War“ tatsächliche Rap-Vocals in den Strophen nutzt. Letztere sind für meine Begriffe etwas zu soft und monoton gespielt, der Refrain knallt dafür ganz ordentlich rein. Ab dann wird es für Fans schmerzhaft: Nicht nur hat die Band hier eine Coverversion von Lordes „Royals“ mit auf die Platte gebracht, sondern mit „In Cold Blood“ auch eine nichtssagende zweite Single – in Form einer „Halbballade“ – vorbereitet. Und dann sind da „Down“ und „Equal Rights, Equal Lefts“, die nur noch selten überhaupt auf Gitarren oder echte Drums zurückgreifen. Ich bin Rapmusik durchaus nicht abgeneigt, allerdings finde ich den Trap-Stil, den man hier adaptiert, sehr anstrengend und vor allem absolut gar nicht stimmig im Vergleich zum Rest der Scheibe.

Am Ende bleiben der Platte nur wenige Highlights: Neben „Zero“ wären da noch „God Is A Gun“ und „Generation Doom“, die voll auf die Zwölf geben. „Equal Rights, Equal Lefts“ gebe ich einen Pluspunkt für den durchaus unterhaltsamen und gleichzeitig Klischees entlarvenden Text. Die restlichen Songs sind mir unterm Strich zu beliebig geraten. Gerade die cleanen Refrains wie etwa bei „No Color“ nutzen sich nach einigem Hören komplett ab. Nach dem sehr atmosphärischen Vorgänger „Hydra“ und vor allem dem sehr starken „Atavist“  ist „Generation Doom“ ein extremer Bruch für Otep. Zu oft wirken die Songs lieblos, glattgebügelt und an potenzielles neues Publikum angepasst. Ich hoffe, dass sich hier keine neue Marschroute anbahnt. (sz)


otep-generation-doom

Bewertung: 6/15 Punkte
Genre: Groove Metal/Crossover
Herkunft: USA
Label: Napalm Records
Veröffentlichungsdatum: 15.04.2016
Homepage: www.OtepLoves.me

Tracklist

  1. Zero
  2. Feeding Frenzy
  3. Lords Of War
  4. Royals
  5. In Cold Blood
  6. Down
  7. God Is A Gun
  8. Equal Rights, Equal Lefts
  9. No Color
  10. Lie
  11. Generation Doom
  12. On The Shore


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