Werkschau – In Flames

Verfasst am 10. August 2014 von Michael Klein (Kategorie: Interviews) — 1.828 views

In Flames

Passend zum in Kürze anstehenden Release des neuen In-Flames-Albums „Siren Charms“ haben wir uns in der Redaktion den gesamten Backkatalog der schwedischen Melodic Death Metaller vorgenommen, unseren Favoriten (und Verlierer) gewählt und jedem Album nochmal eine Kurzrezension (aus heutiger Perspektive) gewährt.

Dass „Clayman“ dabei auf der Pole Position gelandet ist, dürfte nicht allzu überraschend sein. Genau wie die Tatsache, dass die fünf neueren Alben die fünf unteren Ränge belegen.

Als größte Überraschung dürfte die tolle Platzierung von „The Jester Race“ durchgehen – einem häufig unterschätzten Album, dem hier bei uns völlig zu Recht der 2. Platz auf dem Treppchen gebührt.

Man darf gespannt sein, wo sich das neue Album in der Liste einreihen wird…


Hier unsere Werkschau-Wertung in der Übersicht:

1.    „Clayman“ (Ø-Bewertung: 12,17 Punkte)
2.    „The Jester Race“ (11,67)
3.    „Whoracle“ (11,50)
4.    „Colony“ (11,33)
5.    „Lunar Strain“ (10,67)
6.    „Come Clarity“ (9,60)
7.    „Reroute To Remain“ (9,40)
8.    „Soundtrack To Your Escape“ (9,00)
9.    „Sounds Of A Playground Fading“ (7,80)
10.  „A Sense Of Purpose“ (7,67)


 

ClaymanClayman“ ist wohl das Album, mit dem sich Fans aller In-Flames-Phasen anfreunden können. Sich vom Melodic-Death-Metal immer weiter entfernend, beschreiten In Flames den Weg konsequent weiter, den sie mit „Whoracle“ eingeschlagen haben. „Bullet Ride“ ist der perfekte Opener für ein Album, „Only For The Weak“ ist heute noch ein Grundpfeiler der Setlist der Schweden und den Groove eines „Pinball Map“ oder „Brush The Dust Away“ sucht man auf den kommenden Werken vergeblich.

Jedoch muss man auch festhalten, dass das Album bei aller Eingängigkeit, oder gerade wegen dieser, nach all den Jahren leichte Abnutzungserscheinungen aufweist. (ms)

 

jesterSucht man in der Frühphase der Schweden einen Höhepunkt, so wird man hier fündig. „The Jester Race“, das erste mit dem von Dark Tranquillity abgewanderten Anders Fridén. „Moonshield“, „Artifacts Of The Black Rain“ oder „Dead God In Me“ – man weiß gar nicht, welches Stück das beste ist, welche Melodie sich tiefer in den Gehörgang brennt.

Fairerweise muss man jedoch auch sagen, dass mit „Lord Hypnos“ und „Graveland“ auch zwei Nummern auf der Platte sind, die nicht mit dem Rest mithalten können. Der krönende Abschluss der ersten Phase der Band. (ms)

 

 

whoracleDass „Whoracle“ auf dem 3. Platz landet, ist eine ebenso große Überraschung wie der starke zweite Platz von „The Jester Race“. Beim retrospektiven Durchhören wird jedoch schnell klar, dass das Album mit „Episode 666“, „Gyroscope“ und dem großartigen Instrumental „Dialogue With The Stars“ starke Songs zu bieten hat und den Weg der Band entschieden weitergeführt hat. Die drögen Depeche-Mode-Coverversion „Everything Counts“ hätte man sich vielleicht sparen können aber ansonsten bietet das dritte Album der Band konstant hohe Qualität und wird dennoch gern unterschätzt. Nicht jedoch von uns… (mk)

 

 

colonyHätte mich vor einigen Monaten noch jemand gefragt, welches mein Lieblings-In-Flames-Abum ist, ich hätte ohne zu zögern mit „Colony“ geantwortet. Heute bin ich mir da nicht mehr so sicher. Zwar bietet das Album mit „Embody The Invisible“, „Resin“, „Coerced Coexistence“ und dem Titelsong absolut unstrittige Highlights – mit „Ordinary Story“ sogar den für mich besten Song der Band überhaupt – trotzdem hatte ich die Gesamtwirkung noch eindringlicher in Erinnerung. Jetzt, wo ich mich nochmals durch den gesamten Backkatalog der Schweden gehört habe, muss ich feststellen, dass der vierte Platz für „Colony“ durchaus in Ordnung geht. (mk)

 

 

lunarLunar Strain“ hält in vielen Fankreisen einen Kultstatus inne. Und ja: Es ist ein wirklich gutes Debüt dieser damals noch blutjungen Band, bei der zu diesem Zeitpunkt noch der jetzige Dark-Tranquillity-Sänger Mikael Stanne sang.

