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Verfasst am 23. Januar 2010 von Michael Klein (Kategorie: Interviews) — 920 views

Ein Interview mit Eric Fish

Bei einem dermaßen vollen Terminkalender wie dem des Subway-To-Sally-Sängers Eric Fish muss man sich wirklich fragen, wo der sympathische Wirbelwind noch Zeit findet, um sein inzwischen viertes Soloalbum aufzunehmen um damit auf Tour zu gehen. Metal-Aschaffenburg traf sich mit dem Workaholic kurz vor dem Auftritt im Colos-Saal.

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Metal-Aschaffenburg: Hallo Eric! Das neue Album „Alles im Fluss“ ist seit ein paar Tagen erhältlich. Wie sind denn die Reaktionen bisher?

Eric Fish: Zu 95% positiv. Wobei man ruhig unterscheiden kann zwischen dem was die Leute bei Amazon oder ins Gästebuch schreiben.
Was aber zu 100% positiv ist, sind die Live-Reaktionen. Es war ja ein gewisses Risiko, die Tour vor dem offiziellem Veröffentlichungsdatum zu beginnen. Aber so kann man natürlich die neuen Songs ausprobieren, ohne dass sie vorher jemand gehört hat. Jetzt können wir aber man sagen: es passt 100%ig. Es ist für mich ein Kompliment – vor allem als Songwriter – dass ich Lieder geschrieben habe, die den Leuten sofort ins Ohr gehen. Das wirst du heute Abend ganz sicher sehen. Es macht Spaß, die Leute lieben es und sind glücklich. Das bin ich auch.

Songs wie „Mantra“ schreien ja auch nach einer Live-Präsentation.

Beim ersten hören empfand ich „Alles Im Fluss“ als nicht mehr so unbeschwert wie die Werke zuvor – ja manchmal sogar traurig.

Traurig? Ist das der richtige Begriff? Nachdenklicher vielleicht. Ich bin seit dem letzten Album zwei Jahre älter geworden und hab eine Menge gelernt – in jeder Hinsicht. Habe Verluste erlitten und eine Menge mehr von der Welt gesehen als in den zwei Jahren zuvor. Oder ich trau‘ mir einfach noch mehr zu, Dinge zu beobachten und zu erkennen und auszusprechen – in Form eines Liedes – die man sonst im Alltag eher vor sich herschieben würde. Ich halte es inzwischen aus einem gesunden Selbstbewusstsein heraus für legitim, mir über Sachen Gedanken zu machen, die aus meiner Sicht allgemeingültig sind.

Diese gewonnene Reife hört man dem Album an.

Danke, das empfinde ich auch so.

Es kommen immer mehr Zuschauer zu den Konzerten. Hast du manchmal Angst, dass Eric Fish & Friends irgendwann zu große Dimensionen annimmt, dass es irgendwann zu groß wird?

Inzwischen nicht mehr. Diese Angst hatte ich mal. Gerade in den Anfangszeiten bei 100 Leuten, wo man überlegt: Bekommt man die Atmosphäre auch noch bei 300 Leuten hin? Mittlerweile sind wir bei etwa 200-300 Leuten und die Angst hat sich nicht bewahrheitet. Das liegt daran, dass jeder der kommt (mit Ausnahme von ein paar Erstbesuchern) weiß, womit er es zu tun hat und sich in diese kleine Familie einfügt. Deswegen habe ich diese Angst nicht mehr. Ich habe das auch schon auf Sommerfestivals erlebt, wo wir vor 2000 Leuten gespielt haben. Selbst die haben sich hingesetzt. Ich glaube, dass ich es schaffen kann, die Leute zu dem zu bewegen was das Wichtigste ist: Nämlich zuzuhören!
Wir werden das auch heute Abend wieder sehen. 300 Leute im Colos-Saal – das ist absolut geil. Es wird ganz sicher wieder eine super Atmosphäre hier. Zumal es ja auch der Laden ist, in dem alles angefangen hat.

