Soulfly vs. Sepultura

Verfasst am 10. Dezember 2013 von Sebastian Zeh (Kategorie: CD-Rezensionen) — 14.674 views

Savages“ vs. „The Mediator Between Head And Hands Must Be The Heart

Der Dezember ist angebrochen. Für mich ist der erste Dezember gleichbedeutend mit dem Beginn der Weihnachtszeit und die ist ja in der Regel verknüpft mit Attributen wie friedlichem Miteinander, Liebe und allgemeiner Heiterkeit. Da dachte ich mir: Her mit unbarmherziger Zweisamkeit! Es ist  Zeit für SOULFLY VS. SEPULTURA!
Beide Bands haben dieses Jahr einen neuen Langspieler veröffentlicht und die Gemeinsamkeiten sind immens: Beiden Alben liegt ein Basisthema zugrunde, das auf den Songs dann – mal mehr, mal weniger kreativ – ausgearbeitet wird. Beide Alben wurden zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit auf demselben Label veröffentlicht. Beide Alben befinden sich im selben Genre (Thrash/Death-Crossover) und wurden mit der Hilfe von Gastmusikern, sowie erstmalig mit neuem Drummer eingespielt. Beide Alben beinhalten in ihrer Standardvariante zehn, in der Deluxe-Variante zwölf Songs. Und: Beide Alben beinhalten eine minimale Rückbesinnung auf alte Werte. Wann also sollte man diese zwei häufig verglichenen Bands gegeneinander antreten lassen, wenn nicht jetzt?

Das Artwork

Da für mich ein Album immer ein Gesamtkunstwerk ist, bei dem der visuelle Aspekt eine nicht zu verachtende Rolle spielt, nehmen wir uns zunächst die äußere Erscheinung vor. Beide Platten sind grafisch relativ schlicht gehalten. Während das Sepultura-Album mit einem abstrakten Frontcover immerhin den – wesentlich zu langen – Albentitel „The Mediator Between Head And Hands Must Be The Heart“ sehr gut einfängt, ist der Look der Soulfly-Scheibe mit seinem Fokus auf Knochen und Schädel etwas „allgemeiner“, dafür jedoch weitaus weniger abstrakt.

Das Albenkonzept

Soulfly gehen auf „Savages“ der – laut Band – jedem Menschen zugrundeliegenden brutalen, wilden und unzivilisierten Seite auf den Grund. Es geht dabei unter anderem um Krieg („Bloodshed“), Gewalt („This Is Violence“, „Fallen“) und Anarchie („Master Of Savagery“). Die hieraus entstehenden lyrischen Ergüsse sind zweifelsohne keine hohe Dichtkunst, allerdings in ihrer Schlichtheit durchaus effektiv. Sepultura hingegen beschäftigen sich mit einer allgemeinen Angst vor technischem Fortschritt und dessen Folgen. Dabei geht es um die Folgen von Umweltverschmutzung („Tsunami“), vor allem aber um Fragen von – wie auch immer gearteter – Kontrolle („Manipulation Of Tragedy“, „The Age Of The Atheist“, „The Vatican“). Somit ist das gesamte Album ein Aufschrei gegen eine gleichgültige und konsumorientierte Gesellschaft.

