Und die kalte Haut brennt

Verfasst am 31. Juli 2009 von Fallen (Kategorie: Interviews) — 1.180 views

Interview mit Cold Skin Burning

Christian (Gitarre), Patrick (Gesang), Babak (Gitarre), Hendrik (Bass) und Martin (Schlagzeug) bilden das Quintett Cold Skin Burning aus Aschaffenburg/Frankfurt am Main. Nach einem Konzert im Colos-Saal waren wir von den Fünf so überzeugt, dass wir alsbald ein Interview anleiern wollten. Sie haben bewiesen, dass doch noch brilliante, junge Musik in der Umgebung gemacht wird. Ihr Gitarrist Christian hat sich mir und meinen Fragen freundlicherweise gestellt:

Metal-Aschaffenburg:
Schön, dass du dir die Zeit für ein kleines Interview genommen hast!
Bei eurem Auftritt im Colos-Saal als Vorband von All Shall Perish, habt ihr bewiesen, dass ihr zu den Topbands der Umgebung gehört.
Beschreibe doch mal deine Band für alle, die euch nicht kennen!

coldskinChristian:
Ersteinmal natürlich besten Dank fürs Kompliment!
Wir sind ein relativ bunt zusammengewürfelter Haufen zwischen 21 und 29 Jahren, Studenten und ehrliche Arbeiter. In dieser Besetzung spielen wir jetzt ca. 1,5 Jahre zusammen.
Wir kommen aus Frankfurt, proben in Offenbach und haben uns natürlich ganz dem Metalcore verschrieben.

Du sagst, dass ihr euch dem Metalcore verschrieben habt.
Eure alten Songs klingen deutlich danach, allerdings finde ich, habe ich das live anders empfunden (live habt ihr ja fast ausschließlich neue Songs gespielt) und hätte euch nicht unbedingt in diese Schublade stecken wollen, nicht zuletzt deswegen, weil euer Schlagzeuger ein Gojira-Shirt trug, obwohl der Gesang natürlich teilweise deutlich dem Metalcore entliehen ist.
Wovon lasst ihr euch also musikalisch inspirieren, gibt es Bands, die ihr als Vorbilder anseht, oder versucht ihr eigenständig und unabhängig Musik zu komponieren?

Ok, was das Gojira-Shirt angeht muss ich gestehen, dass unser Drummer Martin eher aus der Death-Metal-Ecke kommt und noch langsam an die Metalcorematerie herangeführt wird.
Er ist unser jüngstes Mitglied und hat vorher auch keinen Metalcore gehört.
Was unsere alten Songs angeht kann man sagen, dass wir in den letzten Monaten eine deutliche Stiländerung durchlebt haben.
Kurz nachdem wir unsere erste EP vollendet haben, mussten wir eine kurze Pause einlegen, da unser Sänger Patrick Vater geworden ist. Dann mussten wir uns aus beruflichen Gründen auch von unserem damaligen Drummer trennen und haben praktisch bei Null angefangen. Die alten Songs wurden alle über Bord geworfen (außer „Walls of Blood und Passion Is My Sin“, die immer noch sehr gut ankommen) und wir haben versucht, etwas komplexer zu sein als vorher. Wenn man sich unsere neuen Stücke anhört (die EP soll im September erscheinen), wird das hoffentlich auch deutlich und unser Drummer hat da großen Einfluss drauf genommen, da wir nun auch viele Blastbeats und Tremoloanschläge verwenden.
Was den Gesang der alten Stücke angeht, haben wir uns entschieden, den typischen Core-Gesang nahezu gänzlich zu entfernen, weil er den Songs die Härte nimmt und heutzutage leider fast jede Metalcore-Band diesen benutzt.
Noch kurz zu anderen Bands und Vorbildern:
Wir versuchen natürlich unseren völlig eigenen Stil zu entwickeln und deshalb auch Elemente einzubauen, die vielleicht nicht ausschließlich in den Metalcore-Bereich fallen, aber ich denke, genau diese Mischung macht unsere Songs sehr interessant. Viele Bands haben das Problem, dass sich einfach jeder Song gleich anhört. Wir versuchen eben genau das Gegenteil zu erreichen und hoffen, dass es auch gelingt.
Bands, die wir gerne hören, sind im Moment (ich spreche mal jetzt von mir, die anderen hören das aber auch): August Burns Red, Misery Signals, Killswitch Engage, Architects usw. Wie gesagt, was unser Drummer hört fällt außerhalb meines Geschmacks: Death Metal und Black Metal, unser Sänger kommt da eher nach dem alten Schlag: Cataract, Born From Pain und solche Sachen.