Das betonst du ja auch häufig. Ist es nach wie vor so, dass ihr zu den Auftritten hier eine besondere Beziehung habt, oder verwandeln sich die Auftritte im Colos-Saal – bei der Menge an Konzerten die ihr spielt – in eines von vielen?

Nein. Es ist nach wie vor etwas Besonderes. Das hat auch viel mit den Leuten hier zu tun, die immer noch die Gleichen sind wie damals, als wir die erste Platte hier aufgenommen haben. Die sind immer ganz besonders nett. Hier passt alles, hier packt jeder mit an. Jede Bitte wird erfüllt. Man fühlt sich rundum wohl hier!
Dann ist es auch so, dass es gewisse Städte gibt, die von uns regelmäßiger als andere besucht werden. Da ich durch Subway gewissen Zeiteinschränkungen unterliege kann man halt nicht immer überall spielen. Hier ist aber der Laden, in dem wir am aller regelmäßigsten spielen. Das kommt in Aschaffenburg auch noch dazu.
Mit Subway waren wir ja auch immer gerne hier – als wir noch kleiner waren – und es waren auch immer geile Konzerte.

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Auf „Alles im Fluss“ sind einige neue Elemente zu hören. So zum Beispiel ein (reichlich versauter) russischer Textteil in „Bildungsoffensive“? Kannst du das Stück singen ohne rot zu werden?

(lacht) Warum nicht? Das ist ja der Sinn des Songs, dass man den Leuten anbietet, in einer Sprache zu fluchen, die niemand versteht. In unserem Land zumindest die wenigsten.
Der Text ist natürlich Unsinn und ich könnte ihn in deutsch nicht singen ohne rot zu werden. In russisch kann ich das. Ich bitte jeden, der dieser Sprache mächtig ist, sich nicht zu nahe getreten zu fühlen (lacht).

Zum zweiten Mal findet ein Text von Bodenski Verwendung auf einem Fish-Album.

Ja. Der Text liegt schon ewig herum und hat einfach noch nicht Verwendung gefunden. Es ist aber nicht so, dass Bode extra für die Platte etwas geschrieben hat.

Musikalisch stammt wie gewohnt alles von dir?

Ja. Gerit hat drei Songs geschrieben. Der Rest ist von mir.

Gibt es etwas was ihr diesmal komplett anders angegangen seid als zuvor?

Wir haben mehr zusammengearbeitet. Wo ich beim letzten Album noch sehr autokratisch über das geherrscht habe was passiert und was nicht, war es diesmal mehr Gemeinschaftsarbeit. Sprich: Fertigmachen der Songs, Arrangieren. Beim Zusammensetzen werden dann immer noch Ecken abgeschliffen oder Ideen eingebaut. So war jeder mehr integriert als bei der Platte zuvor und ich denke das hört man auch. Das wollte ich auch so. Es sollte jeder eine engere Bindung an das Ganze bekommen.

Arbeit im Kollektiv also.

Kollektiv trifft es schön – ja.

Hat sich dein Songwriting durch das Soloprojekt in Bezug auf Subway verändert?

Ja. Ich hab seit „Nord Nord Ost“ wesentlich mehr Chancen mit meinen Demos. Seitdem sind auf jeder Platte mindestens drei Stücke von mir drauf.

Was früher nie der Fall war.

Richtig. Das ist ein Ausdruck der Reife, die ich erreicht habe. Das ist aber eindeutig ein Lernprozess der da stattfindet. Der funktioniert so, dass ich mich hier ausprobieren kann und direkt an den Reaktionen der Leute erkennen kann, was funktioniert und was nicht. Man kann zwar keine Gesetzmäßigkeiten aufschreiben, aber man lernt dadurch. Dann gelingt es auch auf einer Sally-Platte einen Song unterzubringen – was ich für eine Auszeichnung halte bei solchen Komponisten wie Ingo zum Beispiel.

Vielen Dank für das Interview, Eric!

Ich danke dir!

(mk)

Speziellen Dank an dieser Stelle auch noch mal an Hagen vom Fanclub „Die Traumfänger“, der zum Zustandekommen dieses Interviews tatkräftig mitgeholfen hat.

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