Orphaned Land | Vorbands: The Mars Chronicles, Klone, Bilocate

Verfasst am 27. September 2013 von Michael Klein (Kategorie: Konzert-Rezensionen) — 905 views

24.09.2013 – Colos-Saal, Aschaffenburg

Ein paar mehr Zuschauer hätte ich mir ob des tollen Tourpakets schon gewünscht. Naja, was nicht ist, kann ja noch werden. Die ca. 200 Anwesenden sind jedenfalls voll auf ihre Kosten gekommen.

The Mars ChroniclesBegonnen hat der illustre Reigen bereits um 19:15 Uhr. Für viele Brötchenverdiener zu früh, um noch rechtzeitig im Colos-Saal einzutreffen. Auch ich bekomme nur noch die beiden letzten Nummern von The Mars Chronicles mit, finde aber sofort Gefallen an dem, was ich dort höre. Die Band mit dem ungewöhnlichem Look (ganz in weiß gekleidet, Haare weiß eingepulvert und mit schwarzen Kontaktlinsen die Gesichter „entmenschlicht“) donnert eine druckvolle Mixtur aus Post Metal, djentigen Gitarrenriffs und melodischem Alternative von der Bühne und beweist, dass komplexe Songstrukturen nicht immer nur etwas für Denker sind, sondern live auch durchaus über Durchschlagskraft verfügen können.

KloneAls die französischen Landsmänner von Klone kurz darauf auf die Bretter steigen, ist die (zu diesem Zeitpunkt) stetig anwachsende Menge Zuhörer schon bestens eingestimmt. Soundtechnisch liegt das Quintett gar nicht so weit entfernt von den vorherigen Marsianern. Es mischt die elegischen Djent-Riffs jedoch mit viel Groove und deutlich mehr Melodien, die von Sänger Yann Ligner hervorragend intoniert werden. Das Ergebnis klingt dann wie eine energische Mischung aus (älteren) Soundgarden, The Ocean, Nirvana und Mastodon. Krönung des starken Gigs ist das finale Björk-Cover „Army Of Me“ in einer gnadenlos bretternden Version.

BilocateVon Bilocate dürften bisher die wenigsten der Anwesenden etwas gehört haben. Trotzdem werden die Gäste aus Jordanien (wie alle anderen Bands auch; Orphaned-Land-Fans sind halt scheuklappenfrei) freundlich empfangen. Dass die Band wegen diverser Visa-/Einreiseprobleme kaum Zeit hatte gemeinsam die Live-Situation zu proben, fällt kaum auf. Zwar bewegen sich die Musiker etwas schüchtern und verhalten, musikalisch läuft der abwechslungsreiche Cocktail aus 90er-Jahre-Black-Metal (Dimmu Borgir zu „Enthrone Darkness Triumphant“-Zeiten), Doom, 90er-Death-Metal (Amorphis Frühwerke; oder treffender: Orphaned Lands Ursprünge) und einem Schuss Orientalik aber ziemlich gut runter. Die Paradise-Lost-Coverversion von „Dead Emotion“ fügt sich perfekt in eigene Stücke wie „2nd War In Heaven“ oder „The Dead Sea“ ein. Der Beifall am Ende des Sets bezeugt, dass auch die härteste der heute aufspielenden Vorbands keinesfalls fehlplatziert ist.

Orphaned LandBereits bis hier ist der Abend ein voller Erfolg. Aber Orphaned Land wären nicht Orphaned Land, wenn sie diesem nicht noch eins draufsetzen würden. Rund um das neue Werk „All Is One“, das heute selbstverständlich im Mittelpunkt steht, stricken die Israelis ein Fest, bei dem neben Mitklatschgassenhauern wie „Sapari“ oder „Norra el Norra“, berührenden Balladen („Children“, „Brother“) auch krachende Metal-Songs vom Schlage „Barakah“ aufgefahren werden. Die verschiedenen Songs fügen sich live zu einem unvergleichlichen Stimmungsbild zusammen und entwickeln mit dem freudestrahlenden Optimismus und der guten Laune, die jedem der Bandmitglieder (Stammgitarrist Yossi Sassi fehlte heute, da er zuhause die Geburt seiner Tochter erwartet) ins Gesicht geschrieben steht, eine tolle Atmosphäre im Saal, die Band und Publikum gleichfalls anstachelt. Keine Frage: So sehen Sieger auf beiden Seiten aus! Bis zum nächsten Mal!

Text: (mk), Bilder: (mst)

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