Die Mischung macht’s! Das hat man deutlich gemerkt, dass euer Drummer die Stücke äußerst abwechslungsreich gestaltet und interessanter macht.
Du hast bereits die EP angesprochen, auf die ich gerne gleich nochmal zurückkommen will, aber zunächst zum Songwriting. Wie geschieht das bei euch, habt ihr einen Songwriter oder macht ihr das gemeinsam, wer schreibt die Texte und wie wichtig sind euch diese?

In der Regel läuft es so: Die beiden Gitarristen (Babak und ich) bringen meistens diverse Riffs an, die wir den Anderen vorspielen (manchmal auch komplette Songs, die dann aber meistens sowieso auseinandergenommen werden). Dann basteln wir den Song zusammen und ganz zum Schluss kommt der Gesang. Wir legen Wert drauf, dass wirklich alle fünf Mitglieder am Ende zufrieden sind und dass keiner etwas spielt, was ihm nicht gefällt. Deshalb kann das Songwriting immer etwas dauern, aber meiner Meinung nach sieht man spätestens auf der Bühne, ob eine Band hinter ihren Songs steht oder nicht. Nur wenn man ehrlich Spaß hat, kann man sich fallen lassen und wirklich seine Sachen ordentlich präsentieren.
Was die Texte angeht liegt alles in Patricks Händen und das ist auch gut so. Er hat in dieser Hinsicht wirklich Talent, was uns anderen gänzlich fehlt. Meistens schreibt er Anekdoten aus seinem Leben und das war anscheinend bis jetzt recht ereignisvoll. Natürlich wollen wir immer wissen worum es geht, obwohl man ja gerade Bands aus dem Metalcore-Bereich nachsagt, dass man die Texte sowieso nicht versteht.

Daraus würde ich hören, dass ihr gerne auf der Bühne steht und euch nicht als Proberaumprojekt oder Ähnliches betrachtet?

Ich denke jeder, der schon mal auf einer Bühne stand, der kennt das Gefühl: Nachdem die erste Aufregung weg ist, möchte man am liebsten gar nicht mehr runter!
Der Proberaum dient ausschließlich dem Songwriting, dem Proben und dem Aufnehmen. Für uns zählt es wirklich so oft live zu spielen, wie möglich

Das ist schön!
Ihr habt auch beim Emergenza-Festival mitgemacht, einer Newcomer-Veranstaltung, und wart dort recht erfolgreich (4. Platz im Halbfinale)
Wie war es für euch mit so vielen anderen aufstrebenden Bands zu spielen?

Also, dazu muss ich ganz ehrlich sagen, dass wir uns angemeldet haben, um mal im Nachtleben in Frankfurt zu spielen, denn unsere Musik ist ja nicht gerade gefragt. Als wir dann das Halbfinale erreicht haben, war das ’ne richtig geile Sache. Dann noch im Halbfinale in einer ausverkauften Batschkapp zu spielen ist ein Kindheitstraum. Der 4. Platz hört sich anfangs nicht so toll an, aber wenn man bedenkt, dass insgesamt zehn Bands mitgespielt haben, wir nur 23 Karten verkauft haben und dann mit 89 Stimmen 4. geworden sind, kann man da schon etwas stolz drauf sein. Vor allem wenn man die einzige „härtere“ Band ist und gegen 15- bis 20-Jährige antreten muss.
Chancen haben wir uns also keine ausgerechnet, als wir da mitgemacht haben.

Es ging also um den Spaß an der Freude und das noch recht erfolgreich, das ist doch cool. Um noch einmal auf die oben erwähnte EP zurückzukommen. Für wann ist sie geplant und was darf man erwarten?

