Carnal Decay

Verfasst am 05. Oktober 2012 von Michael Klein (Kategorie: Interviews) — 2.704 views

Around the world…

In den letzten Jahren ist die (Brutal-) Death-Metal-Szene in unserer Region stark gewachsen. Neben Mastication Of Brutality Uncontrolled, Provocation & Co. könnte man inzwischen auch die (eigentlich aus der Schweiz stammende Formation) Carnal Decay mit dazu rechnen, denn MOBU-Bassist Nasar (auch bekannt von ehemals Provocation, Retaliation und Hateprison, sowie vom Kleinheubacher Label Rising Nemesis Records) lässt dort ebenfalls die dicken Saiten vibrieren. Den Kult-Clip der Truppe dürfte so ziemlich jeder schon mal gesehen haben.

Wir schnappten uns Sänger Michael für ein kleines Interview.
Metal-Aschaffenburg: Ich denke, dass Carnal Decay nicht jedem unserer Leser geläufig sind. Stellt doch deshalb zuerst bitte mal kurz die Band und euren Sound vor.

Michael: Hallo! Wir sind eine Brutal-Death-Metal-Band aus der Schweiz, wobei da auch die Grenzen wieder fließend sind, da momentan nur noch unsere Gitarristin Isa Schweizerin ist und Nasar (Bass) und ich (Michael, Vocals) Deutsche sind, ich mit Wohnsitz in der Schweiz. Unser langjähriger Drummer Reto hat gerade das Weite gesucht und wir sind jetzt auf der Suche nach einem neuen Drummer.
Wir spielen einen sehr Hardcore-lastigen Death Metal mit vielen Old-School-Hardcore-Breakdowns im Stile von Dying Fetus, Skinless, etc. – also eher der amerikanischen Schule.
Seit 2006 sind wir jedes Jahr mindestens ein mal auf Tour gewesen sei es in Europa/England/Mexico/USA/Russland oder haben Festival-Shows gespielt an Festivals wie: Central Illinois Metalfest, Las Vegas Deathfest, Obscene Extreme Festival, Mountains Of Death…
Wir haben bisher drei Full-Length-Alben auf dem Markt: „Carnal Pleasures“ (2006, Fastbeast), „Chopping Off The Head“ (2008, Fastbeast), „On Top Of The Food Chain“ (2011, Sevared) und weitere kleine Sachen wie Beiträge auf diversen Samplern (letztens erst gerade der neue Gentle Carnage Sampler).

Ihr wart im Juni zwei Wochen in den USA unterwegs. Welche Impressionen konntet ihr denn von dort mitnehmen? Wie wurdet ihr dort aufgenommen? Welche Anekdoten gibt es zu erzählen?

Amerika… Jaaa, das waren noch Zeiten, haha, war echt eine coole Tour, we had so much fun, haha. Es war echt cool, für mich war es so was wie einen Lebenstraum erfüllen… bis zum ersten Gig. Nein, Spaß beiseite! Wenn man sich halt die europäischen Verhältnisse gewohnt ist, dann ist es etwas komisch, wenn man in Amerika spielt.
Wenn wir hier in Europa ein Konzert spielen, gibt es eigentlich immer freie Getränke, freies Essen, Backstage-Raum, PA-System, Monitor-Lautsprecher auf der Bühne, eine anständige Gage, mit der man mindestens die Kosten gedeckt hat… das ist auf der andern Seite vom großen Teich ganz anders!
Wenn du dort ein Bier bekommst, dann hast du einen seeehr großzügigen Gastgeber an der Bar, in der du gerade spielst, wenn du dort Monitor-Lautsprecher siehst (und hörst), bist du schon fast ein Star und wenn du was zu Essen bekommst, hast du schon gewonnen, haha, ganz zu schweigen von einem Schlafplatz nach der Show. Das heißt für eine EU-Band von unserem Kaliber ist eine Tour dort sehr kostenaufwändig, da wirklich fast alles selber finanziert werden muss.
Es gibt immer nur Doordeals, das heißt kein Organisator sagt dort im Voraus „ich zahle euch…$ dafür, dass ihr mir ein paar Gäste bringt“.
Das Risiko, ob die Hütte voll ist oder leer, tragen alleine die Bands.
Außer natürlich es handelt sich um ein Festival wie z. B. das Las Vegas Deathfest… wo man schon mit Fixpreisen rechnen kann.

Nun das liest sich jetzt alles sehr negativ für einige, aber ich muss sagen, es war für uns eine sehr lehrreiche Zeit. Es zeigt, dass eine Band pur sein muss, das heißt, wenn du nur mit Computern und Samplern als Band funktionierst, dann funktionierst du auf solchen Bühnen nicht. Wenn deine Band den absoluten Luxus braucht, dann funktioniert die ganze Tour in dem Stil nicht!

Ist die Verpflegung für Bands dort wirklich so schlecht wie man erzählt und die Clubs wirklich so heruntergekommen wie man sagt?

Hmm, also Verpflegung gab es eigentlich gar nicht und die Clubs waren in den meisten Fällen Bars. Aber heruntergekommen war eigentlich keine der Bars, haha.

Auch Malta (das Malta Death Fest) stand auf dem Programm. Wie war der Gig dort? Klingt recht exotisch.

