Finnischer Sturm

Verfasst am 20. Dezember 2007 von Michael Klein (Kategorie: Konzert-Rezensionen) — 1.048 views

Ensiferum | Vorbands: Insania, Chthonic

13.12.2007 – Colos-Saal, Aschaffenburg

20:30 Uhr. Horden verschwitzter, mit Kriegsbemalung versehener Fans strömen in Massen aus dem Colos-Saal. Kurz zuvor wurden die Anwesenden nach mehreren gespielten Zugaben von Ensiferum in die kalte Nacht entlassen. Diese bewiesen in den vorhergegangenen 90 Minuten, dass sie derzeit auf dem Live-Sektor zweifelsohne zu den besten Folk-/Pagan-Metal-Bands zählen. Der finnische Fünfer bot eine energiegeladene, actionreiche Show, die mit vielen Hits gespickt war. Bei Bassist Sami und Gitarrist Markus rotierten die Haare im Sekundentakt und auch Frontmann Petri Lindroos wirkt inzwischen viel bühnenpräsenter und selbstsicherer als ich ihn von den letzten Konzerten in Erinnerung habe. Hier kommt die bei seiner Zweitband Norther gesammelte Routine Ensiferum auf der Bühne zu Gute.

Wenn das Quintett immer so spielfreudig wie heute agiert, werden in Zukunft auch die ständigen „Jari war eh besser…“-Rufe verstummen, denn an diesem Auftritt gab es nichts, was man hätte schlecht reden können. Das sehen die Anwesenden im fast ausverkauften Colos-Saal genauso. Sie schließen sich der Band an und geben Vollgas. „Iron“, „Deathbringer From The Sky“ und „Little Dreamer“ lassen die Matten fliegen. „Token Of Time“ erntet hunderte Teufelshörner, Gebrüll und tosenden Applaus. Nur in wenigen Momenten wie z.B. dem „Finnish Medley“ haben die Fans Zeit zur Erholung bevor die nächste Granate den Saal erschüttert. Der Titelsong des neuen Albums „Victory Songs“ beschließt nach 75 Minuten das reguläre Set und hinterlässt erschöpfte (und glückliche) Krieger.

21:00 Uhr. Noch vor dem Triumphzug der finnischen Schwertträger versuchen Insania das Publikum aufzuwärmen – was ihnen auch teilweise gelingt. Der stark an Helloween erinnernde Power Metal passt zwar so gar nicht zum restlichen musikalischen Programm, aber findet doch einige geneigte Zuhörer. Die fünf Schweden schleudern fröhlich klingende Hymnen in die Masse und verbreiten (u.a. auch wegen der seltsam-komischen Mimik des Sängers) ein breites Grinsen auf den Gesichtern der Anwesenden. Nett und Lustig.

Ganz im Gegenteil zum „heimlichen Headliner“: Die mächtigen Chthonic versprühen keinen Frohsinn, sondern Dunkelheit, Gift und Galle. Schon nach den ersten Takten ist einigen Besuchern die Überraschung anzusehen. Keiner hat wohl mit so heftigen Ausbrüchen gerechnet. Sänger Freddy (Left Face Of Maradou) würgt und keift sich die Seele aus dem Leib, während die Instrumentalfraktion den apokalyptischen Soundtrack dazu liefert. Die Parallelen zu Cradle Of Filth sind sowohl optisch als auch akustisch nicht von der Hand zu weisen, jedoch kommt bei Chthonic immer eine gewisse exotische Note mit hinzu. Dies liegt natürlich auch am Aussehen der Taiwanesen, aber auch an der gezielt eingesetzten „Geige“ und den teilweise ungewöhnlichen Songstrukturen. Kracher wie beispielsweise „Bloody Gaia Fulfilled“ sind jedenfalls Lehrstücke in Sachen melodisch/symphonischem Black Metal – vorgetragen von einer leidenschaftlich agierenden Band. Das kraftvolle Stageacting überträgt sich im Laufe des Sets immer mehr auf die Leute vor der Bühne, was auch mit zunehmend mehr Applaus honoriert wird. Als mit „Quasi Putrefaction“ das (viel zu frühe) Ende eingeläutet wird haben Chthonic eine eindrucksvolle Visitenkarte abgelegt. Ein starker Auftritt einer Band, von der man hoffentlich bald noch mehr hören wird. (mk)

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