Sicherlich, es hat großen Spaß gemacht und dass man dann noch unerwartet in die Batschkapp kommt, ist umso schöner.
Zur EP: Wir haben geplant, die nächste Woche (4. August 2009) anzufangen und uns aber richtig Zeit zu lassen. Ein Set haben wir und können somit jederzeit live spielen. Deshalb ist es möglich eine kleine Pause beim Songwriting einzulegen und uns auf die EP zu konzentrieren. Geplant ist, dass wir bis spätestens Ende September das gute Stück fertig haben! Erwarten darf man ausschließlich neue Songs, die bis jetzt noch nicht aufgenommen wurden, also die man auch noch nicht auf MySpace hören kann (außer „For my Pleasure“)

Wieviele Songs nehmt ihr in Angriff, bzw. wieviel Spielzeit?

Das ist ’ne gute Frage. Geplant sind ca. fünf Songs und der ein oder andere Bonustrack, aber darauf möchte ich mich noch nicht endgültig festlegen, da immer etwas spontan dazwischen kommen kann.

Wird es eine Eigenproduktion?

Ja, definitiv! Unsere erste Scheibe haben wir im Studio für sehr viel Geld aufgenommen und waren am Ende sehr enttäuscht. Das Mastering haben wir letztendlich sogar selbst übernommen, da wirklich schlampig gearbeitet wurde.
Das notwendige Equipment ist vorhanden und unser Bassist Hendrik kennt sich mit der Technik bestens aus.

Dass Eigenproduktionen durchaus eine ausreichend gute Qualität aufweisen können, haben in letzter Zeit Klamm bewiesen, also lassen wir uns überraschen. Ich bin auf jeden Fall gespannt und werde euch sofort eine Scheibe abnehmen.
Du hast gesagt, dass ihr ein Liveset habt. Wann kann man euch wieder zu Gesicht bekommen?

Da nehme ich dich beim Wort!
Also wir haben mit dem Gig im Colos-Saal das erste Halbjahr praktisch abgeschlossen und planen nun gerade den Rest des Jahres. Geplant ist, dass wir definitiv nochmal in Frankfurt spielen und wenn es gut läuft in Aschaffenburg und Darmstadt. Sollte sich noch woanders etwas ergeben, nehmen wir das gerne dankend an! Locations kann ich leider erst nennen, wenn die Termine feststehen, aber man kann uns ganz sicher noch einige Male dieses Jahr zu Gesicht bekommen. Die neusten Infos dazu gibt es wie immer ganz aktuell direkt auf unserer MySpace-Seite.

Wunderbar!
Ist evtl. etwas mit Cult of Gaia geplant?
Rein Musikalisch würdet ihr ein gutes Doppelpaket ergeben.

Da könnte man auf jeden Fall einmal drüber nachdenken, da wir vor Ewigkeiten schon mal mit CoG spielen sollten, was aber irgendwie nicht geklappt hat (weiß ich aber leider nicht mehr genau, ist ewig her). Das Problem ist, dass man in Aschaffenburg relativ schwer spielen kann, wenn man nicht direkt von dort stammt.

Hier ist deine Chance noch Werbung in eigener Sache zu machen. Merch, CDs, gebrauchtes Klopapier….

Also ich würde jedem empfehlen einfach mal auf unsere MySpace-Seite zu gehen, sich unsere Songs anzuhören, Fotos anzuschauen und natürlich unser Freund zu werden! Natürlich freuen wir uns über jeden Besucher, über jeden neuen Freund und über jeden Kommentar zu unserer Musik! Dort gibt es dann auch immer die neusten Infos über anstehende Gigs oder über die Band selbst! An dieser Stelle möchte ich mich auch nochmal ganz offiziell bei den Leuten bedanken, die uns immer auf unsere Konzerte begleiten und uns dort unterstützen. Das ist wirklich der Hammer!
Mit gebrauchtem Klopapier können wir natürlich auch dienen, wenn es gewünscht wird…

Alles klar!
Dann bedanke ich mich recht herzlich für das Interview und wünsche euch viel Glück für die Zukunft. Bleibt am Ball!

Ich bedanke mich im Namen der ganzen Band und macht mit eurem Projekt Metal-Aschaffenburg weiter. Ist schön, dass es so etwas gibt!

coldskin2

Dankeschön! (mat)

(Fotos von www.myspace.com/coldskinburning)

Tags:

Hinterlasse eine Antwort

*