Die Musik

Jetzt geht es um die Wurst. Was könnte bei diesem „Battle Of The Bands“ wichtiger sein als die Musik? Wie bereits beschrieben sind beide Platten eine Mischung aus Thrash- und Death-Metal-Elementen, wobei eindeutig der letztere Stil dominiert. Aufgrund des höheren Tempos der Songs auf der Sepultura-Platte ist die Mischung etwas ausgewogener, während „Savages“ mit Ausnahme von „Cannibal Holocaust“ eigentlich keinen „reinen“ Thrasher beinhaltet.
Die Cavalera-Truppe besticht erneut durch minimalistisch gehaltene, kaum variierte Riffs. Und für mich erstmalig in der Karriere von Soulfly fällt ein häufig gemachter Kritikpunkt stark ins Gewicht: Die Songs sind zu sehr geprägt von Max‘ Leersaitengebolze. Auf den Vorgängerplatten „Omen“ und „Enslaved“ fiel das für mich weniger stark auf, da die Songs hier insgesamt kürzer und dank den Leadparts von Marc Rizzo insgesamt etwas spritziger ausfielen. Die Songs von „Savages“ hingegen sind fast alle sehr lang („El Comegente“ etwa hat eine Spielzeit von über acht Minuten) und das steht dem Sound von Soulfly meiner Meinung nach überhaupt nicht. Es gibt keinen wirklichen Aufbau, der auf einen wie auch immer gearteten Höhepunkt abzielt, weswegen die Musik oft uninspiriert wirkt. Auch das obligatorische „Soulfly IX“ – das es nur für Käufer der Deluxe-Version gibt – klingt für mich weniger nach einer lockeren Jamsession als in der Vergangenheit und eher als eine durch das selbstgemachte Konzept aufgezwungene Fortsetzung. Dasselbe Bild ergibt sich in Bezug auf die Gastparts, denn auch hier klingt es eher nach einem konzeptualen Muss denn einer musikalischen Notwendigkeit. Bis auf das wütende Gebelle von Jamie Hanks (Sänger von I Declare War) gibt es eigentlich keinen nennenswerten Gastbeitrag.
Auch die Sepultura Songs sind nicht unbedingt die kürzesten, ergehen sich aber im Vergleich zur Konkurrenz nicht dauerhaft in minimalistisch eingeknüppelten Riffs. Zugegeben, Andreas Kissers musikalischen Ergüsse sind keine Meisterwerke geworden und das Album klingt so sehr aus einem Guss, dass man, wenn man das Album nur nebenbei hört, oft garnicht merkt, dass bereits ein neuer Song angefangen hat. Auch Hits hat das Album keine. Das Album ist daher etwas schwerer zugänglich und braucht einige Durchläufe, um seine volle Kraft richtig zu entfalten. Allerdings ergibt sich durch die sperrige Herangehensweise, die von Ross Robinson wunderbar in Szene gesetzt wurde, das erste Mal seit Jahren ein Sepultura-Album, das in meinen Ohren gegenüber Soulfly die Nase vorne hat. Das gilt auch für die Gastbeiträge: Auf „Obsessed“ hat niemand anderes als Slayer-Legende Dave Lombardo die Drumspuren eingespielt und die klingen tight ohne Ende! Selbst die von Max Cavalera versprochene Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln und damit einhergehenden Percussions sind von Sepultura besser umgesetzt worden und durchziehen das ganze Album mal mehr mal weniger offensichtlich.
Am Ende des Tages ist es – wie so häufig – eine reine Geschmacksfrage, aber aufgrund der kürzeren Songstrukturen, der etwas kraftvolleren Produktion sowie der etwas flotteren Songs heißt der Sieger dieses Battles Sepultura.


Sepultura – „The Mediator Between Head And Hands Must Be The Heart

Sepultura The Mediator

Bewertung: 10/15 Punkte
Genre: Death/Thrash Metal
Herkunft: Brasilien
Label: Nuclear Blast
Veröffentlichungsdatum: 25.10.2013
Homepage: www.Sepultura.com.br

Tracklist

  1. Trauma Of War
  2. The Vatican
  3. Impending Doom
  4. Manipulation Of Tragedy
  5. Tsunami
  6. The Bliss Of Ignorants
  7. Grief
  8. The Age Of The Atheist
  9. Obsessed
  10. Da Lama ao Caos
  11. Stagnate State of Affairs (Bonus Track)
  12. Zombie Ritual (Bonus Track)

 

Soulfly – „Savages

Soulfly Savages

Bewertung: 8/15 Punkte
Genre: Death/Thrash Metal
Herkunft: Brasilien/USA
Label: Nuclear Blast
Veröffentlichungsdatum: 04.10.2013
Homepage: www.Soulfly.com

Tracklist

  1. Bloodshed
  2. Cannibal Holocaust
  3. Fallen
  4. Ayatollah Of Rock ‚N‘ Rolla
  5. Master Of Savagery
  6. Spiral
  7. This Is Violence
  8. K.C.S.
  9. El Comegente
  10. Soulfliktion
  11. Fuck Reality (Bonus Track)
  12. Soulfly IX (Bonus Track)

 


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