Allerdings ist auch mehr als offensichtlich, dass In Flames noch nach ihrer eigenen Linie suchen. „Lunar Strain“ vereint viele einzelne Fragmente zu teils gut und teils weniger gut funktionierenden Songs.

Die Einflüsse aus schwedischer Folklore wurden jedoch danach nie mehr so viel wie hier eingeflochten. Schade eigentlich. (mk)

 

comeCome Clarity“ ist für mich der eigentliche Überraschungssieger. Der 6. Platz sieht zwar auf dem Papier nicht gut aus, jedoch kann sich das Album als bestes Werk seit dem Jahr 2000 – also seit 14 Jahren! – etablieren und schrammt nur knapp an „Lunar Strain“ vorbei.

Ignoriert man das gähnend langweilige „Your Bedtime Story Is Scaring Everyone“, hagelt es nämlich gleicht etliche formidable Hits vom Format „Dead End“ (mit der wundervollen schwedischen Singer/Songwriterin Lisa Miskovsky als Duettpartnerin), „Crawl Through Knives“, „Leeches“ und „Come Clarity“. (mk)

 

 

rerouteReroute To Remain“ beschreibt wohl den Übergang der alten In-Flames-Phase zur neuen, modernen. Sterile Gitarren und mehr Synthesizereinsätze unterstreichen das neue Image, aber fette Riffs und Melodien wie in „Cloud Connected“ oder „Trigger“ ballern einem geneigten Hörer dennoch das Trommelfell um die Ohren.

Außerdem traut sich Anders Fridén auf diesem Silberling auch erstmals ernsthaft an den Cleangesang, der gezielt in etwas melancholischen Songstrukturen eingebaut wird und für mehr Dynamik sorgt. „Reroute To Remain“ – der Weg zum modernen und kritisierten In Flames. (mat)

 

 

soundtrackVerhasst, Verdammt, vergöttert? Wenn man viele Menschen über ihre Meinung zu „Soundtrack To Your Escape“ befragt, so wird man die komplette Bandbreite von abgrundtief bescheiden bis sehr geil zu hören bekommen. Einer der Gründe hierfür ist vermutlich die Experimentierfreude, die von merkwürdigen Sounds über tiefe skurrile Gitarrensoli bis zu verrückten Effektbecken reicht. Dennoch überzeugt mich persönlich die Platte durch ihre Atmosphäre, die düster melancholisch und eben auch etwas verrückt ist. Songs wie „The Quiet Place“, „My Sweet Shadow“ oder „Evil In A Closet“ kann ich mich persönlich nicht entziehen. (mat)

 

 

playgroundSounds Of A Playground Fading“ ist die logische Fortsetzung des In Flames’schen Schaffensweges, den sie spätestens mit „Come Clarity“ eingeschlagen haben. Wie auf den Vorgängern „Come Clarity“ und „A Sense Of Purpose“ sind Growls im Prinzip kaum noch vohanden, Gekeife und Klargesang dominieren den lyrischen Teil, während die Gitarrenfraktion etwas härter ausfällt als beim direkten Vorgänger. Vom Songwriting her gibt es unter Berücksichtigung der musikalischen Entwicklung der Band kaum etwas zu meckern, Nummern wie „Deliver Us“, „Darker Times“, „A New Dawn“ oder „Ropes“ (das stark an „Clayman“-Zeiten erinnert) bieten hohen Hörspaß, nur „Jester’s Door“ ist zu langsam und passt überhaupt nicht ins Konzept – glücklicherweise ist es das kürzeste Lied der Platte. Wem der neue Stil der Schweden nicht gefällt, der wird weder mit „Sounds Of A Playground Fading“ noch mit den kommenden Veröffentlichungen zufrieden sein. Wer sich aber damit anfreunden kann, der bekommt hier eines der besten Alben dieser neuen In-Flames-Ära. (ma)

senseTja, was soll man zu „A Sense Of Purpose“ sagen? Kein einziger Hit, völlige Ideenlosigkeit, abgedroschene Riffs, Selbstbedienung bei eigenen Melodien, nichts bleibt hängen. „The Cosen Pessimist“ ist sogar langweiligste Quälerei. Kein Wunder, dass das 2008er-Album auf dem letzten Platz landet. Songs wie „Alias“, „Delight And Angers“ oder „The Mirror’s Truth“ scheinen sich zuerst als Highlights herauszulösen – aber neben den wirklichen Hits der In-Flames-Historie wirken selbst diese Stücke wie unterdurchschnittliches Splitterwerk des insgesamt schlechtesten Albums der Bandgeschichte. (mk)

 


 

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