Malta war echt der Hammer, es war die letzte Show mit unserem Drummer Reti, der sich nachher anderen Sachen im Leben hingeben will… und ich denke es war definitiv eine geile letzte Show, an die wir alle immer gerne zurückdenken.
Es war auch ein kleiner Club und verdammt heiß (kam schon fast an ein paar Konzerte ran, die wir in Mexiko gespielt haben), aber die Stimmung hat genauso gekocht wie die Luft in dem Laden. Es war einfach nur genial!
Auch rund um den Gig war es geil, im Meer baden zu gehen, ein paar Cocktails zu schlürfen und sich – während hier langsam aber sicher der Winter einzieht – mal wieder schön die Sonne auf den Pelz scheinen zu lassen.

Euer noch aktuelles Album von 2011 heißt „On Top Of The Food Chain“. Und gemessen am coolen Albumcover seht ihr dort eindeutig den Menschen an der Spitze der betitelten Nahrungskette. Ist das denn wirklich so, oder bilden sich die Menschen nur ein, dort zu stehen?

Wenn du dir das Booklet mal genauer ansiehst, findest du auf der ersten Seite den ganzen Berg mit allen möglichen Sachen/Tieren, die der Mensch unter sich begräbt oder unter sich lässt in der Nahrungskette. Auf der linken Seite lässt ein Affe eine Bananenschale fallen.

Wenn du dann durch das Booklet durchblätterst siehst du den Menschen, wie er den vier Naturgewalten Wasser, Feuer, Luft und Erde trotzt und das ganze eigentlich ganz easy nimmt.

Dann auf der letzten Seite siehst du wie der Mensch auf der Bananenschale ausrutscht… und daran draufgeht. Es soll darstellen, dass alles was wir machen wieder auf uns zurück kommt, das soll jetzt nichts mit dieser ganzen Hippie-Karma-Scheiße zu tun haben, sondern einfach nur nochmals anregen darüber nachzudenken, ob es nun tatsächlich nötig, ist jeden Müll überall rum liegen zu lassen oder einfach nur alles um einen auszubeuten. Eventuell kommt da ja mal was zurück.
Nun es war eine coole Idee, vor allem von Isa, das ganze comicmässig darzustellen und mit Franz Föhn haben wir wieder unseren Zeichner engagiert, der auch schon bei unserem Album „Chopping Off The Head“ gezeichnet hat.

Für klassische Grindcore’ler sind eure Stücke durchschnittlich relativ lang. Läuft euer Songwriting denn immer auf knackige Dreiminüter hinaus oder könnt ihr mit Songs, die die Minutengrenze nicht überschreiten einfach nix anfangen?

Ja, es muss ja radiotauglich sein oder?!? In den meisten Fällen von ein-Minuten-Songs kommt live einfach noch keine Stimmung auf, vor allem wenn man solche Stücke in der Schweiz spielt; ihr wisst doch, dass hier alles etwas langsamer läuft, haha.

Wie ist es denn um die (Extrem-) Metal-Szene in der Schweiz bestellt? Clubs und Bands gibt es ja einige gute, aber gibt es auch eine organisierte Gemeinschaft oder nur einen losen Zusammenhalt?

Hmmm, also, das ist eigentlich ganz cool hier, wie du schon geschrieben hast gibt es viele Konzerte und auch Bands. Aber es ist hier nicht so eine Gemeinschaft wie z. B. NYDM (New York Death Metal), wo alle ihre Leder-Kutten tragen und sich der Club-Treue verschrieben haben, wie Biker-Clubs das so kennen.

An den Schweizer Death-Metal-Shows ist es eher so, dass man einen großen Teil der Leute und einheimischen Bands kennt und gerne miteinander Bier trinkt, eigentlich genau wie in Deutschland/Holland/Österreich und sonstigen EU-Ländern.

Habt ihr vielleicht einige (egal ob Schweizer oder nicht) Geheimtipps für uns, die wir mal antesten sollten?

Also, von unseren letzten Shows her  würde ich mal folgende Empfehlungen abgeben:

Sexcrement aus den USA, die haben auch am Las Vegas Deathfest gespielt, waren für mich zusammen mit Guttural Secrete die beste Band des Festivals!
Insision aus Schweden (wird bei mir langsam zum Dauerrotierer im CD-Player)
Party Cannon aus England (waren echt cool am Malta Deathfest)
Omophagia und Cremation aus der Schweiz unbedingt anchecken!

Das wärs dann mal für den Moment würde ich sagen, bei Bedarf einfach mal anmailen, mir kommt dann schon noch mehr in den Sinn.

Wie sieht es demnächst bei Carnal Decay aus? Habt ihr bereits neues Material für ein neues Album?

Momentan sind wir auf der Suche nach einem neuen Drummer. Nebenher schreiben wir natürlich schon wieder an neuem Material herum, es wird da anknöpfen wo „On Top Of The Food Chain“ aufhört, das heisst Old-School-Hardcore-Brutal-Death, haha.

Vielen Dank für das Interview!

Ich habe zu danken!!!
Wer auf dem Laufenden bleiben will, hier noch unser Facebook Link, das ist momentan die am besten gewartete Seite von uns im Netz:
http://www.Dacebook.com/Pages/Carnal-Decay-Official/222306761144835

(mk)

Tags:

Hinterlasse eine Antwort

*